Beiträge von Ad Lib

    Aktuelle wissenschaftliche Studie über die brasilianische Millionenstadt Manaus zeigt, dass Covid-19-Herdenimmunität bei ca. 50% der Bevölkerung erreicht wird (besser: "vermutlich erreicht worden sein dürfte"). https://www.sciencenews.org/ar…city-manaus-herd-immunity


    Weiters steht im Artikel, dass in Manaus (~2 Mio Einwohner, nur ca. 6% davon im "gefährlichen Alter" über 60) mit ~4000 Covid-Toten die Sterberate (IFR) "nur" ca. 0.2 Prozent war - da scheint mir irgendwo ein Fehler zu stecken, denn wenn ca. 50% der Bevölkerung infiziert waren, sind das ca. 1 Mio. Infizierte, und bei 4000 Toten wären das 0.4% IFR.


    Jedenfalls passen diese Zahlen in der Größenordnung gut mit dem zusammen, was über Covid-19 bekannt ist (aber leider immer noch mancherorts geleugnet wird): Ohne wirksame Gegenmaßnahmen breitet sich dieses Virus in der gesamten Bevölkerung aus, bis ca. die Hälfte der Menschen infiziert ist, und ein signifikanter Teil von ihnen (je nach Altersklasse stark unterschiedlich) stirbt an den Folgen der Infektion. Wenn die Bevölkerung im Schnitt jung ist, sind es weniger (~0.2%), wenn sie - so wie bei uns - im Schnitt älter ist, dann sind es mehr (~0.6% und mehr). Würde Covid-19 ungebremst auf der ganzen Welt um sich greifen, dann wären es letztendlich ca. 4 Milliarden Infizierte und ca. 10-15 Millionen Tote.

    Aber zu den Covid-Auswirkungen, aktuell sind noch diverse Stundungen nicht zu begleichen, richtig? Wenn die schlagend werden wird es auch nochmal gehörig rascheln. :(

    Ja, das ist ein gewaltiges Problem! Der Schuldenberg, den die derzeit "Geschützten" vor sich herschieben, wird immer größer, aber es ist klar, dass kaum jemand in absehbarer Zeit um so viel mehr verdienen wird, dass er so einen Berg auch wieder abtragen kann. Das betrifft bei uns zB Stromrechnungen oder auch Mieten (https://www.justiz.gv.at/html/…201715afa51fe361d.de.html). In den USA sind Millionen Mieter von diesem Problem bedroht - laut diesem Dokument https://www.federalregister.go…urther-spread-of-covid-19 zumindest ca. 25% bzw. über 12 Millionen Menschen.

    Selbst wenn es unter Österreichs Medizinern nur 0,1% "schwarze Schafe" sein sollten, die solche Atteste entweder aus Profitgier oder aus "Coronaskepsis" medizinisch unbegründet ausstellen, wären das immer noch einige Dutzend. Und da sich sowas vermutlich in den einschlägigen Kreisen herumspricht, wird es nicht allzu wenige Menschen geben, die das ausnützen.


    Sie erweisen damit freilich all jenen, die tatsächlich aus gutem Grund eine Maskenbefreiung brauchen, einen echten Bärendienst: Man wird als Maskenbefreiter (so höre ich, bin selbst nicht betroffen) ohnehin schon gelegentlich schief angeschaut oder auch angepöbelt, wenn man ohne MNS unterwegs ist, wo es eigentlich Pflicht ist; wenn dann wegen solcher Fake-Atteste noch der Verdacht besteht, dass jemand, der keinen MNS trägt und auf eine Befreiung verweist, gar keine echte Befreiung hat, dann passiert das sicherlich noch deutlich häufiger. MNS tragen ist dort wo es vorgeschrieben ist eben nicht nur Pflicht, sondern auch Rücksichtnahme und Solidarität, ein kleines oder größeres Opfer der eigenen Bequemlichkeit zugunsten der Allgemeinheit und insbesondere der Schwächeren und Schutzbedürftigen unter uns. Wer das mit solchen Fake-Attesten untergräbt, ist wirklich ein besonders asozialer Charakter.

    Interessant ist der neue Gesetzesentwurf bzgl. Ausgangsbeschränkungen und einer Ausgangssperre:


    Bin gespannt wie sie das diesmal kontrollieren wollen. Speziell den letzten Punkt.

    Da gehts weniger darum, ob und wie das konkrete Motiv des Aufenthalts im Freien überprüft wird (oder überhaupt realistisch überprüfbar ist), sondern zunächst mal darum, dass überhaupt ein Gesetz (und eben nicht nur mit einer Verordnung, der die gesetzliche Basis fehlt) geschaffen wird, mit dem konkrete Maßnahmen wie Wegweisungen (also "geht da weg, bildet keine Gruppe, ...") oder auch Strafen möglich werden, bloss weil jemand sich außerhalb seiner eigenen vier Wände aufhält. Ob ein Ordnungshüter im Zweifelsfall jemandem "glaubt, dass er zu Erholungszwecken spazieren geht", ist hier nicht die Frage, obwohl es da in Einzelfällen sicherlich auch zu - medial aufsehenerregenden - Situationen kommen wird... Sondern es geht darum, dass überhaupt eine Rechtsgrundlage dafür geschaffen wird -- was man natürlich auch sehr kritisch sehen kann!! -- dass den Bürgern pauschal der Aufenthalt im öffentlichen Raum untersagt werden kann, obwohl sie keinen Absonderungsbescheid o.ä. erhalten haben. Und weil der Gesetzgeber wohl befürchtet, dass eine zu enge Definition dieser Verbotsmöglichkeit nicht vor dem Verfassungsrichter besteht, sind die genannten sinnvollen Ausnahmen festgeschrieben.

    Für Influenza gibt es experimentelle Nachweise, dass initiale Virusmenge und Schwere der Erkrankung korrelieren (zB https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25416753/ ) aber Covid ist nicht die Grippe.


    Für Covid-19 gibt es einige Untersuchungen und durchaus plausible Analysen, die den Zusammenhang nahelegen (zB https://www.researchgate.net/p…and_Transmission_Dynamics ), aber was definitiv noch nicht stattgefunden hat und für eine wirklich belastbare Aussage zu der Frage notwendig wäre, ist eine kontrollierte Experimentreihe, wo Freiwilligen unterschiedliche Mengen von SARS-nCoV-2 verabreicht werden und dann die Infektionsverläufe gemessen werden. Das wäre angesichts der doch recht hohen Gesundheitsrisiken von Covid-19 unethisch (vgl. https://www.sciencealert.com/d…rmine-how-sick-you-ll-get )


    Intuitiv ist es logisch, dass das Immunsystem mit einer geringen Menge von Fremdkörpern eher fertig wird, weil es entweder überhaupt mit unspezifischen Abwehrzellen erfolgreich ist oder zumindest länger Zeit hat, spezifische Antikörper zu bilden. Aber die wissenschaftliche Lage der Analyse zu dem Thema bezüglich Covid-19 ist wie in dem Zitat von Don Pedro wiedergegeben noch nicht schlüssig belegt.

    Das stimmt, aber normalerweise hat man für eine Hypothese einen Grund, irgendwelche Sachen die darauf hin deuten. Wenn ich den Artikel richtig gelesen habe, dann gibt es keine echte Begründung warum dem so sein sollte.

    Was natürlich nicht bedeutet das sie ncht recht haben könnten, nur sind solche Aussagen eher dem Interesse der Öffentlichkeitswirksamkeit um Geld zu lukrieren geschuldet als der wissenschaftlichen Publikation. :)

    Ich kenn diese Hypothese als Synthese von drei Tatsachen, deren Kombination durchaus eine Begründung (aber keinen wissenschaftlichen Beweis!) liefert:


    1. Masken reduzieren erheblich die Menge an Viruspartikeln, die ein Infizierter von sich gibt, wenn er spricht/atmet. Wenn viele Infizierte Masken tragen, geben sie also in Summe deutlich weniger Viruspartikel in die Umgebungsluft ab, als wenn sie keine Masken tragen, wie es am Anfang der Pandemie der Fall war (gesichertes Fakt). Aber keineswegs wird durch die üblichen MNS (und die Art wie wir sie tragen) die Umgebung komplett zu 100% vor den Viren von Infizierten geschützt.


    2. Die durchschnittliche Schwere einer Covid-Erkrankung korreliert mit der Menge an Viruslast, die man initial abbekommen hat - wer anfangs eine „große Portion“ Viren abbekommt, erkrankt viel öfter schwer als jemand, der nur recht wenige Viruspartikel inhaliert hat (das ist ein ziemlich gut gesichertes Faktum)


    3. Wir sehen aktuell in fast allen Regionen mit steigenden Infektionszahlen deutlich weniger „schwere Erkrankungen und Tote pro positiv Diagnostizierten“ als zu Beginn der Pandemie. Woran das liegt ist nicht eindeutig, denn die Zahl der Positivdiagnosen hängt auch von der Zahl, Breite und Zuverlässigkeit der Tests ab, und die sind doch deutlich anders als zu Beginn der Pandemie, und ebenso ist derzeit die Altersverteilung der aktuellen Neuinfizierten anders als zu Beginn der Pandemie. Aber es ließe sich zumindest _auch_ mit einer Kombination der beiden vorgenannten Fakten begründen.


    Insgesamt kann man sagen: Es gibt keinen Beweis, aber doch eine begründbare Argumentation für die Vermutung, dass durch weitverbreitetes Maskentragen eine Vielzahl an leichten oder symptomlosen Infektionen entsteht und so eine bessere Immunisierung der Bevölkerung erreicht wird (was freilich noch lange keine Herdenimmunität bedeutet).

    Das bestätigt dann zumindest meine Meinung, das Masken tragen was bringt.

    Selbst wenn es bei vielen nur "selbstgenähte" oder die einfachen OP Masken sind.

    Genau! Die echten OP-Masken (3 Layer, davon einer meltblown) sind sehr wirksam bei der Verhinderung der Ausatmung von Aerosolen, sie halten - sofern sie dicht anliegen - auch sehr kleine Tröpfchen zurück. Dazu gibts anschauliche Videos. Selbstgenähte Stoffmasken sind schon deutlich weniger dicht, aber auch nicht schlecht. Die Plastikschilde bringen in diesem Kontext leider fast überhaupt keinen Nutzen.

    Dass die Covid-Maßnahmen (Abstand, MNS, Händewaschen) wirken, zeigt sich jetzt an anderer Stelle gut: Die Südhalbkugel der Erde meldet, dass die Grippesaison heuer praktisch ausgefallen ist https://www.economist.com/grap…kipped-flu-season-in-2020


    Solange sich bei uns eine ausreichend große Zahl vernünftiger Menschen konsequent an diese einfachen Regeln hält, sollten auch wir trotz Covid und der Grippe einigermaßen gut durch den Winter kommen. (Leider sehe ich immer öfter Anzeichen, dass die Zahl der Ignoranten steigt, denen das Ganze schon so zuwider ist, dass sie aus Unverstand oder Starrsinn alle Maßnahmen ablehnen und damit natürlich deren Wirksamkeit zunehmend reduzieren...)

    Was ich mich mittlerweile frage. Wieso werden die offiziellen Zahlen nicht Wöchentlich veröffentlicht? Wäre doch besser oder?

    Was bringt heutzutags einem ob es 111 oder 125 sind? Am Anfang, ok. aber jetzt mittlerweile.. Man weis ja, dass das Virus da ist..

    Das würde doch die Fehlerquellen beim Zählen ein bisschen minimieren..

    Lieber 1 mal in der Woche die richtigen, als jeden Tag Lotto. Stehe ich mit meiner Aussage alleine da oder seht ihr es anderst?

    Sehe ich anders, denn weder sind die täglichen Zahlen von Neuinfektionen (derzeit, in Österreich) "Lotto", noch wären Wochensummen deutlich präziser. Natürlich sind in den täglichen Zahlen aus verschiedenen Gründen "Unebenheiten" drin - siehe https://info.gesundheitsministerium.at/dashboard.html?l=de - aber die kann man dann mathematisch oder auch einfach intuitiv "glätten" und dadurch immer noch recht schnell, also binnen einiger Tage, einen Trend wahrnehmen; natürlich nur, wenn die Daten an sich brauchbar sind, also in diesem Fall mit nur wenig Verzögerung von maximal 2-3 Tagen in der Statistik aufscheinen und die Positiv-Test-Rate ausreichend niedrig ist, sodass die Dunkelziffer nicht allzu hoch ist. (Neuinfektions-Statistiken von Regionen oder Ländern, wo die Testergebnisse teils erst nach 1-2 Wochen in der Statistik auftauchen und wo mehr als 5-10% der Tests positiv sind, lassen kaum brauchbare Rückschlüsse auf Trends zu - dort brennt einfach nur der Hut.)


    Würde man nur 1x pro Woche kumulierte Daten hernehmen, hätten die zwar weniger "Sprünge", aber erstens wären trotzdem noch gewisse Unschärfen drin (weil ja einige Testergebnisse aus Woche X trotzdem erst in Woche X+1 erfasst würden), aber vor allem: ein Trend wäre erst nach 3-4 Wochen erkennbar. Das ist in der aktuellen Situation halt relativ spät.

    Ich glaube, sie meint OP-Masken Typ II. (Siehe hier: https://www.praxisdienst.de/Hy…OP+Mundschutz+Typ+II.html )

    Der erste wissenschaftlich bestätigte Fall von Covid-19 Re-Infektion: Durch Gensequenzierung ist nachgewiesen, dass der Patient bei der 2. Infektion eine andere Strain von SARS-CoV-2 hatte als beim ersten Mal, d.h. er hat sich definitiv neu angesteckt, es ist kein Wiederaufflammen der ersten Infektion -- nach ca. 4,5 Monaten. Das ist zwar nur ein Einzelfall, aber insofern interessant, als es zeigt, dass die Immunisierungswirkung vermutlich im Normalfall nicht jahrelang hält, sondern zwischen 3 und 5 Monaten.


    https://twitter.com/cwylilian/…97835718513815552/photo/1

    Und hier ein zweiter, sehr gut dokumentierter Fall von Re-Infektion: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3681489

    Der 25-jährige Patient hatte die erste Covid-Infektion im März (mit Symptomen und positivem Test), war im April dann wieder gesund (symptomlos und 2x Test negativ) und im Mai bereits wieder test-positiv mit Symptomen. Die Autoren erklären im Detail, wie getestet und sequenziert wurde und warum ein Fehler beim Testen oder eine "in vivo" Mutation (also dass der Patient nicht wirklich geheilt war, sondern das Virus im Patienten mutiert hat und wieder aktiv wurde) sehr unwahrscheinlich ist. Es handelt sich also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um eine neuerliche Infektion nur ein Monat nachdem der Patient die erste Infektion überstanden hat.


    Man vermutet, dass solche Fälle - also eine neue Infektion mit relativ starken Symptomen nach nur 1 Monat - eher selten sein werden (möglicherweise hat dieser Patient einfach ein ganz schlechtes Immunsystem), aber zumindest ist jetzt so ein Fall dokumentiert. Das bedeutet für die "Herdenimmunität" logischerweise nichts Gutes.

    Das stimmt, keine Frage. Aber warum kommt man erst jetzt auf sowas drauf. Denn das gilt ziemlich sicher genauso für Grippeviren, das sie über Tröpfchen und abgelegte Taschentücher verbreitet werden. Das hat ja nichts mit dem Virus sondern mit Physik zu tun.

    Stimmt schon, das ist Physik. Aber es ist soweit ich lese nicht für alle Bazillen der Fall, dass sie in Aerosolen - also kleinsten Tröpfchen von ca. 5-50 Mikrometer, die längere Zeit in der Luft herumschweben und nicht gleich zu Boden sinken - längere Zeit "überleben" bzw im Fall von Viren halt "infektiös bleiben". Sehr simple oder "empfindliche" Viren wie Herpes zerfallen zB viel schneller als Coronaviren, die relativ komplex aufgebaut sind mit ihrer Fetthülle samt "Stacheln", und da wäre Aerosolübertragung eher nicht zu erwarten. Andere Viren wiederum (zB Ebola) sind viel größer und von daher nicht "aerosoltauglich". Während es also durchaus zu erwarten war, dass SARS-CoV-2 in gewissen Fällen aus Fomiten zu Aerosolen übergeht, ist es dennoch wissenswert, wenn das auch tatsächlich nachgewiesen wurde. (Lieber wäre mir freilich ein Nachweis, dass das in der Praxis nicht vorkommt...)

    Wenn ich das richtig gelesen habe sind diese "Zweitinfektionen" teilweise auf veränderte Virenstämme zurückzuführen.


    ...


    Und nur weil Schmierinfektionen (ich zähle da auch die besagten Taschentücher dazu) eher nicht wahrscheinlich sind, heisst das nicht das es sie nicht gibt.

    Nein, die Zweitinfektion ist nicht darauf _zurückzuführen_, dass die Viren mutiert sind (bzw. geht das aus den Daten zumindest nicht hervor); die Mutation erlaubt lediglich eine sichere _Diagnose der Neuinfektion_:


    Bei einer Person, die 4,5 Monate nach überstandener Covid-19 Infektion erneut positiv getestet wurde, konnte durch Vergleich der Genanalyse der Viren beider Infektionen mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass die neuerlichen positiven Tests ein Wiederaufflammen der ersten Infektion waren. Das bedeutet nicht, dass er gegen Viren der "ersten Sorte" immun war - soweit wir aktuell wissen, mutiert SARS-CoV-2 nur geringfügig und bislang nicht in einer Art und Weise, dass die für Immunsysteme relevanten Bauteile sich verändert hätten. Diese Person hätte sich also (nach aktuellem Wissensstand) mit ziemlicher Sicherheit auch genauso mit dem "ersten Virenstamm" nochmal infizieren können; nur wäre dann der eindeutige Nachweis, dass es sich um eine Neuinfektion handelt, nicht möglich gewesen, sondern es hätte auch ein Wiederaufflammen der ersten Infektion sein können.


    Vermutlich gibt es all diese Fälle -- lang dauernde Infektionen mit Wiederaufflammen, Neuinfektion mit dem gleichen Virenstamm, und Neuinfektion mit einem anderen Covid-Virenstamm (und ich habe auch von einem Fall gelesen, wo ein Mann nachweislich gleichzeitig von zwei verschiedenen Covid-Stämmen infiziert war). Die Wissenschaft versucht, für all diese Fälle die relevanten Parameter (Mechanismen und Schweregrad von Langzeit-Auswirkungen einer Infektion, statistische Verteilung der Immunitätszeiträume nach überstandener Infektion, Wahrscheinlichkeit für Neuinfektion in Abhängigkeit von Antikörperleveln etc.) zu erforschen; und weil sich das Virus verändert, ist das ein ziemlich dynamisches Forschungsfeld.


    Bei den besagten benutzten Taschentüchern war die relevante Erkenntnis, dass sie eben nicht nur für Schmierinfektionen (die es natürlich gibt) eine Rolle spielen könnten, sondern dass bei "günstigen" Bedingungen auch infektiös wirkende Aerosole aus dem Taschentuch ausströmen können. Das ist natürlich blöd, denn ich vermute, die allermeisten würden sich davor hüten, irgendwelche benutzten Taschentücher unvorsichtig anzugreifen und sich damit einer Schmierinfektion auszusetzen; aber wenn irgendwo in einem (leeren, gut belüfteten) Raum ein verseuchtes benutztes Taschentuch herumliegt und bei einem Luftstoß einen Schwall infektiöser Aerosole von sich gibt...? Freilich - dieses Szenario ist wohl eher unwahrscheinlich, aber eben nicht auszuschließen. Gerade im Winter ist das ein weiterer Faktor, auf den man irgendwie achten muss.

    Ich finde solche Berichte faszinierend, denn wir haben ja seit Ewigkeiten Erfahrungen mit Grippeviren. Jedes Jahr ein anderer Stamm wo die letzte Impfung oder Immunisierung (durch die Krankheit) nicht mehr wirkt.

    Auch die Neuigkeiten das Taschentücher auch Viren mit Tröpfchen absondern können.

    Hallo! Gibt es Viren erst sein 2019 oder hat das früher keinen interessiert.

    Coronaviren sind zwar nicht neu, aber auch noch keineswegs gut verstanden (im Gegensatz zu Influenzaviren). Deshalb sind Fragen nach Übertragungswegen, Inkubationszeit- und Immunisierungszeiten etc. sehr wichtig. Erkenntnisse von Influenzaviren sind nur sehr begrenzt auf SARS-CoV-2 anwendbar. Covid-19 ist bekanntlich keine Grippe.


    Gerade die Frage „Wie lange ist der Durchschnittsmensch nach einer Covid-19-Infektion immun, und ist die Immunisierung vollständig (dh steckt man sich gar nicht mehr an) oder nur partiell (man erkrankt dann nicht mehr schwer, kann aber sehr wohl selbst andere anstecken)“ ist für die Abschätzung des weiteren Verlaufs der Pandemie essenziell. Und eben leider nur sehr bedingt mit einer Grippe-Epidemie vergleichbar.

    Der erste wissenschaftlich bestätigte Fall von Covid-19 Re-Infektion: Durch Gensequenzierung ist nachgewiesen, dass der Patient bei der 2. Infektion eine andere Strain von SARS-CoV-2 hatte als beim ersten Mal, d.h. er hat sich definitiv neu angesteckt, es ist kein Wiederaufflammen der ersten Infektion -- nach ca. 4,5 Monaten. Das ist zwar nur ein Einzelfall, aber insofern interessant, als es zeigt, dass die Immunisierungswirkung vermutlich im Normalfall nicht jahrelang hält, sondern zwischen 3 und 5 Monaten.


    https://twitter.com/cwylilian/…97835718513815552/photo/1

    Zur Erinnerung der aktuelle (vorläufige) Wissensstand der Wissenschaft zu Covid-19:


    - Hauptübertragungsweg ist Aerosol (=schwebende Tröpfchen kleiner als 100 Mikrometer, die einige hundert oder tausend Virenpartikel enthalten) von Menschenmund zu Menschenmund/Nase/Auge in Innenräumen; hier kommt es zu "Superspreader-Events". Paradebeispiele sind Bars, Großveranstaltungen, Chorproben und andere Anhäufungen von Menschen in Innenräumen mit schlechter Belüftung und lautem Sprechen/Singen. Wahrscheinlichkeit für Infektion steigt mit Verweildauer und Luftfeuchtigkeit. Beste Gegenmaßnahme: Nicht hingegen oder wenn dann möglichst kurz verweilen, sehr gut lüften/filtern (in Flugzeugen, wo die Luft sehr gut gefiltert wird, ist die Ansteckungswahrscheinlichkeit ziemlich gering), MNS tragen.

    - Übertragung durch Tröpfchen (=hinabsinkende vergleichsweise große Tröpfchen) und Aerosole auf kurze Distanz (ca. 0,5 bis 1,5m) ist ein zweiter wichtiger Infektionsweg, führt aber nicht zu Superspreader-Events

    - Übertragung durch Fomiten ("Schmierinfektion") ist ein dritter möglicher Weg für Infektionen, ist aber vergleichsweise selten und erfordert jedenfalls, dass die aufgenommenen Partikel in die Schleimhaut (Mund/Nase/Augen) eingebracht werden - durch die Haut ist eine Infektion mit Covid-19 nicht möglich. Handschuhe zu tragen macht bei Covid-19 (nur) deshalb Sinn, weil man sich mit Handschuhen viel weniger ins Gesicht greift.

    - Und (ganz neu): Abgelagerte virulente Partikel (Fomiten) können auch Aerosole erzeugen! D.h. ein Taschentuch, in das sich ein Infizierter geschnäuzt hat, kann unter Umständen luftschwebende infektiöse Aerosolteilchen absondern. Auch hierauf muss man leider achten.


    - Die meisten bekannten Infektionsketten entstanden bei Superspreader-Events, an gewissen Arbeitsplätzen (vor allem mit hoher Luftfeuchtigkeit) und im Familienkreis. Ansteckungen in öffentlichen Verkehrsmitteln und im Freien sind sehr selten oder gar nicht belegt (was freilich nicht bedeutet, dass sie nicht passieren oder nicht passieren können).


    - N95/FFP2 Masken und Schutzbrillen schützen bei korrekter Anwendung den Träger zuverlässig - das macht aber fast nur im professionellen Bereich (Gesundheitswesen) Sinn, weil eben korrekte Anwendung erforderlich und die Schutzausrüstung nur begrenzt vorhanden ist

    - Mund-Nasen-Schutz (OP-Masken, Stoffmasken) schützen den Träger kaum, sondern die Umgebung. Sie bieten keinen zuverlässigen Schutz (auch nicht für die Umgebung), aber reduzieren das Infektionsrisiko für die Umgebung sehr deutlich.

    - (Gründlich) Händewaschen mit Seife ist mindestens ebenso wirksam wie Desinfektionsmittel auf die Hände geben


    - Ca. 40% der Infizierten entwickeln keine Symptome, sind aber trotzdem infektiös.

    - Kinder werden ebenso leicht wie Erwachsene infiziert und tragen auch eine gleich große Virenlast in ihren Körpern.

    - Obwohl Covid-19 für Kinder, Jugendliche und jüngere Erwachsene nur sehr selten tödlich verläuft, erkranken auch sie immer wieder mal schwer und leiden auch an unterschiedlichsten längerfristigen Folgen, teils über Monate hinweg.


    - Die Sterberate (Infection Fatality Rate) von Covid-19 hängt ganz stark vom Alter der Erkrankten ab - bis ca. 50 liegt sie beinahe bei Null, bei 70 Jahren liegt sie bereits um 4%, und bei über 90 Jährigen steigt sie auf über 25% an. Bei Männern ist sie viel höher (ca. doppelt so hoch) wie bei Frauen - die Ursache(n) dafür sind noch unklar. Wie viele Menschen in einer Bevölkerung quer über alle Altersschichten schwer erkranken und sterben, hängt daher u.a. von der Alterspyramide ab.

    - Die Schwere der Erkrankungen und die Sterberate hängt außer vom Alter auch von verschiedenen Vorerkrankungen ab; allerdings ist eine relevante Vorerkrankung keine "Garant" für einen schweren Verlauf, und es gibt auch schwere Verläufe und Todesfälle bei Menschen ohne jede (bekannte) relevante Vorerkrankung. Haupt-Faktoren für die statistische Schwere der Erkrankung dürften tatsächlich das Lebensalter und das Geschlecht sein.


    - Nach einer überstandenen Covid-Infektion sind so gut wie alle Genesenen für mindestens 2-3 Monate immun vor einer Neuinfektion - der Zeitraum könnte auch deutlich länger sein, das ist aber noch nicht gut gesichert.



    - Noch gibt es kein allgemein hilfreiches Medikament gegen Covid-19; Hydroxichloroquin, Vitamin C und andere Medikamente und Heilmittel haben keinen systematisch nachweisbar positiven Verlauf auf die Krankheitsdauer oder -schwere (sondern nur anekdotische Erfolge).

    - Covid-19 stammt aus natürlichen Quellen (höchstwahrscheinlich Fledermäusen) und wurde nicht von einer Weltverschwörung von "Big Pharma" oder anderen Organisationen in Umlauf gebracht

    - Mobilfunknetze wie 5G haben keinerlei Wirkung oder Zusammenhang mit Viren allgemein oder speziell Covid-19

    - Bill Gates hat keine Covid-Impfung mit Mikrochips in Planung

    Ich habe mir gerade die Mühe gemacht und die offziellen Sterbezahlen von Statistik Austria (Daten bis inkl. KW 31, 02.08.2020) analysiert und das Ergebnis war anders als erwartet ...

    Was hattest du erwartet? Jedenfalls ist dein Ergebnis ganz korrekt: Es gab in AT keine relevante Übersterblichkeit (also auch nicht durch Covid-19), so wie es ja auch Euromomo zeigt; bin froh und dankbar dafür. Das ist dem Mix aus rechtzeitiger Reaktion der Regierung und bravem Befolgen der Maßnahmen durch die Bevölkerung sowie einem sehr guten Gesundheitssystem zu verdanken. Anders als in Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, Großbritannien... wo es sehr viel Übersterblichkeit in diesem Zeitraum gab.

    Blöde Frage aber kann eine Herdenimmunität überhaupt eintreten wenn man aktuell von nur 3 Monaten Immunität ausgeht?

    Für eine „regionale Herdenimmunität“ reicht das möglicherweise (knapp): das serielle Infektionsintervall von Covid-19 ist ca. 7-10 Tage, bei drei Monaten können also über 10 Infektionsgenerationen entstehen, bevor die ersten Leute sich neuerlich infizieren könnten, und nach 10 Infektionsgenerationen ohne strenge Maßnahmen ist schon ein relativ hoher Durchseuchungsgrad (ca 25%) erreicht; New York könnte das zB in den 3 intensiven Monaten März-Mai schon „vorgezeigt“ haben. (Je nach Expertenmeinung müssen 25-30% oder aber eher 60-70% der Bevölkerung immun sein, damit die Infektion erlischt oder zumindest nicht mehr wächst... da weiß man leider noch nichts Genaues.)


    Aber Regionen sind ja nicht isoliert, und daher reicht es definitiv nicht international - dafür wäre wohl eher über 1 Jahr notwendig. Allerdings kann es durchaus sein, dass bei vielen die Immunisierung so lange hält - nur weiß man es halt noch nicht.

    Zur immer wieder diskutierten Frage "Ist/war der schwedische Weg der bessere?" hier folgender Status:


    Schweden hat derzeit mit 570 offiziellen Covid-Toten pro Million Einwohner einen der höchsten (erfassten) Werte weltweit, nur knapp weniger als Italien (585). Mag die Zählweise auch Unschärfen haben - die skandinavischen Nachbarn Schwedens haben Werte um die 50 Covid-Tote pro Million Einwohner (Deutschland ca. 110), das ist definitiv ein großer Unterschied. Die Wirtschaftsleistung in Schweden ist nach aktueller Statistik um ca. 8,6% (aufs Jahr hochgerechnet) eingebrochen, das ist weniger als bei den Nachbarn, aber nicht viel weniger - schon wegen der doch recht starken wirtschaftlichen Vernetzung (in Deuschland dürften es um die 10% sein).


    Ob Schweden näher an einer Herdenimmunität ist oder sie gar schon erreicht hat, ist fraglich bzw. umstritten. Die Bewertung des schwedischen Weges kann also in einigen Monaten oder Jahren auch anders ausfallen als der aktuelle Zwischenstand - vor allem, wenn kein Impfstoff kommt und wenn/falls die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen mittelfristig wegen längerer Schulpausen spürbare Defizite aufweist.