Eigenbau-Selch(e)

  • Hi Leute,


    nachdem gestern meine DIY-Selch halbwegs fertig geworden ist, möchte ich euch auch daran teilhaben lassen.

    Zuerst mal die Vor-Vorbereitungen: Ich hab' sechs Stücke Schweinebauch und -schulter mit Pökelsalz (Kotany-Fertigmischung) vor gut einer Woche eingerieben, vakkumiert und in einem kühlen Kellerraum gelagert. Während der Bauarbeiten durfte sie (bei leider weniger als idealem Wetter) in einer fliegensicheren aber luftdurchlässigen "Kiste" (in Wahrheit: Rahmen aus Konstruktionsholz, mit Alu-Fliegengitter "tapeziert") trocknen lassen.


    Einvakuumiertes, gepökeltes Fleisch

    001_Fleisch_vakuumiert.jpg


    Fleisch in der Trockenkammer (unter dem Dach meines Holzdepots)

    003_Fleisch_in_Trockenkammer.jpg



    Die Bauanleitung der eigentlichen Selchkammer kommt im nächsten (den nächsten) Beiträgen!

    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. (Konrad Adenauer)

  • Teil 2:


    Dann ging es mit dem eigentlichen Bau los. Gearbeitet habe ich ohne Pläne, was zumindest bedingt gut funktioniert hat.


    Die Idee dahinter war folgende: Die Selch sollte zweigeteilt sein: Unten der Kaltrauchgenerator, darüber die eigentliche Selchkammer. Durch den Kamineffekt steigt der Rauch aus dem Kaltrauchgenerator auf und kann dann oben entweichen. Zum grundlegenden Designproblem (ich sag‘ nur: Niederdruckwetterlage) komme ich später noch…


    Zusätzlich habe ich im Zuge des Bauens einige Holzbearbeitungstechniken (insbesondere Verbindungen) ausprobiert.

    Die da waren:

    -         Pocket Holes (Taschenlöcher)

    -         Überblattung

    -         Und natürlich ganz normal auf Stoß geschraubt (wobei das nix mit Ausprobieren zu tun hatte; geht einfach am schnellsten)


    Überblattung:

    03_Ueberblattung.jpg


    Pocket Holes / Taschenlöcher:

    04_Pocket_Holes.jpg


    So, und jetzt in medias res:

    Die Grundkonstruktion sind zwei Rahmen aus 5/5-er-Staffeln. Diese werden mit Distanzhölzern zu einer Art Holz-Dixiklo verbunden, außen mit Nut- und Federbrettern beplankt, mit einer Isolierung versehen und innen mit 18mm-Fichtenleimholzplatten verkleidet.


    (hinterer) H-Rahmen:

    01_Rahmen_hinten.jpg


    (vorderer) H-Rahmen:

    02_Rahmen_vorne.jpg

    Als Anschlag für die Türe ist noch ein zusätzlicher Staffel angeschraubt.


    Verbindungshölzer (um den vorderen und hinteren Rahmen zu verbinden):

    08_Verbindungshoelzer.jpg


    Der Rahmen (noch nicht zusammengebaut):

    06_Rahmenteile.jpg


    Dateien

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  • Teil 3:


    Der Rahmen wird zusammengebaut:

    14_Verbinder_werden_Angeschraubt.jpg


    10_hinterer_Rahmen_beplankt.jpg


    17_Rahmen_komplett.jpg


    19_Grundgeruest_seitlich.jpg


    Die Isolierung habe ich mit XPS-Platten realisiert (ich hab‘ keine Steinwolle in Kleinmengen bekommen; und extra einen Riesenpack wollte ich mir auch nicht kaufen). Da die Staffeln knapp unter 5cm sind (48mm), habe ich sie anders aufgebaut: 30mm XPS + 18mm Fichtenholzplatten.

    Die Hinterwand wurde mit den Nut-und-Feder-Brettern beplankt

    12_XPS.jpg


    Innenbeplankung:

    22_Innenbeplankung.jpg


    Durch die doppelte Holzstärke (36mm) kann der Innenraum halbwegs warm werden, bevor das XPS seine thermische Belastungsgrenze (ca. 75°C) erreicht.


    Damit der Speck nicht zu sehr austrocknet, soll ja nur wenig Luftumwälzung stattfinden. Dadurch benötigt man vergleichsweise wenig Rauch. Was gut ist, weil materialsparend. Und gleichzeitig schlecht, weil dadurch wenig Wärme entsteht und dadurch die benötigte Temperatur – zwischen 15 und 25°C – nicht erreicht wird.

    Also muss eine Heizung her. In meinem Fall: Eine einfache 60W-Glühbirne. Als Temperatursteuerung dient ein einfaches Thermostat (Kapillarfühler).


    Der Rauchgenerator ist ein einfaches Ofenrohr (13cm Durchmesser, einen halben m lang). Unten mit einer Abdeckung (mit Löchern als Luftzufuhr) versehen und seitlich ebenfalls ein paar Löcher zum Anzünden und ebenfalls für die Luftzufuhr. Diese wird oben mit einer einfachen Kappe verschlossen. Der Rauch zieht durch ein 30mm-Rohr in die darüberliegende Selchkammer ab und von dort weiter nach oben durch zwei 42mm Löcher.

    Zum Schutz vor Fliegen hab‘ ich Fliegengitter draufgetackert.


    Fliegengitter vor den Rauchauslässen:

    23_Fliegengitter.jpg



    Dateien

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  • Zu guter Letzt noch ein Dach (einfaches Pultdach aus Well-Teerpappe, ohne Foto) drauf, eine Türe dran und das Fleisch kann seine neue, temporäre Wohnung beziehen!


    Räucherkammer + -gut + "Heizung"

    24_Fleisch_in_Selch.jpg


    Kaltrauchgenerator:

    26_Kaltrauchgenerator.jpg


    Heizungssteuerung:

    27_Heizungssteuerung.jpg


    Rauchauslass in die Selchkammer:

    25_Rauchauslass.jpg


    Ach ja, da war ja noch die Sache mit dem Designfehler!!!


    Wenn – wie gerade eben – Niederdruckwetter herrscht, ist das halt so eine Sache mit der Kaminwirkung. Dann drückt es den Rauch eher unten raus als oben beim Schornstein. Daher werde ich die Selch möglicherweise noch mit einem kleinen PC-Lüfter (und Akkupack) nachrüsten, damit der Rauch auch wirklich aus dem Kaltrauchgenerator in die Selchkammer gesaugt wird.


    Wobei zumindest momentan der Rauch ganz gut nach oben hin abzieht. Mal beobachten!


    29_Rauch.JPG


    So, das war’s für den Anfang!


    LG,


    Bardo Thodol

    Dateien

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  • Ich bin übrigens mittlerweile draufgekommen, dass die Selch total übertrieben groß ist. Damit kann ich theoretisch so um die 30 Stücke gleichzeitig selchen. Also das 5-fache von dem, was gerade drinnen hängt...


    Dafür geht der Kaltrauchgenerator jetzt extrem gut. Hab' ihn im wahrsten Sinne des Wortes aufgebohrt (damit mehr Luft dazu kann). Ich brauch' definitiv keinen Ventilator mehr! ^^

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  • Danke!


    Bin jetzt gerade dabei, die Raucherzeugung hinzubekommen: Nicht zu wenig, nicht zu viel. Gar nicht so einfach...

    In Wahrheit hilft aber eh nur: Herumexperementieren!

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  • Danke!


    Was ich mittlerweile bemerkt habe: Der Eintrag an Wasserdampf durch den Kaltrauchgenerator ist enorm! Die Türe beginnt mittlerweile zu klemmen, weil sich das Holz schon mehr als 2mm (bei ca. 50cm Breite) ausgedehnt hat.

    Werde morgen mal komplett durchlüften, das Fleisch ins Freie hängen und die Selche trocknen.


    Jetzt weiß ich, warum klassische Kaltrauchgeneratoren einen Kondensatablauf haben!

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