Informationsvermittlung oder stille Post

  • Gleich vorweg, es geht NICHT um Masern. Also in dem Beispiel schon, aber es könnte auch um irgendwas anderes gehen, Software, Metallurgie, Atomphysik oder was auch immer...

    Ich hab nur diese ARtikel zu dem Thema gelesen und mir ist aufgefallen wie eklatant der Unterschied in den Aussagen dieser zwei Beispiele ist. Die originalen Studien hab ich gar nicht gelesen, auch nicht die Abstracts, die erzählen möglicherweise nochmal was anders. Die originalen Studien erwähne ich deswegen, weil es noch wichtig ist zu wissen wie die Ergebnisse zustande gekommen sind um abschätzen zu können ob die Aussage an sich "wahr" ist oder nicht, ist hier aber nicht wichtig. Es ist für mich einfach furchtbar wie aus einer Information durch weglassen von Wörtern, die natürlich einen wesentlichen Teil zum Verständnis des ganzen beitragen, verdreht werden.


    Erkennt ihr den Unterschied?


    Zitat

    Doch wenn der typische Ausschlag der Krankheit schon verschwunden ist und das Fieber längst abgeklungen, wirkt die Infektion immer noch nach: Masern schwächen die Immunabwehr langfristig und machen Betroffene deshalb anfälliger für andere Infektionskrankheiten.

    Quelle

    vs

    Zitat

    Zwei bis drei Jahre nach dem Abheilen der Infektion ist die Inzidenz und Mortalität für opportunistische Infektionskrankheiten so stark erhöht, dass mehr als die Hälfte der Todesfälle durch Infektionskrankheiten bei Kindern auf das Konto überstandener Maserninfektionen gehen.1,2

    Quelle


    Ich bringe das deswegen hier, weil für mich Informationen als Vorbeugung sehr wichtig sind. Bei so manchen Themen wünsche ich mir, dass sie mir jemand "ausdeutscht". Wenn ich mir das so anschaue, dann möchte ich gar nicht wissen, was mir bei so anderen Sachen "geistig" durch die Lappen geht.

    Es genügt nicht, keine Meinung zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken! (Karl Kraus)

  • Ich finde, dass sich diese zwei Zitate in keinem Punkt widersprechen. Im ersten wird über die Krankheit selbst und mögliche Spätfolgen, im zweiten nur über die Spätfolgen berichtet.

    Es hängt halt immer davon ab, in welchem Kontext die Berichte zu verstehen sind. Handelt es sich um allgemeine Berichte (also für die breite Masse) oder um Beiträge in Fachjournalen (also für Leute mit Vorkenntnissen)? Das ist halt bei der Internetrecherche nicht immer so leicht herauszufinden, wer macht sich schon die Mühe, sich auch über das Medium an sich zu informieren, wenn man einen Text findet. Mit Aussagen zu Studien bin ich immer vorsichtig, da macht es schon Sinn sich zumindest den Abstract durchzulesen, um herauszufinden, was eigentlich die Intention der Studie war. Oft spiegelt sich diese in der Berichterstattung nicht wider. Und was dann beim Leser hängen bleibt ist oft nicht das, was mit der Studie bezweckt werden sollte.

  • Also ich sehe schon einen deutlichen Unterschied bei den Texten.


    Zitat

    Doch wenn der typische Ausschlag der Krankheit schon verschwunden ist und das Fieber längst abgeklungen, wirkt die Infektion immer noch nach: Masern schwächen die Immunabwehr langfristig und machen Betroffene deshalb anfälliger für andere Infektionskrankheiten.


    Klingt für mich eher harmlos. Wenn die Krankheit vorbei ist, dann bekommt man halt leichter einen Schnupfen oder eine Grippe.


    Zitat

    Zwei bis drei Jahre nach dem Abheilen der Infektion ist die Inzidenz und Mortalität für opportunistische Infektionskrankheiten so stark erhöht, dass mehr als die Hälfte der Todesfälle durch Infektionskrankheiten bei Kindern auf das Konto überstandener Maserninfektionen gehen.


    Das ist deutlich heftiger. Die Hälfte der Kinder die nach Masern eine Grippe bekommen stirbt.

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • "Zwei bis drei Jahre nach dem Abheilen der Infektion ist die Inzidenz und Mortalität für opportunistische Infektionskrankheiten so stark erhöht, dass mehr als die Hälfte der Todesfälle durch Infektionskrankheiten bei Kindern auf das Konto überstandener Maserninfektionen gehen."


    Also so lese ich das nicht.

    Es stirbt nicht die Hälfte der Kinder die nach Masern eine Grippe bekommen.

    Diejenigen die an einer Infektion sterben, hatten zu 50% zuvor Masern.


    Wenn also z.B. von 100 Kindern die Masern hatten, danach eine andere Infektion bekommen und daran sterben (wie viele ist nicht bekannt) davon hatten 50% zuvor Masern.

    Sollten von den 100 z.B. 10 sterben, dann hatten bis zu 5 zuvor Masern.


    Wenn von 100 wirklich 50 danach an Infektionen sterben würden, hätten wir kein "Problem" mit der Überbevölkerung. Das wäre eine menschliche Katastrophe und Masern wären ein fast Todesurteil.

    Never argue with an idiot, they drag you down to their level and beat you with experience.

  • Der erste Beitrag ist vom Spiegel, der zweite von MedOnline, also zwei Medien mit unterschiedlichen Zielgruppen!

    Dadurch ergibt sich auch eine andere Sprache und Wirkung.

    Hier soll es ja eigentlich nicht umMasern gehen, aber ich möchte das dennoch ausführen:

    Jetzt kann man natürlich Spiegel vorwerfen, Masern zu verharmlosen, aber man vergleicht hier ja nur einen Beitrag mit einem anderen.

    In der Bevölkerung hat sich durch die hohe Durchimpfungsrate die Meinung durchgesetzt, dass Masern ganz harmlos sind, was aber definitiv nicht der Realität entspricht. Wir sind nur durch die Herdenimmunität nicht mehr mit dramatischen Berichten konfrontiert, dass dann solche Berichte wie in MedOnline als hart und schockierend empfunden bzw. der des Spiegel als verharmlosend. Dabei sind beide nur für ein unterschiedliches Publikum gedacht.

    Der Spiegelbericht endet mit den Auswirkungen bei der Möglichkeit von Komplikationen, der Fachartikel in MedOnline geht auf diese im speziellen ein.