Industriellenvereinigung verlangt Strategien gegen Blackout-Gefahr

  • Der Beinahe-Blackout im europäischen Stromnetz in der vergangenen Woche hat auch die heimische Industrie alarmiert. Die Industriellenvereinigung (IV) verlangt nun einen „politisch hochrangig besetzten runden Tisch“, um konkrete Maßnahmen zu diskutieren. Nötig seien wirksame und verlässliche Strategien, um solchen Bedrohungen zu begegnen, sagte IV-Präsident Georg Knill heute.

    Was vor einer Woche beinahe passiert wäre, müsse „als klarer Weckruf und Handlungsauftrag verstanden werden“, so Knill in einer Aussendung. Österreich sei als moderner Wirtschafts- und Industriestandort auf eine zukunftsfähige sowie sichere Energieversorgung auch und vor allem im Strombereich angewiesen.

    Und es geht weiter.


    2021 das "Blackout-Awareness"-Jahr?

  • 2021 das "Blackout-Awareness"-Jahr?

    Das wäre sehr zu hoffen!

    Da ich mich schon länger relativ intensiv mit dem Thema Blackout beschäftige spreche ich Situationen wie die vom Freitag oft an. Zu oft habe ich dabei im Lauf der einen Woche seither gehört, dass das doch gar nicht so tragisch war, weit weg von 48 Hz, die Schutzmechanismen haben doch eh super funktioniert und dergleichen. Das ist ungefähr so als wäre man auf sein Smartphone starrend versehentlich bei rot über die Straße gegangen, beinahe überfahren worden und ginge dann gleich wieder aufs Smartphone starrend weiter weil ja eh nix passiert ist.

    Mit dem Blackout sehe ich das ähnlich wie vom Auto erwischt zu werden. Wenn es passiert ist ist es zu spät etwas dagegen zu unternehmen. Der eine hat Glück und kommt mit ein paar blauen Flecken davon, der andere nicht ...


    Zur Industrie: Was ein Blackout allein bei meinem Arbeitgeber an Kosten verursachen würde möchte ich gar nicht wissen. Wie lange der Wiederanlauf dauern würde auch nicht.

  • Bevor man etwas umsetzen kann, sprich ein Problem lösen oder zumindest das Risiko minimieren, muss man sich des Problems bewusst (Neudeutsch "aware") sein. Daran scheitert(e?) es bisher. Erst wenn sich genügend Entscheidungsträger bewusst sind, dass bei der klassischen Risikoanalyse da wirklich dringender Handlungsbedarf herauskommt um sich nicht grober Fahrlässigkeit schuldig zu machen (politisch relativ harmlos, aktienrechtlich eventuell nicht so), wird sich etwas tun. Wobei ersteres Risiko vielleicht gar nicht so harmlos ist, wenn der Mob schon wegen Soft-Lockdown und Massentests ins Regierungsviertel zieht.


    Hoffentlich gelingt in weiterer Folge die Umsetzung noch bevor eine zu große Spekulationsblase an der Strombörse platzt oder einer der zahlreichen anderen potentiellen Auslöser für ein Blackout zuschlägt.

  • Hab mich bei uns erkundigt. In der Risikobewertung ist ein Stromausfall - Impact als groß bewertet worden, aber die Eintrittswahrscheinlich als so gering, dass man nichts machen "muss". Fertig.


    Ich hab das dann nicht weiter kommentiert. :)

  • Heute Abend um 20:15Uhr im HR (Hessischer Rundfunk) eine Doku:

    "Blackout - Hessen ohne Strom"


    Gibt´s auch jetzt schon online:

    hr-fernsehen.de/sendungen-a-z/blackout--hessen-ohne-strom,sendung-109534.html


    Das meiste dürfte den Interessierten hier bereits bekannt sein, aber ich finde, es ist eine gelungene Zusammenfassung zum Thema.

  • Gestern in der WeLT-online ein Artikel mit der Überschrift:

    "Wirtschaftsministerium plant Zwangs-Ladepausen für Elektroautos"


    Ein paar Stunden später ein weiterer Artikel (man will wohl die Bevölkerung nicht beunruhigen):

    "Zwangs-Ladepausen für E-Autos - plötzlich pfeift der Minister seine Leute zurück".


    Ich sag´s mal so: Wo Rauch ist, ist auch Feuer.


  • Hab mich bei uns erkundigt. In der Risikobewertung ist ein Stromausfall - Impact als groß bewertet worden, aber die Eintrittswahrscheinlich als so gering, dass man nichts machen "muss". Fertig.

    Das ist die optimale Lösung aus Unternehmenssicht: Risiko erkannt, Risiko bewertet, Risiko mitigiert entsprechend Eintrittswahrscheinlichkeit. Abgehakt. Funktioniert ja auch tatsächlich in den meisten Fällen... :/

  • Heute Abend um 20:15Uhr im HR (Hessischer Rundfunk) eine Doku:

    "Blackout - Hessen ohne Strom"


    Gibt´s auch jetzt schon online:

    hr-fernsehen.de/sendungen-a-z/blackout--hessen-ohne-strom,sendung-109534.html

    Kleine Rezension zu der Sendung, habe es mir mal gerade reingezogen:
    Interessante Einblicke in verschiedene technische Einrichtungen, den Herrn von der Tennet-Leitwarte hätte ich gerne noch länger gehört. Die Erläuterung dazu, was ein Blackout im Unterschied zu einem normalen Stromausfall bedeutet, hätte durchaus deutlicher sein können. Auch der Ausfall von Telekommunikation bei Blackout wurde nur abgeschwächt in Form von "Handyakku ist leer" angesprochen. Aber gut gewählte Beispiele, wie alles am Strom hängt, vom Bauern bis zum Industriebetrieb, vom Spital über Flughafen und Verkehrsnetz bis zur Wasserversorgung.
    Gefehlt hat meiner Meinung nach der Hinweis, dass es auch nach einem Blackout noch Versorgungsprobleme aller Art geben wird. Hier war am Ende der Begeleithandlung der Strom wieder da, und alles war gut.
    Interessante Infos am Rande: ÖR in D (oder zumindest der in Hessen) kann bei Blackout 14 Tage senden. Die für Ö3 kolportierten 72 Stunden sind im Vergleich etwas wenig. Außerdem gibt es in D wenigstens eine zentrale Stelle, die das Thema beackert, das Bundesamt für Katastrophenschutz.

  • Ich sag's mal so: OHNE Demand Side Management (Business Sprech für "Zwangs-Ladepause") wird es nicht funktionieren.

  • Tja wo soll das erst hinführen wenn mehr Leute auf E-Auto umsteigen.

    Laut Handelsblatt fahren bisher 1,2% reine E-Autos........ nu reden sie schon von Ladepausen.

    Das ist doch alles sowas von nicht durchdacht.

  • Ich sag's mal so: OHNE Demand Side Management (Business Sprech für "Zwangs-Ladepause") wird es nicht funktionieren.

    Zwangsmanagement gibt es jetzt schon, wenn die Netzfrequenz zu stark sinkt werden Verbraucher abgeworfen.

    Ob die paar E-Autos die es jetzt schon gibt einen Unterschied machen wage ich stark zu bezweifeln. Außerdem wäre es wohl besser vorher die privaten Klimaanlagen und Poolbeheizer abzuwerfen, oder ;)

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • Hab mich bei uns erkundigt. In der Risikobewertung ist ein Stromausfall - Impact als groß bewertet worden, aber die Eintrittswahrscheinlich als so gering, dass man nichts machen "muss". Fertig.

    So unterschiedlich können Risikobewertungen sein. Bei uns war bis vor ca. einem Jahr alles hauptsächlich auf einen Blackout eingestellt.

    Dass es eine Pandemie wird, wegen der unser Krisenstab in der Firma zusammenkommt, war für mich vor einem Jahr auch noch eher undenkbar.

    Das Bundesheer bewertet die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Blackouts innerhalb der nächsten 5 Jahre mit "sehr wahrscheinlich".

    viribus unitis - acta non verba

  • Interessante Infos am Rande: ÖR in D (oder zumindest der in Hessen) kann bei Blackout 14 Tage senden. Die für Ö3 kolportierten 72 Stunden sind im Vergleich etwas wenig.

    Die 72 h sind ein gesetzliches Minimum, meines Wissens halten zumindest die wichtigsten Sendestandorte deutlich länger durch und im Zweifelsfall wird Diesel nachgeliefert, notfalls durch das Bundesheer.

  • Ob die paar E-Autos die es jetzt schon gibt einen Unterschied machen wage ich stark zu bezweifeln. Außerdem wäre es wohl besser vorher die privaten Klimaanlagen und Poolbeheizer abzuwerfen, oder ;)

    Jetzt sind es nur paar E-Autos, aber es werden mehr, und da sollte man sich schon jetzt langsam Gedanken machen. Poolbeheizer mit Strom? Kenne ich keinen einzigen. Klimaanlagen? Laufen dann, wenn auch viel Strom aus Solaranlagen zur Verfügung steht.
    E-Autos: Hauptladezeit ist nachts, und da ist die Stromerzeugung aus regenerativen Energien am geringsten.

  • e-auto ladestationen abstöpseln


    ich prognostiziere das war jetzt mal ein testballon rülpser, mal schaun wie die medien und konsumenten drauf reagieren und gleich wieder zurückgezogen.


    dann wirds in zukunft halt per nudging gemacht.

    Wenn du den Nachtstrom-Spezialtarif nimmst, dann wirds billiger, aber der Netzbetreiber nimmt sich heraus, dann von 20:00-06:00 bis zu 50% der zeit zu unterbrechen, wenn es denn ein "Notfall" ist um größeren Schaden abzuwenden.

    Da kann ja keiner was dagegen haben, oder etwa doch?

    Alle die das nicht wollen, bekommen einen leicht teureren Tarif. oder eine Strafsteuer drauf, damit die leute nach option A wechseln.

    Extra STromzähler wird dafür natürlich fürs auto verbaut, um das klar abgrenzen zu können.


    das wäre ein zukunftszenario.

  • Das Hauptproblem ist die nicht planpbare Erzeugung der Grundlast, da wird auch das abwerfen vieler E-Autos nichts ändern. Der Verbrauch der E-Autos ist im niedrigen Prozentbereich.


    Wenn 10% aller Pkw in Österreich elektrisch fahren würden, wäre der jährliche Strombedarf um 1,3 TWh, also lediglich 1,8% höher. Bei einer Million Fahrzeugen wären es 2,6 TWh oder 3,6%.

    Wenn es windstill ist und das in der Nacht, dann wird es weniger Strom geben, das ist Fakt. Keine Ahnung wie die Lösung aussehen wird, aber den E-Autos den Strom abdrehen wird es wohl nicht sein.

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.


  • Der Faktencheck ist ja auch komplett für A&F. Die drehen sich das so zurecht, damit es gut aussieht, kann man aber auch andersrum lesen.


    5% PKW in Österreich 0,65TWh 0,9%

    10% Pkw in Österreich 1,3 TWh 1,8%

    20% PKW = Eine Million Fahrzeugen 2,6 TWh oder 3,6%.

    Wenn man das jetzt hochrechnet auf 100% schaut das anders aus.


    100% PKW = 5 Mio Fahrzeuge = 13TWh = 18%


    Alle PKW wären dann ein Fünftel mehr Strombedarf. Ich meine, das wäre ja ein signifikanter Anteil und nicht unerheblich. Da auch noch LKW's und so Baumaschinen dazurechnet zu einem gewissen Prozentsatz, in 10 Jahren kann man da vielleicht mehr substituieren...


    Klar, dumm wenn alle dann in der Nacht aufladen wollen, dann wenn die Sonne nicht scheint, und vielleicht der Wind auch nicht weht. Und Kohle und Gas haben wir alles abgebaut und Atomstrom will man nicht zukaufen aus Frankreich.


    Mit Sonnenenergie die Pumpspeicherkraftwerke hochfüllen, und nachts die autos damit beladen. Was macht dann aber zum Beispiel die Niederlande?


    Ich tippe mal, alle haben dann in der Zukunft in der Garage so einen Tesla Akku hängen der 24/h oder per Sonnenstrom gemächlich lädt, und das Auto per FastCharge vollpumpt sobalds angeschlossen wird.

  • Der Faktencheck ist ja auch komplett für A&F. Die drehen sich das so zurecht, dam,it es gut aussieht, kann man aber auch andersrum lesen.

    Das war das erste was ich gefunden habe wo Zahlen drinnen stehen :)

    Ich sehe bisher immer nur Forderungen, Wünsche, Werte die zu erreichen sind, Werte die zu reduzieren sind, aber nirgends eine Planung wie das funktionieren soll. Und das macht mich etwas unrund.


    Wir wollen keine 380 KV Leitung, die verschandelt die Umwelt. Und der Strom kommt ja eh aus der Steckdose. Und viele Windkraftwerke bauen, aber nicht bei mir, die sind ja schiarch. Erinnert mich etwas an das Floriani Prinzip, alle wollen Strom haben, aber die baulichen Massnahmen sollen beim Nachbarn erfolgen.


    Es ist toll wenn Kohle- & Atomkraftwerke abgeschaltet werden, aber der Strom muss irgendwo herkommen und das hat mir bisher noch keiner schlüssig erklären können.


    Aber das wäre eine eigene Diskussion ...

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • die 1,8 oder 3,6% geschenkt. Weir Reden von dem Zeitpunkt wo wir bei 50% , später mal 80 bis 100% Elektroanteil liegen, zusätzlich E-LKW, E-Busse usw.. Da sind die 7 bis 13 TWh nicht wenig. Uund es ist zwar schön, wenn diese E-Auto-Lobby in ihrer Broschüre vorrechnet, dass das "ganz easy" mit regenerativen Energien gewonnen werden kann. Aber dann besteht ja erst recht das Problem, dass die Sonne nachts nicht scheint ;-).
    Und abgesehen davon: seit Jahren sinkt der Stromverbrauch langsam aber kontinuierlich, aber mit den E-Autos wird er wieder stark ansteigen.