Strombranche will „runden Tisch“ für Blackout-Vorsorge

  • Nachdem Europa am Freitag durch einen starken Frequenzabfall im Stromnetz nur knapp an einem flächendeckenden Stromausfall vorbeigeschrammt ist, werden in der heimischen Strombranche Forderungen nach einem „runden Tisch“ laut. Bei dem Treffen aller Stakeholder sollten pragmatische Lösungen für eine Blackout-Vorsorge gefunden werden, sagte NÖ-Netz-Geschäftsführer Werner Hengst heute.

    Es gibt ein "Forum Versorgungssicherheit"?

  • Es gibt ein "Forum Versorgungssicherheit"?

    Seit Freitag vermutlich ;)

    Aber besser spät als nie, der Schuss vor den Bug hat vielleicht ein bisschen aufgeschreckt!

  • Nein, da tut sich schon länger was.


    Zumindest in OÖ ist da ein aktiver Austausch zwischen WKO, Stromindustrie und der JKU.

    Letztere hat u.a. den Blackout-Simulator (https://www.blackout-simulator.com/) programmiert.


    Da geht es um Lichtinseln, Resilienz und solche Sachen.

    Ist zwar zugegebenermaßen in letzter Zeit etwas eingeschlafen, aber das wird sich vermutlich / hoffentlich rasch wieder ändern.

    Steht und fällt aber auch wie immer mit den handelnden Personen.

    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. (Konrad Adenauer)

  • Das Forum Versorgungssicherheit ist ein gemeinnütziger Verein und wurde 2003 anlässlich massiver Stromausfälle in Europa und den USA gegründet. Es sieht in der Energie-Infrastruktur einen Schlüsselfaktor für den Wirtschafts- und Lebensstandort Österreich. Das Ziel des Forums ist es, die Bedeutung einer sicheren Energie- und Wasserversorgung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.


    Mitglieder: Vorstandssprecherin Ederer und Vorstände aus: NÖ-Netz, Wiener Stadtwerke, Netz OÖ, Wiener Netze, BGLD Netz, Wiener Netze, Linz Strom und der Zivilschutzverband Präsident Johann Rädler


    Ich vermute das ist sowas wie ein Lobby Verband für den 380kV Salzburgring oder Investitionen des Staats in Gasturbinen Kraftwerke. Dachverband der Netzbetreiber in Österreich.


    Mehr Gasturbinen sollen Blackout vermeiden

    In der Vorwoche dürfte Europa knapp an einem flächendeckenden Stromausfall vorbeigeschrammt sein. Um den Fortbetrieb der Stromversorgung sicherzustellen, verlangt die EVN den Einsatz von mehr Gasturbinen.



    „Wir brauchen stabile Netze, um die Versorgungssicherheit garantieren zu können“, sagte Hengst. Weitere Maßnahmen sollten am Runden Tisch besprochen werden. Am Freitag sei es trotz des Spannungsabfalls im Netz „Gott sei Dank noch einmal gut gegangen, die Situation verschärft sich aber von Jahr zu Jahr“. In Niederösterreich habe die EVN mit ihrem kalorischen Kraftwerk Theiß bei Krems 2020 mehr als hundert Mal eingreifen müssen.

  • Mitglieder: Vorstandssprecherin Ederer und Vorstände aus: NÖ-Netz, Wiener Stadtwerke, Netz OÖ, Wiener Netze, BGLD Netz, Wiener Netze, Linz Strom und der Zivilschutzverband Präsident Johann Rädler

    Off topic: Immerhin kriegt das Forum Versorgungssicherheit in Sachen Diversity durch Frau Ederer eine etwas bessere Note als der Zivilschutzverband http://zivilschutzverband.at/de/derverband/bundesvorstand


    :rolleyes::S

  • Denke auch dass es diese 'Interessensgemeinschaft' schon länger gibt und sie nicht erst aus gegebenem Anlass geschaffen wurde. Die Forderung nach Ausbau der Netze mit zusätzlichen (Fern-)Übertragungsleitungen oder die Installation von kleineren Gasturbinen direkt in Windparks um Schwankungen an Ort und Stelle ausregeln zu können tauchen in den Medien immer wieder mal auf und scheinen alle aus der gleichen Ecke zu kommen ... In Österreich wurde das letzte große Kohlekraftwerk in der Steiermark 2020 abgeschaltet, damit brachen insgesamt zig-hundert MW weg die normalerweise solide und damit schwankungsfreie Grundlast zur Verfügung stellten. Einige dieser HKWs werden aktuell zu Müllverbrennern, uvm. umgerüstet wie z.B. Dürnrohr, erreichen danach also nur mehr einen Teil der ursprünglichen Kapazität. Der Neubau von Gasturbinen wird von politischer Seite unpopulär sein, man schafft sich damit erneut CO2-Schleudern und ist zudem von ausländischen Energielieferungen abhängig, usw. Die Schaffung zusätzlicher Leitungen wird generell von der Bevölkerung abgelehnt: In meiner Stadt wird von Seiten Industrie eine zusätzl. Ringleitung gefordert um hier ausfallsicherer zu werden. Natürlich will keiner einen Hochspannungsmasten vor der Haustüre haben, denke dass Thema wird erst auf mehr Toleranz stoßen nachdem sich mal ein längerer Blackout ereignet hat!


    Tja, der Ausstieg aus der Nutzung fossiler Festbrennstoffe für die Stromerzeugung hat hier in Österreich planmäßig geklappt, die Forcierung der erneuerbaren Energien wie Wind und Photovoltaik läuft und damit wird das Netz insgesamt nicht stabiler - eher das Gegenteil ist der Fall! Mit Kompensationsmaßnahmen hinken wir hinterher - wie eigentlich überall in Europa! Sowas erledigt sich auch nicht mit ein paar Unistudien oder Diplomarbeiten, hier ist das Kommitment zu Lösungen und deren Umsetzung gefordert! Die Netzbetreiber pushen offensichtlich bereits, wie man aus den verlinkten Artikeln oberhalb entnehmen kann und schlussendlich ist auch die Politik gefordert das Problem anzugehen. Die übliche Ausrede uns stünden ja die Technologien nicht zur Verfügung möchte ich dabei erst gar nicht gelten lassen ;-)


    Mir fallen spontan ein paar Punkte ein die man kurz- oder mittelfristig umsetzen könnten bzw. wo man jetzt bereits die Weichen in die richtige Richtung stellen müßte:

    1/ Umrüstung der Regler in kleineren Wasserkraft- und Umspannwerken um diese 'inselfähig' zu machen damit sie im Blackoutfall lokal Strom liefern können auch wenn kein Netz zur Verfügung steht in das sie sich synchronisieren können. Aktuell lassen sich kleinere und die allermeisten mittelgroßen Anlagen erst gar nicht starten wenn kein Netz von außerhalb da ist ...

    2/ Ausbau der Hochspannungsnetze, Schaffung zusätzlicher Stromtrassen damit Notabschaltungen von überlasteten Leitungen möglichst geringe Auswirkungen auf das Gesamtnetz hat

    3/ 'Natürliches Gas' - Wasserstofferzeugung in Großmengen mit Hilfe Ököstroms aus den Erneuerbaren sobald hier ein Überschuss vorhanden ist, der Kohlensoff zur Generierung des Brenngases kommt aus der Luft; Zwischenlagerung z.B. in leeren Erdgaslagerstätten (davon gibts in Österreich einige); Im Bedarfsfall werden damit kleine Gasturbinen betrieben welche innerhalb kurzer Zeit hochgefahren werden können - wäre auch CO2 neutral

    4/ E-Autos als 'Pufferbatterie'; Übliche Akkus von E-Autos haben ca. 50kW und das ist schon eine geballte Leistung; Mit Hilfe intelligenter Laderegler könnten diese geladen werden wenn Stromüberschuss aus den Erneuerbaren zur Verfügung steht - Wind weht bekanntlich auch nachts ;-) Im Bedarfsfall zieht der Netzbetreiber Strom aus dem Akku des E-Autos um das Netz stabil zu halten. Hierfür sind intelligente Regler im E-Auto, der Ladestation od. Hausverkabelung erforderlich. Zur Umsetzung ist zuerst eindeutig die Politik gefordert um Standards in der Automotive Branche durchzusetzen und da E-Mobilität im kommen ist wäre dies ein willkommender Beitrag zur Stromspeicherung an der es großtechnisch bekanntlich ja hakt

    5/ Punkt 4 als 'Insellösung' für jene die PV am Dach oder Vorgarten installiert haben

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    x/ Umstellung unserer persönlichen Verbrauchsgewohnheiten - ja ich weiß, der unpopulärste Vorschlag von allen ;-) Einer meiner Freunde ist Soziologe und hat zuletzt mal folgendes losgedroschen: Wirst sehen, in 10 Jahren kommt es nicht drauf an ob ein Stand-By Lämpchen in einem Gerät lediglich 1W verbrät sondern ob da überhaupt was leuchtet! Dem ist nix hinzuzufügen ...

    ------- Fragt mich nicht welches Gear ich besitze sondern was man damit machen kann! -------

  • Ich hab auch noch viel zu selten die Aussage gehört, dass wir nicht die Erzeugungskapazitäten von Strom anpassen, sondern den Verbrauch reduzieren müssen. Hilft mir nix, wenn ich x% Umweltbelastung/KWh einspare, wenn ich nach kurzer Zeit doppelt so viel Verbrauch hab- das ist irre.


    Ein Beispiel bei dem ich mich selbst manchmal frage, wie blöd ich bin: Wenn ich im Winter im Keller den Stecker vom Hometrainer anstecke...

    Ich brauche also Strom, den ich nicht gebraucht hätte, wenn ich nicht faul beim Fernsehen ebenfalls Strom verbraten hätte, sondern einfach raus gegangen wäre und mich bewegt hätte... <X


    Mit weniger Verbrauch wäre die Stabilität des Netzes auch einfacher zu gewährleisten.

  • Das Thema "Blackout" ist auf Behörden und BOS Ebene schon seit Jahren das Top Thema wenn es um Resilienz geht. Nur im vorigen Jahr wurde es durch das große C abgelöst. Aber sonst kann ich mich persönlich an einen sehr sehr starken entsprechenden Einschlag in allen Fortbildungen und größeren Fachveranstaltungen ab spätestens 2010 erinnern. Die Netzbetreiber und auch die APG waren hierbei immer mit kompetentem Fachpersonal vor Ort und haben nebst Vortägen auch sehr interessante Podiumsdiskussionen geführt.


    Dass allerdings erschreckend ist, wie wenig von den teilweise wirklich guten Inputs dann tatsächlich umgesetzt wurde, weil es, wie immer, am Geld scheitert, ist wieder die andere Geschichte.


    Ich bin hier z.B. persönlich in meinem Betrieb daran gescheitert: Wir haben zwar in vielen Sicherheitsbesprechungen im Jahr 2019 das Thema Blackout als Top1 Priorität in unsrer Szenarienliste festgelegt, als es dann um die Umsetzung ging und ich entsprechende Notstromversorgung zumindest für den essentiellen Teil und den Krisenstab budgetiert hatte, gab es jedoch die ernüchternde Nachricht, dass das doch etwas viel zu teuer wäre.

    viribus unitis - acta non verba

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