Beiträge von Ad Lib

    • Frankreich hat sieben mal soviele Einwohner wie Österreich, aber nur doppelt soviele Intensivbetten.

    Es ist schon eine schlimme Ironie des Schicksals, dass das ineffiziente Management des österreichischen Spitalswesens dazu führte, dass wir im internationalen Vergleich deutlich zu viele Intensivbetten haben - die uns jetzt sehr zugute kommen könnten... :/

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    Diese Kapazität ist ausgelastet sobald etwa 125 000 Personen (1.5% der Bevölkerung) gleichzeitig angesteckt sind.

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    Interessant... nach aktuellen klinischen Auswertungen von Covid-19 kommen quer über alle Altersgruppen (Junge weniger, Alte mehr) ca. 5% aller Infizierten auf die Intensivstation [während ca. 50% gar keine Symptome entwickeln und daher derzeit in AT auch gar nicht getestet und diagnostiziert werden.] Laut dem PDF können wir ca. 1.000 Plätze für Intensivmedizin mit Beatmung zur Verfügung stellen. Damit käme ich nur auf ca. 20.000 gleichzeitig Infizierte [von denen aber bestenfalls die Hälfte positiv diagnostiziert wurden, weil die andere Hälfte symptomlos ist], bevor es zu ernsten Engpässen bei der Intensivmedizin kommt.


    Anscheinend nimmt die zitierte Kapazitätsrechnung an, dass nur ca. 0,8% der Infizierten (125.000 x 0,8% = 1.000 Fälle) intensivmedizinische Betreuung brauchen. Wäre interessant, wie diese Annahme zustande kommt.


    Übrigens brauchen "nur" ca. 25-50% der Covid-19-Schwerkranken auf der Intensivstation künstliche Beatmung, d.h. wir haben bei 1070 verfügbaren Intensivbetten und 900 verfügbaren Beatmungsgeräten zumindest keinen Mangel an Beatmungsgeräten... oder aber man kann normale Spitalsbetten mit einem Beatmungsgerät "zu einem Covid-19 Intensivbett" aufrüsten, was dann die Kapazität deutlich erhöhen würde, freilich unter der Annahme, dass auch bei uns "nur" ca. 25-50% der Covid-19-Intensivpatienten ein Beatmungsgerät brauchen (und genug medizinisches Personal einsatzbereit ist - das ist ja andernorts teils das größte Bottleneck...).


    (Quellen: zahlreiche, zB https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2762130; https://www.webmd.com/lung/coronavirus-ventilators)

    Wobei man wirklich bedenken muß, dass so dermaßen selektiv getestet wird, dass das höchstens ein Bild über die Zunahme der Infizierten mit Symptomen ergibt.

    Das ist aktuell das Hauptziel, dieses Bild zu haben.


    Ja, ich hatte diese Befürchtung auch, als die Zahl der Tests nicht im gleichen Ausmaß anstieg wie die positiven Tests. Aber aktuell glaube ich, dass die Tests immer noch in einem "gesunden" Verhältnis zu den positiven Tests stehen - wichtig ist ja vor allem, dass keine unerkannten Hotspots entstehen.


    Je mehr Infizierte wir haben, desto schwieriger/unrealistischer wird es natürlich, ein Verhältnis von anfangs 1:10 (Positivtests : durchgeführte Tests) zu halten. Aber solange sich das Verhältnis "Positivtests an Tag X : Tests an Tag X" nicht allzusehr verschiebt (konkret: solange eine deutliche Mehrzahl der Tests an einem konkreten Tag negativ ist), bleiben die Tests für die Messung der Infektionsrate aussagekräftig.


    Freilich, sobald wir die erste Welle der Infektionsflut im Griff haben und in die nächste Phase kommen, wo es darauf ankommt, ein neuerliches Aufflammen zu verhindert, muss die Teststrategie sich ändern und mehr in die Fläche gehen, um auch die Symptomlosen zu finden und zu isolieren.

    Darf man dann auch selbst gemachte Masken verwenden oder MUSS man dann welche vor Ort kaufen?

    Das wurde in der Pressekonferenz nicht angesprochen, aber es ist ganz logisch, dass es bloss darum geht, dass jede/r eine trägt. D.h. ich nehme ganz stark an, dass wer schon eine hat, natürlich keine extra nehmen soll. Und mein Eindruck war, dass die Idee ist, dass diese Papiermasken kostenlos ausgegeben werden, aber natürlich nur eine pro Person (d.h. nicht zur freien Entnahme und zum Hamstern).

    Hat sich eigentlich jemand von euch die Steigerung der Infektionsrate in Relation zu den durchgeführten Tests angeschaut?

    In AT ist das dieser Graph:


    pasted-from-clipboard.png


    (Quelle: https://orf.at/corona/stories/3157533)


    Der ist aktuell erfreulich: Trotz einigermaßen hoher Testrate sinkt die Zahl der Positivtests. Wenn wir also nicht ganz an der falschen Gruppe rumtesten (und für diese Annahme gibt es keinen Grund), dann sind die Tests aussagekräftig und der Trend geht in die richtige Richtung.

    Unter der Annahme, dass zumindest die Zahlen zu Covid19-Todesfällen repräsentativ sind (was ich glaube und hoffe, aber natürlich nicht beweisen kann), ist dort die Wirkung von Maßnahmen erst ca. 20 Tage später erkennbar (weil von Infektion bis zum Tod durch Covid19 im Mittel über 2 Wochen vergehen; Ausnahmen gibts freilich auch, wo es viel schneller geht). Allerdings gibt es inzwischen auch schon ganz brauchbare Simulationsmodelle, die zusammen mit Handy-Bewegungsdaten einige Prognosen erlauben. Ich denke, die Regierung in Ö weiß inzwischen ganz gut, wo wir derzeit stehen, wann der Peak ist und wann welche Maßnahmen wieder gelockert werden können. Kommuniziert wird das aber halt nur zizerlweise...

    Musste heute auf die Post zum Postschalter in einem Postamt, wo auch eine Abholstation drin ist. Ca. 7 Personen vor mir, alle warten brav mit 2m Abstand vor dem Eingang. Wenn mal wer unsicher war, ob das die Post-Schlange ist, freundliches Bejahen - kein typisch wienerisches Anraunzen. Wenn jemand zur Abholstation und nicht zum Schalter muss, wurde er/sie freundlich eingeladen, vorbeizugehen. Die Postlerin, die drin saß und darauf aufpasste, dass nie mehr als 2 Personen drin sind, agiert ebenfalls freundlich und hilfsbereit.


    Klar, das sollte selbstverständlich sein, aber... ich bin ganz begeistert von meinen Mitmenschen :)

    Wenn das in der Praxis auch so ist/wäre, müssten die Angestellten im Lebensmittelhandel - und zeitversetzt viele, die da einkaufen - reihenweise ausfallen. Im Supermarkt kann man sich nur schwer aus dem Weg gehen, und der Luftaustausch ist auch begrenzt. Zumindest derzeit scheint das aber (noch?) nicht so zu sein.

    Genau. Die WHO schreibt zu genau diesem Paper und den dort verwendeten Methoden ja auch, dass diese Virus-Aerosol-Bildung eben in der Realität so nicht vorkommt. Relevant in der Praxis ist die Tröpfcheninfektion.


    Zitat von WHO Situtation Report 66

    An experimental study, which evaluated virus persistence of the COVID-19 virus (SARS-CoV-2), has recently been
    published in the NEJM1. In this experimental study, aerosols were generated using a three-jet Collison nebulizer and
    fed into a Goldberg drum under controlled laboratory conditions. This is a high-powered machine that does not
    reflect normal human coughing or sneezing nor does it reflect aerosol generating procedures in clinical settings.
    Furthermore, the findings do not bring new evidence on airborne transmission as aerosolization with particles
    potentially containing the virus was already known as a possibility during procedures generating aerosols.

    (Source: https://www.who.int/docs/defau…-19.pdf?sfvrsn=81b94e61_2)

    Soll die Grafik darstellen, dass bei einer Zunahme von 9% die Intensivbetten erst etwas später im April "aus" sind als bei 12,5%? Oder was wollen sie damit eigentlich ausdrücken? Denn ansteigend ist die Kurve so oder so.

    Was man auch daraus ablesen kann: Wenn wir es in den nächsten 3, maximal 4 Wochen schaffen, dass die Rate von Neuinfektionen stetig sinkt und zu Ostern gegen Null tendiert, dann (und nur dann) können wir eine Überlastung der Intensivmedizin in Österreich verhindern. (Einstweilen. Denn danach sind Maßnahmen zur ständigen Suppression und Vermeidung von neuerlichem geometrischen Anstieg der Neuinfektionen notwendig.) The good news für Österreich insgesamt (für Tirol bin ich da etwas weniger optimistisch): Wir haben also noch ein wenig Zeit zur Verfügung, um wirklich konsequent mit der Situation umzugehen - anders als manch andere Weltregionen, wo diese Überlastungsgrenze bereits erreicht ist ||

    Wenn in Zukunft wirklich 15.000 Tests in der Woche durchgeführt werden, so steht zu befürchten, werden diese Zahlen explodieren :rolleyes:X/

    Das wäre aber nicht schlecht, sondern gut: denn das hieße, dass symptomlos Infizierte damit gefunden und in Quarantäne gesteckt werden könnten, wodurch die Ausbreitung schneller und wirksamer reduziert werden könnte. Island hat ja quer durch die Bevölkerung zufällig ausgewählte Personen getestet und tatsächlich eine Reihe solcher asymptomatischer Fälle gefunden, die sonst unwissend die Infektion weitergegeben hätten. Außerdem wissen wir durch diese Ergebnisse aus Island, dass statistisch gesehen ziemlich viele (nämlich ca. die Hälfte!) aller Infizierten symptomlos bleiben und einige davon sogar noch nach 14 Tagen infektiös sind. Es ist also sehr wünschenswert im Sinn des „flatten the curve“, wenn die Zahl erkannter Fälle durch breites Testen hochgeht - freilich nicht die schweren Erkrankungen, sondern eben die symptomlos Infizierten.

    Erfreulich geringe Zuwachsrate - aber leider auch wieder um 20% weniger Tests als gestern, wodurch die geringere Zuwachsrate möglicherweise invalidiert wird. Die Zahl der Todesfälle ist glücklicherweise insgesamt noch so gering, dass sie für eine Trendrechnung kaum repräsentativ ist. Es bleibt spannend.

    Stand in Österreich, 24.03.2020, 15:00 Uhr
    Bisher durchgeführte Testungen: 28.391
    Bestätigte Fälle: 4.876
    Todesfälle: 28


    Sehr gut: Anzahl der Tests gegenüber den Vortagen ca. verdoppelt (ca. 5000 statt ca. 2500 pro Tag), trotzdem "nur" eine Zunahme von ca. 20% positiven Diagnosen. Das macht Hoffnung, dass wir wirklich schon in der Abflachung sind.

    Die Sensitivität bei IgM beträgt 86% - also in 14 von 100 Proben wird das Virus nicht erkannt und sowohl positiv als auch negativ Kontrollen muß man extra durchführen. Ziemlich gut? :/

    Meiner laienhaften Kenntnisse gemäß sind Werte von über 80% unter Nicht-Laborbedingungen für Titertests sehr gut; im Labor kommt man auf weit über 90%, aber das ist dann eben kein Mach-ich-selbst-Zuhause-Schnelltest.

    Hier mal ein Link zu einem Cornoavirus-Schnelltest. Die Auswahl ist random - einfach mal in Google gesucht.


    Mit der Beschreibung kann sich jeder selbst ein Bild machen über die "Brauchbarkeit" dieses Tests.

    Diese Antikörper-Testkits hab ich schon bei einer Reihe von Anbietern gesehen (aber leider kann kein einziger seriöser derzeit an Privatpersonen liefern, wie mir scheint...). Antikörpertests sind ja nichts Neues, und ich nehme mal an, die für SARS-CoV-2 werden genauso gut funktionieren wie alle anderen, also nicht 100% treffsicher aber schon ziemlich gut (und i.A. wird das Ergebnis durch Wiederholung im Abstand von 1-2 Tagen noch deutlich zuverlässiger)


    Ich setze schon große Hoffnungen darauf, dass - wenn mal diese erste große Welle an Infektionen überstanden ist - wir durch Antikörpertests herausfinden können, wie weit verbreitet das Virus tatsächlich in der Bevölkerung war/ist und welche Maßnahmen daher mittel- und langfristig notwendig sind, um ein neuerliches exponentielles "Aufflammen" schnell und wirksam eindämmen zu können.

    Gefällt mir gar nicht, dass die Zahl der durchgeführten Tests am Sonntag um fast 30% niedriger lag als zuvor. Klar, die gestreßten Mediziner brauchen auch ihre Ruhe; aber wenn wir beim Testen nachlassen, verlieren wir den Überblick, wo wir stehen, und die Maßnahmen sind weniger treffsicher.


    Die Studie über Island https://cleantechnica.com/2020…y-moderate-cold-symptoms/ war sehr interessant - dort wurde pro Einwohner doppelt so viel getestet wie in Südkorea, und deshalb weiß man von dort, dass die Hälfte aller Infizierten überhaupt keine Symptome zeigen und daher - obwohl sie vermutlich etwas weniger ansteckend sind als symptomatisch Erkrankte - einen hohen Anteil an der unentdeckten Weiterverbreitung in der Bevölkerung "leisten".

    Um die Sache in den Griff zu bekommen, wäre es notwendig, sehr weit zu testen und alle Infizierten - auch jene, die gar keine Symptome haben - für mindestens 3 Wochen in Quarantäne zu stecken (in Island waren nach 2 Wochen Quarantäne einige asymptomatische Infizierte noch immer infektiös, zwei Wochen reichen also nicht aus).


    UPDATE: Ach Schande... https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32133832/ weist darauf hin, dass möglicherweise ca. die Hälfte der "asymptomatischen Infizierten" gar nicht mit SARS-CoV-2 infiziert sind, sondern "false positives" sind, also eigentlich negativ sein müssten. Da ist der Stand der Forschung offenbar noch sehr volatil.

    Doch, sogar simple Papiermasken Masken schützen auch den Träger, nicht perfekt aber schon ein bisserl. Aktuell will die Politik halt die Masken für diejenigen, die sie am meisten brauchen; wenn es irgendwann Masken im Überfluss gibt, werden sie auch für uns alle empfohlen...

    Das Exit-Szenario ist möglicherweise den Entscheidungsträgern selbst noch nicht bekannt, weil es von Parametern abhängt, die wir noch nicht wissen. Vermutlich muss über viele Monate ein Mix von Maßnahmen (u.a. Schulschließungen, Versammlungsverbote usw.) immer wieder ein- und ausgesetzt werden, um die Neuinfektionsrate auf einem akzeptabel niedrigem Niveau zu halten. Das wird so lange nötig sein, bis Herdenimmunität erreicht ist (falls überhaupt möglich... dazu muss die Immunität mehr als ein paar Wochen halten!) oder ein Impfstoff verfügbar ist oder das Ding sich in eine weniger gefährliche Variante mutiert hat.