Einschreiten oder nicht?

  • wie ich ja schon geschrieben habe, gehe ich gerade in einen Schwimmkurs mit meinem 4jährigen Sohn.


    Es gibt dort mehrere Gruppen und ich bin perfekt mit meiner Gruppe zufrieden. Sie schafft es gut, meinem Kind die Angst vor dem Wasser zu nehmen.


    Jetzt ist aber eine andere Gruppe auch da. Ein Kind daraus hat große Angst vor tiefem Wasser und die gesamte zweite Stunde heult er und wehrt sich, wird aber ins Wasser gedrängt von der Schwimmlehrerin und auch wenn er Schwimmhilfen hat, passt sie auf, dass er ja nicht an den Rand greift bzw wenn er es tut, nimmt sie seine Hand dort weg und zieht ihn wieder hinein.


    Ich finde es persönlich wirklich schlimm, so etwas ansehen zu müssen, weil es aus meiner Sicht ganz klar Gewalt gegen ein Kind (vielleicht 5o oder 6 Jahre alt) ist. Alle anderen Kinder schwimmen gut mit und haben Spass, er weint aber nur und hat ja die erste Stunde solang es noch nicht im tiefen Wasser ist auch Spass.


    Ich konnte jetzt nicht mehr länger zusehen und habe die Leiterin der Schwimmschule angerufen, um es ihr zu sagen. Mein Mann hat gesagt, das hätte der Trainerin jetzt wohl ihren Job gekostet und er wäre nicht dabei gewesen, hätte das aber wahrscheinlich nicht getan. Aber es hängt davon ab, wie schlimm es gewesen sei. Filmen wollte ich nicht, weil das aus Datenschutzgründen ganz klar verboten ist.


    Deshalb frage ich euch... hättet ihr auch nur zugesehen?

  • Als Gewalt würde ich das jetzt nicht bezeichnen, aber Schwimmen lernt das Kind so sicher nicht. Es gibt spielerische Methoden der Wassergewöhnung & als Schwimmlehrer sollte man das auch wissen. Wenn das Kind nicht ins tiefe Wasser will muss man das akzeptieren/respektieren & auf das Kind eingehen. Geht natürlich nicht im Massenunterricht, aber in Einzelstunden.
    Der Chefin Bescheid geben finde ich gut.

    Try to leave this world a little better than you found it. (Robert Baden-Powell)

  • Was sagen die Eltern dazu?

    Etwas Motivatio brauchen die Kids schon nur Panik sollten sie keine bekommen.

    Wie 12er_scout schon geschrieben hat, mit der Methode wird das Kind nie eine Freud am schwimmen haben.

  • Aber es hängt davon ab, wie schlimm es gewesen sei.

    jo, thats it. Es kommt drauf an.

    wenn du meinst es war notwendig, dann wars wohl so.


    Beim ersten mal hätt ichs vielleicht noch nicht gesagt. oder zuerst die eltern oder zuerst die eigene schwimmlehrerin angesprochen ob das ok ist.

    Vertikale Eskalation geht halt oft auch schnell ins auge.


    Als Gewalt würde ich das jetzt nicht bezeichnen

    In Sozialpädagogen/Kindergärtner-sprache ist es genau das. "Gewalt am Kind" ist dort das Signalwort dafür wenn wo Zwang angewandt wird.

  • ich muss gestehen, ich habe nicht daran gedacht, meine Schwimmlehrerin darauf anzusprechen und ich war in dem Moment nicht in der Lage, sie selbst anzusprechen. Schließlich war sie mitten im Kurs und da konnte bzw hab ich mich einfach nicht getraut, direkt hinzugehen und sie zu stoppen.


    Wobei ich mich jetzt einerseits fürchte, weil ich ihr ja natürlich heute wieder begegne, aber andererseits etwas tun musste. Ich konnte einfach nicht zusehen.


    Wie schlimm es war... sie hat das Kind nicht geschlagen oder so, aber es war natürlich körperlich übergriffig. Jemanden gegen seinen Willen und gegen seine Abwehr ins Wasser zu zerren ist für mich Gewalt. Sie ist körperlich stärker als er. Das wäre aber nicht so schlimm noch gewesen, (sowas könnte man ja auch "sanft" tun, was sie nicht hat), wenn sie ihm dann nicht das "schützende Ufer" verwehrt hätte. Natürlich hat er durch das ganze Gezappel dann Wasser geschluckt usw... ich persönlich fand es halt einfach nicht ok.


    Wir werden sehen. War vielleicht falsch von mir, von ihr aber definitiv auch. Und ich hab auch im Kopf, dass mein Sohn vielleicht beim nächsten Mal sie als Lehrerin hat und einen Knacks fürs Leben behält... (würde ich nie im Leben zulassen, dass sie das mit ihm macht)

  • Nun, ich finde du hast das Richtige getan. Die Leiterin kann und muss entscheiden, wie die Situation zu bewerten ist. Dafür ist sie da. Sie hat auch die Möglichkeit die Eltern anzusprechen, damit dem Kind geholfen werden kann, denn so eine Erfahrung kann zum Trauma werden.

  • Waren die Eltern des Kindes in der Nähe? Natürlich ist es immer eine Gratwanderung zwischen Helfen und Anmaßung. Ich hätte die eigene Trainerin oder diese besagte Trainerin zuerst direkt angesprochen. Nach oben kann man immer noch eskalieren. Ich würde den Fehler der Trainerin aber schwerer werten als das du direkt zur Leitung gegangen bist.


    Pädagogisch wertvoll ist es natürlich nicht einem Kind mit Gewalt das Wasser näher zu bringen. Es ist schon eine Form von Gewalt in meinen Augen. Kinder nehmen da schnell auch ein Trauma mit, das sie länger begleitet.

    Wenn man merkt man ist am Holzweg, sollte man dazu stehen, sonst ist man ein Holzkopf...

  • Ich finde Du hast richtig gehandelt. Schwimmunterricht bedeutet nicht das Kind mit Gewalt dazu zwingen. Sollte man als "Lehrerin" durchaus andere Möglichkeiten kennen und probieren.

  • ja die Mutter war dabei, aber ich hatte das Gefühl, dass sie einerseits mit der Situation überfordert war und andererseits vielleicht dachte, die Trainerin wird es schon wissen.


    Ja es war anmaßend von mir, einzuschreiten. Aber selbst wenn Eltern selbst einem Kind Gewalt antun würden, würde ich da nicht zusehen wollen. Der Kleine kann sich noch nicht wehren, auch wenn er sehr selbstständig und selbstbewusst wirkte.


    Übrigens hat die Trainerin heute viel mehr gelobt und es kam nach der Pause zu keinen Tränen, obwohl sie im tiefen Wasser waren!

  • Im Nachhinein und wenn man viel Zeit hat um Überlegen, sieht man manches anders als wenn man plötzlich mit der situation konfrontiert ist.

    Ich hätte mir jedenfalls für mein Kind gewünscht, dass jemand wie du eingreift, wenn ich das selbst - warum auch immer - nicht kann. :thumbup:

  • Ihr müsst es ach mal von der anderen Seite aus sehen. Vielleicht war das alles mit den Eltern abgesprochen..!

    Würde es damit die Sache besser machen? Eher das Gegenteil ...

    Wenn man merkt man ist am Holzweg, sollte man dazu stehen, sonst ist man ein Holzkopf...

  • Deshalb frage ich euch... hättet ihr auch nur zugesehen?

    Nein. Meiner Meinung nach steht Kindeswohl über allem.


    Wenn ich etwas sehe was für mich nicht richtig aussieht oder meinen Wertvorstellungen widerspricht schreite ich auch ein, wenn es die Umstände zulassen.


    Ich stehe lieber als Vernaderer da, bevor das Kind ein Trauma bekommt und mit dem Wissen rumläuft, dass ihm niemand hilft wenn etwas passiert, was er nicht will und in ihm Panik hervorruft.


    Ich kann mit Kritik an meiner Entscheidung leben, das Kind sollte mit dieser Erfahrung nicht leben müssen.

  • ja die Mutter war dabei

    Dann ists für mich eindeutig. Dann wars übers Ziel hinaus geschossen. Stichwort Cancel Culture.

    a) zu schnell eskaliert. Da hätte man noch ein gelinderes Mittel wählen können statt gleich beim AG zu intervenieren.

    b) deren kinder, deren Entscheidungen


    Konsequent wäre, es jetzt auch dem Jungendamt zu melden und anzuzeigen was da passiert unter dem Wissen und Duldung der Eltern.