Die angebliche Haltbarkeit von Konserven über das MHD hinaus

  • Ben 's Frage bezog sich aber, glaube ich, auf die weitverbreitete Meinung, Konserven wären eigentlich unbegrenzt haltbar, wenn unversehrt. So wird das eigentlich auch in Einkochbüchern kundgetan.

    Genau, es wurde ja auch Jahrzehntelang behauptet Spinat wäre besonders gesund, aufgrund seines hohen Eisengehalts. Bis das mal jemand nachgeprüft hat und sie drauf gekommen sind, dass einfach ein Tippfehler in einer Tabelle diesen Irrglaube verursacht hat.

  • Ich habe zwar keine Langzeitvorrat, aber schon einiges darüber gelesen.

    Ein Punkt ist auch, das diese Konserven anders hergestellt werden wie die 08/15 Konserven im Einzelhandel.

    Das fängt schon beim Material der Dose an und geht bis hin zu den Zutaten, Verarbeitung und auch Konservierung.


    Nur weil es Konserven gibt die mit MDH 10 Jahre ausgezeichnet sind, heißt das nicht

    ich kann das einfach für jede Konserve annehmen.


    Wenn man liest das jemand eine Konserve vom 2. Weltkrieg aufgemacht hat und die noch gut war.

    Kann ich nicht davon ausgehen das dies eine "billig" Konserve aus dem Supermarkt - wie heute - war.


    Zur Gewinnoptimierung werden diese Massenkonserven heute möglichst billig hergestellt.

    Gespart von der Dose (Dicke, Material) bis hin zu den Zutaten.


    Weil ich gerade Ben mit Sichersatt lese, damit hast du schon Recht.

    Vielleicht bin ich auch deshalb von diesen langzeitvorräten noch nicht so überzeugt.

    Ich würde hier dann schon auf eine Herstellerfirma zurückgreifen die es auch schon länger gibt.

  • Gerade die Gründungsdaten anderer Hersteller gecheckt. Im deutschsprachigen Raum sind die alle kaum älter als 10 Jahre, wenn überhaupt.


    Meine Befürchtung ist, dass hier einer vom nächsten abschreibt, was die Haltbarkeit angeht. Deshalb auch immer die selben Hinweise auf Dosenbrot aus 1942 und das 50 Jahre alte Huhn.


    Wenn schon ein Lebensmittelingenieur bestätigt, dass die Haltbarkeit nachvollziehbar ist, ohne das selbst zu prüfen, nur durch vom Unternehmen selbst durchgeführte Tests (die allesamt nur wenige Jahre alt sein können) und nicht näher genannten Fakten aus einer Fachliteratur, gibt mir das zu denken.

  • Es wurde schon beinahe alles gesagt nur noch nicht von mir.:S


    Was glaube ich zu wenig beachtet wurde ist zB das Ablaufdatum von Zucker oder Salz. Da ist nicht das unbrauchbar werden des Produktes sondern die Haltbarkeit der Verpackung das Kriterium. Karton oder Papier wäre ja nicht das Problem, aber der Kleber die Beschichtungen die Druckfarben diffundiert durch die Verpackung und dann gibt es die Nachrichten über Erdöl im Lebensmittel.


    Vor längerer Zeit habe ich ein beinahe neun Monate überlagertes Joghurt gekostet, war einwandfrei, aber der Aludeckel des Bechers zeigte deutliche schwarze Korrosionsflecken, deshalb hab ich das Joghurt weggeworfen.


    Ähnlich denke ich wird das bei Konservendosen sein. Wer kann sich noch an den leicht metallischen Abgang der in verzinkten Dosen gelagerten Ananasscheiben erinnern? vermutlich Ähnlich bei Bisphenol beschichteten Dosen, das wird vom DosenInhalt teilweise absorbiert.

    Genau das ist der Grund warum ich meine Dosen und Gläser, zZt ca 120 Stk, immer relativ bald, nach Möglichkeit schon vor Ablaufdatum rotiere. Bei 10 Konserven pro Monat geht das recht zach, und ich immer mehr auf teurere in Glas verpackte Produkte ausweiche.


    Testhalber hab ich schon öfter Schweinebratel Konserven (Rillettes) im Glas gekocht, aber mich leider noch nie annähernd an ein Verfallsdatum herangetestet, weil Zufalls Besucher schnell meine Bestände weggejausnet haben, besonders mein Bruder ist ein verlässlicher Tester und Bestands Dezimierer. Ich werde jetzt einmal schauen, ob noch versprengte Martinigänse auf dem Markt sind und einmal Ganslrillette angehen.

    Schon seit 21.643 Tagen nichts bei Amazon gekauft.

  • Ich habe gestern EU-Verordnungen zu Lebensmitteln gewälzt (besonders VERORDNUNG (EU) Nr. 1169/2011 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 25. Oktober 2011) und zumindest auf EU Ebene habe ich keine einzige Vorgabe gefunden, wie lange ein maximales MHD sein darf. Auch im österreichischen Lebensmittelgesetz von 1975 findet sich keine Angabe zu einem maximal möglichen MHD.


    Da der Hersteller eben so lange für das Produkt garantieren muss, wie er ein MHD angibt, werden sich natürlich die meisten hüten allzu viele Jahre anzugeben. Außer sie spekulieren darauf, dass es niemand kontrolliert, oder es solange hält. Mehr dazu weiter unten.


    Es gibt die Möglichkeit "Haltbarkeitstests" ("accelerated durability testing“) in der Lebensmittelindustrie durchzuführen. Ich konnte aber keine Info finden, ob das gesetzlich vorgeschrieben ist. Da damit wohl hohe Kosten verbunden sind und eine Firma naturgemäß damit werben würde, dass sie sich das MHD extern bestätigen hat lassen, darf bezweifelt werden, dass das große Anwendung findet. Besonders in einer so kleinen Sparte wie der von Langzeitkonserven.


    Alles was ich aus diversen Dissertationen und Fachbeiträgen zum Mindesthaltbarkeitsdatum rauslesen konnte ist, dass es 1. sehr wenig Literatur dazu gibt und 2. offenbar der Hersteller vollkommen freie Hand hat, was er angibt. Scheinbar muss das auch nicht nachgewiesen werden, dass es tatsächlich so ist, dass ein Produkt so lange hält wie angegeben.


    Er ist einzig haftbar für den Fall, dass die Ware dann doch nicht innerhalb des MHD genießbar bleibt. Aber selbst hier gibt es sehr viele rechtliche Grauzonen und es ist keineswegs so klar, dass der Hersteller so haftet, wie man glauben würde. Leseempfehlung: Dissertationsvorhaben zu Mindesthaltbarkeitsdaten aus rechtlicher Sicht der Uni Wien.

  • Ich kann dazu sagen, das ich regelmäßig Lebensmittel, die schon sehr lange abgelaufen sind, verköstige.

    Mit sehr lange meine ich Zeiträume von 5-15 Jahren über MHD.

    Hier kommt es sehr auf die Dose an. Zum Beispiel ist es so, das 5-6 Jahre abgelaufene Pfirsiche aus der unbeschichteten Dose halt metallischer schmecken als Pfirsiche aus der kunststoffbeschichteten Dose.

    Ich habe da aber einen extra Vorrat mit Experimentaldosen, die seit Anbeginn im Wald stehen, ich habe sie 2013 dahin gebracht und so sind schon einige Winter und Sommer drüber gegangen. (Sie sind den klimatischen Veränderungen voll ausgesetzt.

    Ich kann hier gern mal so eine Dose zeigen und zubereiten. Die sehen von außen echt schlecht aus, das sie oft von Schimmel und Rost befallen sind ;-).


    Gruß


    TID

  • Morgen.


    Gerade eben eine Dose Vollkornbrot von dauerbrot.de geöffnet mit MHD 11/19 ;

    Wie erwartet schönes "Plopp" und in einwandfreiem Zustand.

    Nebenbei ein sehr leckeres Dosenbrot, Hut ab!

    Thema SURVIVAL


    Meine ehrliche Meinung dazu?


    Erst kam Rüdiger Nehberg, dann lange, lange nichts und danach gab es sehr viele, und diese “Vielen“ haben nie richtig gefroren, nie wirklich gehungert, nie unfreiwillig gedurstet, sie waren nie in wirklicher Todesgefahr, sind nie gezwungenermaßen hunderte von Kilometern marschiert, mussten nie unerträglichen Schmerz einstecken (der Support oder die Kamera waren immer “nie“ wirklich weit weg): Sie litten nie Todesangst, waren nie verletzt, nie ungewollt verschollen … und sie nennen sich dennoch Survivalisten & Bushcrafter. (Thomas Gast)

  • Ich liebäugle mit Langzeitdosen von Dosenbistro und Co. habe aber überraschenderweise nirgends irgendwelche handfesten Belege gefunden, dass die Dosengerichte wirklich so lange halten wie behauptet. Warum hinterfragt das niemand?

    Im Netz hatte ich schon ein paar Videos gesehen, wo Leute die Produkte von Dosenbistro nach längerer Zeit getestet haben, MHD noch in weiter Ferne. Nach wenigen Jahren war da manches ungenießbar bzw. roch so unangenehm, dass es entsorgt wurde.

    Die Videos finde ich NICHT mehr im Netz.


    In den Kommentaren zu folgendem Youtube-Filmchen erwähnt aber jemand genau eines dieser Videos.


    Jemand anderes erwähnt da auch sein Pech mit Käse (Camembert).

    Wir haben genau jenen Käse auch (vor etwa 2 Jahren gekauft, MHD bis 2030), und in der Tat, beide Dosen sind leicht gewölbt.

    Eine Dose haben wir vorhin deshalb geöffnet, es gab einen leichten Zischlaut.

    Der Käse selbst (2 Stücke) riecht noch gut. Allerdings hat das beiliegende, blau bedruckte Beutelchen (Silica-Gel?) auf einen Käse abgefärbt.


    Wir haben beide ein kleines Stück Käse probiert. Ist Geschmacklich kein Highlight, erwarte ich aber auch nicht von einem Dosenkäse, und ich finde, dass der Käse einen leicht säuerlichen Nachgeschmack hat.


    Der Rest des Käses liegt jetzt im Kühlschrank. Wenn ich mich die nächsten Tage nicht melde, war der Käse nicht mehr gut ;-)

  • Verdammt- ich hab ein paar DosenBistro Dosen daheim... werd ich gleich mal checken.

    So ein Mist...

    Ich würde mal nicht gleich in Panik verfallen.

    Bis auf 3 verschiedene Käse haben wir keine Produkte von Dosenbistro - und nur der Camembert zickt rum.


    Obwohl die Dose leicht aufgebläht war, beim Öffnen etwas zischte und ein bisschen Farbe vom Silicagel-Beutel auf den Käse abgefärbt hat, muss ich sagen, dass der Käse noch gut war. Jedenfalls hatten wir keinerlei Magenprobleme nach dem Verzehr.

    Der leicht säuerliche Nachgeschmack war nicht mehr zu merken, als ich ihn als Belag auf einem Brötchen gegessen habe, und auch auf einer Apfel-Käse-Pizza hat er sich gut gemacht.


    Die zweite Dose werden wir auch zeitnah öffnen, da auch diese etwas aufgebläht ist.


    Trotzdem muss ich sagen, würde ich den Käse wieder kaufen. Wo sonst gibt´s schon lange haltbaren Camembert???

    Allerdings würde ich nicht auf die 10 Jahre Haltbarkeit wetten, sondern ihn schneller rotieren, so alle 1 bis 2 Jahre.

    Camembert.jpg