Beinahe-Blackout am 08.01.2021

  • Das ist halt Insiderspeak. Frequenzeinbruch bedeutet eigentlich Zuviel Abnahme, zuwenig Energieerzeugung, deshalb verlangsamen sich die Generatoren und drehen langsamer.

    Und das mit der Frequenz ist die einfachste messbare Einheit, und stellt auch gleichzeitig am besten dieses Verhältnis Verbrauch zu Erzeugung dar.

    Das ist schon klar, der Frequenzeinbruch selbst ist aber nie die eigentliche Ursache sondern nur eine weithin sichtbare Auswirkung. So wie das in den Medien oft dargestellt wird klingt das so als würde die Frequenz von selbst einbrechen, wie ein spontaner Lawinenabgang. Dabei ist die Frequenz nur der Überbringer der Botschaft, dass etwas nicht stimmt. Da das ganze Netz über die Frequenz geführt wird und bei Unterschreitung gewisser Schwellen Abschaltungen folgen, ist am Ende der Kette natürlich der Frequenzabfall der letzte Auslöser. Interessant ist eher was am Anfang der Kette zum Frequenzabfall führt.


    Ein Leitungsausfall durch Überlastung würde es ganz gut erklären, inklusive Frequenzanstieg im Süd-Osten und Abfall im Rest. Vielleicht doch ein Zusammenhang mit dem Fahrplanwechsel zur vollen Stunde? Beim Hochfahren der Erzeugung im Osten oder des Verbrauchs im Westen könnte das Abschaltlimit einer Übertragungsleitung erreicht worden sein. So ist auch der Wegfall der Leistung einer Reihe von Kraftwerken zu erklären. Da sollte die Untersuchung allerdings nicht so lange dauern, vielleicht war es eine Kettenreaktion kleinerer Leitungen ... alles Spekulation, zählen wird der Endbericht der ENTSO-E.

  • Das ist schon klar, der Frequenzeinbruch selbst ist aber nie die eigentliche Ursache sondern nur eine weithin sichtbare Auswirkung.

    Ja und nein. In diesem Fall hat der rasche Frequenzabfall (ausgelöst durch Netzprobleme in Rumänien) aber auch seine Auswirkung in der Deltaregelzone gezeigt (etwas, was bei einem externen Ereignis eigentlich nicht auftreten dürfte).

    Ausgelöst wurde das meinen Informationen zufolge dadurch, dass durch den raschen Frequenzabfall ein großes Kraftwerk vom Netz getrennt wurde (welches genau sag' ich nicht, aber die Leistung liegt im oberen dreistelligen MW-Bereich) vom Netz getrennt worden (zumindest kurzfristig).


    Das geschah, um Schaden an den Maschinen zu verhindern.

    Hintergrund: Synchronmaschinen sind mittels Getriebe starr an die Netzfrequenz gekoppelt. Durch den starken Frequenzsprung kommt es schlagartig zu einem enormen Drehmomentanstieg. Damit dieser nicht das Kraftwerk zerstört, gibt es eben Sicherheitsvorrichtungen...


    Dadurch war der Frequenzabfall auch bei uns Ursache für weitere Stromknappheit.

    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. (Konrad Adenauer)

  • Hier eine schöne Zusammenfassung und Erklärung zu den Geschehnissen am 8.1.


    Am 08.01.2021 kam es um 14:05 CET im europäischen Verbundnetz zu einem schweren Vorfall. Ausgelöst durch die Verkettung mehrerer Ereignisse gingen in Rumänien plötzlich mehrere GW an Leistung vom Netz.

    Die Netzfrequenz sank binnen Sekunden von 50 auf 49,74 Hz

  • Die Erklärung ist ganz gut, aber "...Ausgelöst durch die Verkettung mehrerer Ereignisse gingen in Rumänien..." ist ja immer noch nicht geklärt, oder hab ich bisher übersehen.

  • Die Erklärung ist ganz gut, aber "...Ausgelöst durch die Verkettung mehrerer Ereignisse gingen in Rumänien..." ist ja immer noch nicht geklärt, oder hab ich bisher übersehen.

    Ja, die Ursache kennt er natürlich nicht. Aber für mich als Laien wurden zum ersten Mal die Details verständlich erklärt.

  • Hier eine schöne Zusammenfassung und Erklärung zu den Geschehnissen am 8.1.

    Diese Erklärung ist aber schon seit 08.01 bekannt, nur sagt sie genau nichts aus. Wenn die Netzfrequenz einbricht, dann sind Kraftwerke "weggefallen", das ist logische Physik.

    Es wäre interessant zu wissen WELCHE Kraftwerke weggefallen sind und WARUM. Denn mit einer konkreten Ursache kann man sich überlegen wie man sowas in Zukunft verhindern kann.

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • Die Erklärung ist ganz gut, aber "...Ausgelöst durch die Verkettung mehrerer Ereignisse gingen in Rumänien..." ist ja immer noch nicht geklärt, oder hab ich bisher übersehen.

    Solche Ereignisse zu rekonstruieren ist immens schwierig. Da viele Netzbetriebsmittel quasi auf die Sekunde ausfallen, ist es schwierig, hier das auslösende Ereignis zu identifizieren.


    Wenn dann die Protokolle bzw. die protokollierenden Geräte nicht exakt mit der Atomuhr synchronisiert sind, wird das noch aufwändiger.

    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. (Konrad Adenauer)

  • Vermutlich geht es rand00m so wie mir: wenn hier schon steht "Verkettung mehrerer Ereignisse ... in Rumänien", dann würde man schon gerne wissen: WELCHE Ereignisse?

  • Angeblich war der Auslöser ein Fehler/Defekt im rumänischen Netz, welcher als Auswirkung die Abschaltung von Überland Leitungen hatte.

    Daraufhin wurde der Import von ca. 3,6 GW aus dem Südosten in den westlichen Teil, welcher zu diesem Zeitpunkt von den Importen abhängig war, unterbrochen.

    Das hat zur Auftrennung in den südöstlichen und westlichen Teil geführt.

    Im südöstlichen Teil hatten sie Spitzen bis auf 50,6Hz, und im westlichen die Unterfrequenz

    Never argue with an idiot, they drag you down to their level and beat you with experience.

  • Soweit ich das bisher mitbekommen habe ist in Osteuropa so ziemlich jedes kalorische Kraftwerk gelaufen, weil Deutschland und Österreich zu wenig EE-Einspeisung hatte und wir ja soo toll damit klar kommen. Und Frankreich war mit seinen Kraftwerken auch ziemlich am Ende, weil die Franzosen (gerade im Süden unten) fast ausschließlich mit Widerstandsheizungen arbeiten (wegen der paar kalten Tage lohnt sich die Investition in eine echte Heizung nicht).


    Wenn aber so große Energiemengen quer über den Kontinent verschoben werden, kann das n-1-Kriterium halt nicht immer erfüllt werden. Dann reicht ein x-beliebiger Ausfall in der Kette, und die Dominosteine beginnen zu fallen...

    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. (Konrad Adenauer)

  • Wenn aber so große Energiemengen quer über den Kontinent verschoben werden ...

    Tja, Strom hat kein 'Mascherl', der halbe Satz oberhalb verleitet aber dennoch zu einem Trugschluss wie ich finde. Wenn z.B. Strom aus Tschechien via Österreich in die Schweiz exportiert wird ist es tatsächlich sehr wahrscheinlich dass der Strom welcher in tschechischen Atomkraftwerken erzeugt wird bei uns in Ostösterreich verbraucht wird und der Strom der schlußendlich in die Schweiz geht wohl eher in Westösterreich in einen Wasser-KW in Grenznähe zur Schweiz erzeugt wird. Gibt ja keine Fernleitung welche direkt vom tschechischen Stromerzeuger zum schweizer Stromverbraucher durchläuft. Entlang des Weges hat es auch im Hochspannungs-Übertragungsnetz zahlreiche Punkte wo Strom abgegriffen oder eingespeist wird! Dieses Prinzip gilt natürlich auch in umgekehrter Richtung wenn z.B. die Schweiz Überschuss- oder Spitzenstrom nach Osteuropa exportieren würde und diese 'Fernübertragung' funktioniert solange die techn. Rahmenbedingungen für den Netzbetrieb eingehalten werden.


    Wenn's am 8.1. tatsächlich Lastabwürfe von 3.7GW in Kraftwerken gab ist das nicht mehr ganz banal, solch hohe ge-tripte Leistung lässt sich nicht in der nächsten Sekunde ersetzen! Zum Vergleich, die Gesamtleistung der österr. Donaukraftwerke beträgt ca. 2.2GW - also im Idealfall wenn genug Wasser da ist und alle Turbinen 100% geben und sich gerade nix im Wartungsstillstand befindet ...

    ------- Fragt mich nicht welches Gear ich besitze sondern was man damit machen kann! -------

  • Noch einmal zum Ereignis vom 08.01.:
    Laut Artikel in der Presse von heute sind am Flughafen Wien Schäden von mehreren 100.000 Euro entstanden: hunderte Videokameras, automatische Türöffner, Licht und Parkhauskassen werden aufgeführt.

    Weiß jemand mehr, und vor allem WIE ist der Schaden dort entstanden? Unterfrequenz schadet den Geräten ja nicht. Oder war das eine Folge von evetl. Überspannungen / Unterspannungen während Notstrombetrieb?