Was wäre, wenn... ihr euch beim Training verletzt?

  • Hier ein kleines Szenario:


    Es ist ein kühler Herbsttag irgendwann Anfang Oktober und ihr entscheidet euch, dass es wieder einmal Zeit ist, die Feuer-mach-Kenntnisse aufzufrischen.

    Deshalb fahrt ihr mit der ganzen Familie (oder Preppergruppe, mit einem Freund, ... - nicht allein!) mit eurem Auto in den Wald eines Bekannten, in dem ihr auch ein Feuer machen dürft.

    Nachdem ihr aus Steinen eine Feuerstelle gebaut habt, beginnt ihr, einen umgefallenen Baum mit eurer Axt zu bearbeiten, um dort einen geeigneten Ast als Brennholz abzuschlagen.

    Dabei rutscht du mit der Axt ab und triffst in der Mitte des Unterschenkels deine Hose. Diese färbt sich sofort rot und ein beißender Schmerz zieht sich durch dein Bein.

    Als du die Hose hochschiebst, siehst du eine ca. 10cm lange, tiefe Wunde, das Schienbein ist frei sichtbar. Aus der Wunde fließt kontinuierlich Blut und dir wird etwas schwarz vor Augen.

    Dazu kommt, dass du...

    ... 500m von deinem Auto entfernt bist.

    ... erst in 1000m eine Handyverbindung bekommen kannst.


    Wir befinden uns in einer Trainingssituation, die normale Rettungskette funktioniert also noch. Ihr seid aber ca. 15-20min von der nächsten Rettungsdienststelle entfernt - die Anfahrt dauert also eine Weile.


    1. Wie würdet ihr die Blutung stillen?
    2. Was würdet ihr bei der Versorgung des Verletzten sonst noch beachten?

    3. Wie wird der Notruf abgesetzt? Wie findet der Rettungsdienst euch?
    4. Wie ist der genau Wortlaut des Notrufs? (Adresse: die nächste Straße, von der aus ihr auf den Feldweg in den Wald eingebogen seid, ist die Bundesstraße 1000, bei Kilometer 100)

    5. Wie verändert sich eure Handlungsweise, wenn es 5 Minuten nach der Verletzung beginnt zu nieseln?:evil:


    Viel Spaß beim Erste-Hilfe-leisten ;)


    justme

    If you plan to improvise you plan to fail!

  • Da man normalerweise nicht ein halbes Krankenhaus mit Notartzt dabei hat, Kompressionsverband, ab ins Auto und ins Krankenhaus fahren lassen.

    15-20 Min. kann man wenn es sein muss, in 10 erledigen.

    Da würde ich und meine Kollegen keine Zeit verlieren mit Notruf und sonstiges.

    Die Rettungskräfte hätten bestimmt länger als eine halbe Stunde um den Platz zu finden.

    Wenn es an zu nieseln anfangen würde, würde da sich nichts daran ändern. Dann wird man halt ein bischen nass. Was sölls.. Der Tag ist dann eh schon gelaufen.

  • Würde ich auch wie Fluid machen.

    Nur würde ich zusätzlich einen Notruf absetzten lassen um sich ggf. am Weg mit den Rettungskräften zu treffen.

    Zum Avatar wäre nur zu sagen - lang ist's her

  • 1. Wie würdet ihr die Blutung stillen?

    Druckverband, wenns nicht reicht abbinden, Zeitpunkt notieren (am Fuß)


    2. Was würdet ihr bei der Versorgung des Verletzten sonst noch beachten?

    Schock! Temperatur

    3. Wie wird der Notruf abgesetzt? Wie findet der Rettungsdienst euch?

    Wer ist dabei? Wieviele sind dabei? Kann jemand Auto fahren? Rettung rufen - einer muß beim Verletzten bleiben


    4. Wie ist der genau Wortlaut des Notrufs? (Adresse: die nächste Straße, von der aus ihr auf den Feldweg in den Wald eingebogen seid, ist die Bundesstraße 1000, bei Kilometer 100)

    XY wartet mit Warnblinkanlage in der Einfahrt Feldweg auf Bundeststraße 1000, bei km 100.

    Wenn das nicht geht bin ich ehrlich gesagt ein wenig aufgeschmissen - ich selbst hab eine Orientierung wie eine pensionierte Brieftaube. Also wenn ich es nicht schaffe der Rettung zu erklären wo sie hinmuß, würd ich dann doch eher in Erwägung ziehen, den Verletzten zum Auto zu schaffen und zumindest bis zur Bundeststraße zu fahren. Ich hab aber auch eine Einmaltrage im Auto, wenn man das nicht hat wirds wahrscheinlich schwierig.

    5. Wie verändert sich eure Handlungsweise, wenn es 5 Minuten nach der Verletzung beginnt zu nieseln?

    Schutz vor Nässe - Temperatur - Schock


    Krieg ich jetzt einen Kaffee und eine Zigarette? 8o

    Es genügt nicht, keine Meinung zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken! (Karl Kraus)

  • Druckverband rauf. Auto holen. Verletzten in das Auto verfrachten. Richtung Krankenhaus fahren. Während der Fahrt Notruf absetzen. Position und GPS Koordinaten durchgeben. Auf Anweisungen des Notdienstes hören. Scheibenwischer einschalten :P

  • Habe den Vorrednern nichts hinzuzufügen außer:

    Ich hätte die Frage zunächst so verstanden, dass ICH mich verletze.

    In diesem Fall kommt es auch darauf an, wer noch dabei ist ( Kinder), und wie gut alle anwesenden gebrieft wurden.

    Das halte ich bei gemeinsamen Unternehmungen grundsätzlich für sehr wichtig: Wo treffen wir einander, falls einer verlorenen geht (Hauptthema in Menschenansammlungen, zB Christkindlmarkt)?

    Wer ist wofür zuständig und wer übernimmt, wenn dieser ausfällt?

    Wie wird bei Erkrankung oder Verletzung vorgegangen, insbesondere wenn der Leiter/ Organisator der Veranstaltung betroffenen ist?

    Denn: Möglicherweise kann ich in einer Notsituation keine Anweisungen mehr geben - mir wird im Beispiel ja "schwarz vor den Augen" ;)

  • Tourniquet würde mir noch einfallen, eventuell die Wunde tamponieren (Z-folded Gauze).

    Füsse hoch lagern + Rettungsdecke, eine weitere Jacke/Pullover als Schutz gegen die Bodenkälte


    Bei Transport & Kommunikation kommt es jetzt darauf an wie viele Personen noch dabei sind und wie "gangbar" der Weg ist.

    Wenn der Verletzte eine halbe Portion ist, dann würde ich ihn/sie zum Auto tragen und dann bis zur Telefoniemöglichkeit fahren. Wenn ich das Opfer bin dann wird der Transport für einen einzelnen schwierig. Da wäre es nur möglich nach der Erstversorgung zum Auto zu laufen und von dort zur Telefoniemöglichkeit zu fahren und den Verletzten liegen zu lassen. Und dann wieder so schnell wie möglich retour.


    Die Rettung an einer markanten Stelle, am besten bei der Bundesstraße in Empfang nehmen und lotsen kann nie schaden. Wenn es genug Leute dafür gibt ...


    Wegen nieseln mache ich mir keine Gedanken, dafür ist ja die Rettungsdecke hilfreich.

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • Mit meiner Gruppe wird das easy going :-D


    Zuerst mal: Alle lachen sich über mein Missgeschick scheckig und es werden die situationstypischen instagramm-selfies gemacht.

    (Jeder, der mit Einsatzpersonal zu tun hat, weiss was ich gerade meine *g*)


    Dann kommt doch irgendwann mal der Ernst:


    Nachdem ich mich bei Setesh gut aufgehoben fühle und er mich traumatologisch mit Schocklagerung (in dem Fall: Auf den Boden legen und ggf. das betroffene Bein hoch - je nach Blutverlust auch gleich das zweite um den Zentralen Kreislauf besser zu unterstützen), manuellem Druck und Druckverband inkl. Bereithaltung eines TQ (je nachdem, ob der Druckverband ausreicht oder nicht) versorgt, infundiert mir der zweite San (DGKP) im Team aus dem aus dem Auto geholten Notfallrucksack wohl schon mal durch den gelegten Zugang eine 500ml Infusion um einem hypovolämischen Schock vorzubeugen. Auch ein leichtes Schmerzmittel wird mir in dieser Situation bereits verabreicht werden und meine Vitalwerte (hier in dem Fall natürlich mit Fokus auf den Blutdruck) engmaschig überwacht.


    Da ich mir beim Holzhacken vom Vorgang her eher in die Innenseite des Unterschenkels hauen würde, geh ich mal davon aus, dass es eher dunkles Blut sein wird, welches aus der Wunde kam. Die vorne sitzende vordere Schienbeinarterie sitzt eher in der nach außen hin zugewandten Seite des Unterschenkels.


    Währenddessen wird sich um meine Rettung gekümmert indem gleichzeitig ein Notruf (112 wird auch sehr oft dann funktionieren, wenn das eigene Netz vermeintlich keinen Empfang hat, da es über alle Netze geroutet wird) mit GPS Koordinaten abgesetzt wird. Ein Lotse wird in Richtung Weggabelung geschickt um die Rettungskräfte entsprechend einweisen zu können, während unabhängig davon in dieser Situation wohl auch noch ein Transport meinerseits zum Auto organisiert werden würde (je nach tatsächlicher Dringlichkeit der Lage ist ein Rendevouz mit dem Rettungsdienst von vorteil).

    Eine weitere Schockbekämpfung setze ich bei meinem Team voraus. Hier in diesem Szenario geht es wohl auch um einen Hypothermischen Schock, der sich gerade bei Nieselregen auch noch einschleichen würde. Durch eine aktive Wärmedecke, die mehrere Stunden durch eine chemische Reaktion warm hält, kann ma da auch draußen einiges bewirken ;)


    Es hat so seine Vorteile, wenn die eigene Gruppe aus gut ausgebildetem medizinischem Personal besteht, welches auch zum Großteil als First Responder tätig ist und deswegen umfangreiche Notfallmedizinische Ausstattung generell im privaten PKW mitführt ;-)

    viribus unitis - acta non verba

  • schon mal durch den gelegten Zugang eine 500ml Infusion um einem hypovolämischen Schock vorzubeugen

    das nennt man SCHUMMELN :P

    Es genügt nicht, keine Meinung zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken! (Karl Kraus)

  • Liest sich beinahe wie mein eigener Plan ^^


    Und ja, jeder der irgendwie bei einer BOS arbeitet, weiß, wie unser Humor läuft 8o

    Zuerst mal ein Selfie mit dem Patienten und dann engmaschig dokumentieren, wie er/sie zaunt, wenn man den Verband anlegt, damit man ihn/sie noch Jahre später damit aufziehen kann ;)<3

    If you plan to improvise you plan to fail!

  • Ich bin immer fürs Schummeln zu haben

    Wieso dann nicht gleich säubern, zunähen, Verband, AB i.v und weiter Holz hacken? :/8o

    Ahja und Tetanus nicht vergessen ;)

    Es genügt nicht, keine Meinung zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken! (Karl Kraus)

    Einmal editiert, zuletzt von JuGeWie ()

  • das nennt man SCHUMMELN :P

    Nein: es wäre eine realistische Abbildung der Abarbeitung eines solchen Notfalles, wenn ich mit meinem "Rudel" vor Ort wäre. Wenn ich jetzt den engsten Kreis hernehme, wäre ich zu 7t unterwegs. Von diesen 7 Personen hätten wir:


    1x NFS NKV

    1x NFS

    1x DGKP (auf der größten NFA unseres Bundeslandes tätig und RS)

    2x RS

    2x keine mediznische Ausbildung über einen aktuellen EH Kurs hinaus, jedoch (Rudelbedingt) defintiv mehr Ahnung von critical bleeding und anderen relevanten Notfällen, als der Rest der Bevölkerung. Wir machen auch interne Fortbildungen diesbezüglich.


    Die von mir aufgezeigten Behandlungsmöglichkeiten bewegen sich alle innerhalb des österreichischen Gesetzes und können auch in "normalen" Zeiten so vom Personal durchgeführt und angewendet werden.


    Von den 5 Sanitätern, sind alle 5 (Zufall) in Ihrem Gemeindegebiet als First Responder tätig. Das heisst: Sie haben eine umfangreiche medizinische Ausstattung in Form eines großen Notfallrucksackes immer im PKW (das geht von Sauerstoff, über eben auch Infusionen, einige Medikamente (die NFS dürfen in Österreich auch selbstständig Medikamente gemäß der vorgegebenen Medikamentenlisten verabreichen) bis hin zum Defibrillator). Wenn wir also den minimalistischen Ansatz nehmen, dass wir zu 7t nur mit 2 Fahrzeugen unterwegs sind, hätten wir (abgesehen davon, dass die Hälfte der Fahrzeuge gut geländegängig sind) auch mindestens 2 "Rundumsorglosrücksacke" dabei - unabhängig von dem IFAK, das bei uns (natürlicherweise) eine hohe Priorität hat und selbst in Tagesrucksäcken der "nicht Sanitäter" ist.


    Liest sich beinahe wie mein eigener Plan ^^


    Und ja, jeder der irgendwie bei einer BOS arbeitet, weiß, wie unser Humor läuft 8o

    Zuerst mal ein Selfie mit dem Patienten und dann engmaschig dokumentieren, wie er/sie zaunt, wenn man den Verband anlegt, damit man ihn/sie noch Jahre später damit aufziehen kann ;)<3

    Natürlich ist hier nur der "Patient" gemeint, der selber BOS Mitglied und gut bekannt ist :-D

    Meistens wird eine klaffende Wunde, oder eine absolute Fehlstellung noch mit "Jetzt stell di nit so an - weisst noch damals als wir den einen Patienten hatten....." :-D


    Wieso dann nicht gleich säubern, zunähen, Verband, AB i.v und weiter Holz hacken? :/8o

    Ahja und Tetanus nicht vergessen ;)

    Naja so abwegig wäre es in einer SHTF Situation gar nicht. Im erweiterten Kreis hätten wir auch noch den einen oder anderen Allgemeinmediziner, oder auch einen Facharzt aufzubieten, mit denen das nicht das Problem wäre. Tetanus Status ist natürlich ein wichtiger Punkt - da die meisten aber sowieso eine lückenlose Durchimpfung durch den Gesundheitsberuf haben (müssen).

    viribus unitis - acta non verba

  • Wieso dann nicht gleich säubern, zunähen, Verband, AB i.v und weiter Holz hacken? :/8o

    Ahja und Tetanus nicht vergessen ;)

    In einer SHTF-Situation würde ich vermutlich genau das tun. Die Wundversorgung würde ich dennoch, soweit möglich, in einem sauberen Unterschlupf durchführen. Das kann auch kuschlig ins Auto gequetscht sein, da weht mir der Wind zumindest keine Blätter ins sterile Feld ^^


    Tetanus ist ein wichtiges Thema und in erster Linie finde ich, dass ein hervorragender Impfschutz sowieso auch zum Prepping gehört - damit vermeide ich, was ich vermeiden kann. Der Rest an Krankheiten kann mich eh noch vielfältig genug dahinraffen ;)

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