Fahren mit Altöl

  • inspiriert durch den thread "Lagerung von Treibstoff " kam mir die Frage... kann man mit altöl theoretisch fahren? Also ohne dass das Auto extra umgerüstet wurde, so im shtf wenn eh nix mehr geht und egal ist dass das Auto leidet wenn man nur ein relevantes Stück dadurch weiter kommt. Und geht das nur bei dieselautos oder möglicherweise auch bei Benzinern? Oder gar nicht?

  • Mit Altöl kann man nur mit Dieselautos fahren, bei Benzinern klappt das (verbrennungstechnisch) nicht. Aber es nicht so einfach wie es klingt. Bei den aktuellen, modernen Dieselmotoren muss man einiges machen um das ÖL zu nutzen. Falls es überhaupt klappt. Bei einem alten Vorkammerdiesel reicht es wenn die Brösel aus der Fritteuse gefiltert werden. Mitte der 90er kannte ich ein Ehepaar in Korneuburg, die hatten einen Mazda 323 Diesel Kombi. Und in der Garage stank es immer nach Friteuse. Die sind damals schon mit altem Frittieröl gefahren. Damals konnte man das ja noch einfach abholen (meistens gratis, manchmal gab es sogar Geld dafür), aktuell ist das alte Frittieröl Sondermüll und muss gegen teueres Geld von Spezialfirmen ordnungsgemäss entsorgt werden.

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • Ben

    Hat den Titel des Themas von „Fahren mit altöl“ zu „Fahren mit Altöl“ geändert.
  • Geht nicht, gibt es nicht.

    8-Tung! Ist nicht ganz Gesetzeskonform, aber gut zu Wissen.


    Zuerst muss man das Frittenöl filtrieren, filtrieren und nochmals filtrieren, immer mit feiner werdenden Sieben (Schweinearbeit und stinkt bestialisch).

    Bis alles schön klar ist.

    Anschliessend / dazu braucht man ein altes Vorkammerdiesel-Fahrzeug. Wenn man sich damit nicht so gut auskennt sind es grob gesagt die, die keinen Turbo haben. Mit oder ohne Kat ist egal. Der geht eh nach ein paar 10T-Km. flöten.

    Dann braucht es eine elektrische "Dieselheizung" die um die Kraftstoffleitung gewickelt wird. Sie hat die Aufgabe, das Frittenöl auf Temperatur zu bringen um es möglichst dünnflüssig zu halten bevor es im Motor verbrannt wird.

    Der wird Russen, Stinken, widerwillig Anspringen und keine Superfahrleistungen erbringen, aber fahren wird er.

    Ob sich das schlussendlich rentiert lasse ich mal einfach im Raum stehen.

    Für so einen Umbau, wird es heutzutags sicherlich keine Plakkette geben.


    Da würde ich in einem Notfall (alle Tankstellen geschlossen) auf Heizungsöl zurückgreifen.

    Das vertragen die neuen Dieselmotoren kurzfristig ohne grosse Probleme.

    Dem Heizungsöl fehlen halt ein paar Additive, die der Diesel drin hat.


    Heizungsöl ist Diesel. Wird nur anderst versteuert.


    Heizungsöl wird vor dem Verkauf in der Raffinerie rot eingefärbt. Diesel nicht. So erkennt man schnell was, was ist.


    Gruss an alle LKW- Fahrer!:saint:

  • UNG UNG UNG UNG UNG UNG UNG UNG die zweite: Diesel ist NICHT gleich Heizöl!


    Diesel enthält Additive, die die Zündwilligkeit einstellen (Cetanzahl), die Startfähigkeit bei tiefen Temperaturen beeinflusst und vor allem: Selbst schwefelarmes Heizöl hat deutlich mehr Schwefel als Diesel.

    Dazu kommt noch, dass Diesel generell ein "reineres" Produkt ist - die enthaltenen Kohlenwasserstoffverbindungen sind deutlich weniger breit gestreut als beim Heizöl EL.

    Common Rail Diesel kommen damit idR gar nicht gut klar. Ältere Diesel verkokeln (weil die Verbrennung nicht so sauber ist) relativ rasch. Die bei der Verbrennung entstehende Schwefelige Säure korrodiert alles womit sie in Verbindung kommt (muss mit einem speziellen Motoröl mit Basenreserve bzw. Alkalireserve gekontert werden).


    Kurz: Um im Notfall von A nach B zu kommen, kann ein älterer Diesel schonmal mit Heizöl betrieben werden.

    Wer hingegen vor hat, länger damit herumzufahren sollte das (nicht nur aufgrund der Strafbarkeit) seeeehr gut überlegen.

    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. (Konrad Adenauer)

  • Mir geht es ja nur wirklich um "Weltuntergang" wo eigentlich egal ist wenn das Auto danach hinüber ist. So rein um die Theorie und nicht um die Sinnhaftigkeit


    Danke

  • Der Hr. Diesel war ein sehr fortschrittlicher Mensch, der eigentlich bewußt nach Alternativen zu herkömmlichen Kraftstoffen suchte.

    (Inklusive der Verbrennungsmotorik dahinter, was ja nun eigentlich die komplexere Sache ist.)

    Ein Gemisch erschien sich letztlich als erfolgreich, welches heute in doch veränderter Form aber noch immer, so angeboten wird.


    Und genau das ist der Tipp zur Eingangsfrage: "Mischen".

    Also Pflanzenöle mit Diesel mischen.

    Natürlich kann man auch nach Abänderung bzw. mit älteren Dieselfahrzeugen auch mit Heizöl oder Frittenfett fahren.

    Bwz. eben Pflanzenöle.

    Sinnvoll ist es aber diese mit herkömmlichen Diesel zu mischen.

  • Diesel ist NICHT gleich Heizöl

    Ach.. Was ist es denn sonst? Ach stimmt! Beim Diesel sind die höheren Steuern fällig. Dann ist es sicherlich total etwas anderes..

    Oder es sind die ominösen Additive, die das Heizöl nicht drin hat? Man kann, wenn man sie unbedingt drin haben will, einfach zukaufen.

    Dann ist man sicher auf der sicheren Seite.

    Onkel Googi hilft gerne dabei.

    Für ein paar Tausend Kilometer passiert dem Motor überhaupt nix wenn er mit Heizöl betrieben wird.

    Jaa ich hab es bei meinem Punto TD mal reinkippen müssen. Fast 2000 Km. bin ich damit herumgefahren, weil in Italien die Tankwarte wiedermal am Streiken waren.

    Nicht alles was in Wikipedia steht ist auch auf/im Interesse des Anwenders ausgerichtet. Wikipedia würde sonst vom Väterchen Staat abgemahnt werden, falls aufs mal irgendjemand auf die Idee kommt ihn zu Prellen.

  • Meines Wissens nach ist deswegen das Heizöl auch eingefärbt, damit man eine Kontrollmöglichkeiten gegen Steuerbetrug durch Heizöltanken hat.

  • Hmm. Die Frage nach dem "was denn sonst" würde das sinnerfassende Lesen meines Beitrages beantworten.


    Früher mal waren sich Diesel und Heizöl tatsächlich sehr ähnlich. Dies hat sich mittlerweile allerdings geändert. Insofern ist deine Anekdote sicher korrekt, aber zumindest für moderne Fahrzeuge irrelevant.

    Und - wie ich auch geschrieben habe - gerade für ältere Modelle ist Heizöl sicher nicht der sofortige Tod. Es geht also durchaus.


    Dennoch bleibe ich bei meiner Aussage: Diesel ist nicht dasselbe wie Heizöl!


    Da meine Laienmeinung aber vermutlich zu wenig Autorität hat, hier exemplareisch zwei Teilzitate aus externen Quellen:


    Diesel und Heizöl waren lange Jahre chemisch nahezu identisch. Seit rund zwei Jahrzehnten wachsen jedoch die Qualitätsunterschiede – so hat Heizöl beispielsweise einen deutlich höheren Schwefelanteil. Moderne Motoren mit ihren aufwändigen Abgasreinigungssystemen vertragen den Stoff nicht und würden Schaden leiden. Zudem gibt es für Heizöl keine Mindestanforderungen bzgl. der Cetanzahl (beschreibt die Zündwilligkeit des Kraftstoffs) , wodurch es zu starkem Nageln und Rußausstoß kommen könnte


    und:


    Dieselkraftstoff ist von seiner Zusammensetzung her dem leichten Heizöl ähnlich (heute allerdings weniger als früher).

    ...

    Technisch gesehen wäre es früher relativ problemlos gewesen, Heizöl statt Dieselkraftstoff zu verwenden. Inzwischen sind die Unterschiede von Dieselkraftstoff und Heizöl allerdings wesentlich größer geworden:

    • Dieselkraftstoff wird mit diversen Additiven für den Motoreneinsatz optimiert, z. B. kleine Mengen von Amylnitrat oder Ethyl-Hexyl-Nitrat (EHN) für eine ausreichend hohe Zündwilligkeit (Cetanzahl). Außerdem verwendet man Detergentien zum Sauberhalten von Einspritzdüsen, Fließverbesserer für die Betriebssicherheit bei niedrigen Umgebungstemperaturen und die Ermöglichung höherer Gehalte paraffinischer Komponenten mit hoher Cetanzahl, schmierende Substanzen zur Verringerung des Verschleißes von Einspritzpumpen, Silikonöle zur Unterdrückung der Schaumbildung beim Tanken und weitere Stoffe für den Korrosionsschutz im Kraftstoffsystem und bei der Lagerung.
    • Der Anteil schwerer Kohlenwasserstoffe ist für Dieselkraftstoffe begrenzt, weil sie stark zur Rußbildung beitragen.
    • Der Schwefelanteil ist ebenfalls viel strenger begrenzt als bei Heizöl. Seit 2009 sind in der EU nur noch 10 ppm (d. h. 10 mg pro kg Kraftstoff) erlaubt, weswegen die Schwefeldioxid-Emissionen von Dieselfahrzeugen ökologisch praktisch nicht mehr ins Gewicht fallen. (Selbst schwefelarmes Heizöl darf noch bis zu 50 ppm Schwefel enthalten, also fünfmal mehr.) Auch der Partikelausstoß ist bei schwefelfreiem Kraftstoff geringer, und der Einsatz von sogenannten SCR-Katalysatoren zur Verminderung der Stickoxidemissionen setzt ebenfalls praktisch schwefelfreien Kraftstoff voraus. Allerdings erfordert dies zusätzliche Additive, um den Verschleiß von Einspritzpumpen (die von der Schmierwirkung des Schwefelgehalts profitiert haben) zu reduzieren.

    Aus diesen Gründen können bei Verwendung von Heizöl in einem Dieselmotor die Abgaswerte wesentlich verschlechtert und sogar Motorschäden verursacht werden. Insbesondere werden auch nachgeschaltete Abgasreinigungssysteme wie Abgaskatalysatoren gefährdet.


    Soweit zu den technischen Unterschieden.

    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. (Konrad Adenauer)