Einen Himmelsteich zur Wassergewinnung anlegen

  • Ich habe darüber gelesen, dass früher Himmelsteiche angelegt wurden, die in wasserarmen Gegenden als Viehtränken genutzt wurden. Sie sollen trotz abendlicher verbrauchter Leere, morgens immer wieder mit Wasser gefüllt sein.

    Man gräbt eine Kuhle aus, die mehrere Meter breit ist. Stroh wird auf dem Boden aufgebracht. Darüber kommt dann gut durchgekneteten Lehm, der d i c h t verschmiert wird, so das kein Wasser durchdringen kann.
    Die Lehmschicht muss unbedingt bis zum Rand hochgezogen und komplett verschmiert werden.
    Auf dem Grund größere Steine aufbringen und darauf achten das die Lehmschicht nicht beschädigt wird.

    Funktionsprinzip: das Stroh isoliert den Teich nach unten, die Steine auf dem Teichgrund werden von der Tagessonne/-wärme aufgeheizt, die abkühlende Abend/Nachtluft schlägt sich auf den Steinen nieder und sammelt sich im Teich.

    Man muß nur daruf achten das die Lehmschicht nicht durchstoßen wird,dadurch wird die Strohisolierung durchnässt und das Prinzip funktioniert nicht mehr, reparieren ist nicht möglich, der Teich müßte dann komplett neu aufgebaut werden.

    Diese Himmelsteiche wurden bis zum 2.Weltkrieg in Schleswig Holstein und Jüdland genutzt, um das Vieh zu tränken. Wie so vieles, ging dieses Wissen fast verloren.

  • Interessant... Das sollte wohl mit einer wasserdichten Plane auch klappen - kommt mir (vorausgesetzt, man hat eine solche Plane) etwas einfacher und robuster vor als mit Lehm. Gerade wenn Vieh da zum Trinken hingeht, durchstoßen die doch mit den Hufen den dichten Lehmboden?

    Freilich muss dafür die Luftfeuchtigkeit erheblich sein, in einer Trockenperiode wirds vermutlich zu wenig Kondensation dafür geben. Überhaupt kann ich mir schwer vorstellen, dass so genug Kondenswasser für eine Viehtränke entsteht. Aber wenn es früher tatsächlich so gemacht wurde, dann wird es wohl funktionieren.

  • Für mich war ein Himmelsteich immer ein Gewässer das keinen natürlich Zufluss hat. Kein Bach oder Quelle sondern Regen oder Grundwasser speisen den Teich. Diese Variante kannte ich noch nicht
    Eigentlich eine interessante Idee über die Steine Kondenswasser zu gewinnen. Nur die Menge kann ich mir schwer vorstellen, eine Kuh braucht ca. 80 Liter je Tag. Und bei 22.5 Grad und 50 % Luftfeuchtigkeit sind ca. 10 g Wasser je Kubikmeter vorhanden, d.h. für einen Liter Wasser benötige ich 100 Kubikmeter Luft ...

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • Bei der Menge würde ich mir auch Sorgen machen: Es kann (in meiner Logik) eigentlich ja nicht wesentlich mehr Wasser aus der Luft kondensieren (Nacht) als tagsüber dann wieder verdunstet. Zumindest nicht in unseren Breiten. Oder steh ich da gerade auf der Leitung?

    Den Begriff "Himmelsteich" kenn ich auch nur als eine Wasserstelle, die keinen natürlichen Zufluss hat und die sich auf Grund von Regenwasser und einem dichten Untergrund gebildet hat. Groß genug werden die jedoch nur, wenn das Regenwasser einer größeren Fläche dort zusammenrinnt.

    viribus unitis - acta non verba

  • Ein Himmelsteich ist NUR ein Sammelbecken für Niederschlag - also Regenwasser, das sich in einer Mulde sammelt (wie es von den anliegenden Hängen runter rinnt).
    Kondensation spielt dabei keine Rolle.

  • @Elamaus

    Zitat von Elamaus im Beitrag #1
    die Steine auf dem Teichgrund werden von der Tagessonne/-wärme aufgeheizt, die abkühlende Abend/Nachtluft schlägt sich auf den Steinen nieder und sammelt sich im Teich.


    Nach den Gesetzen der Thermodynamik kondensiert kalte Luft nicht an einem Warmen Stein.



    Als Beispiel für zuhause zum nachmachen:


    Eine warme Dose in den Kühlschrank stellen oder eine kalte Dose aus dem Kühlschrank in die Hitze stellen. Bei einem Vorgang kondensiert was, beim anderem genau nicht.

  • ich hab dann mal gesucht, wo ich den alten Bericht habe. Ich zitiere hier mal aus der Zeitschrift Natürlich Gärtnern

    Was ist ein Himmelsteich?
    Wer weiß es noch? Jedes Kind müsste antworten können - vor allem oben an unseren Küsten, im Lande zwischen den Meeren. Aber nicht einmal die Alten erinnern sich. Sogar das Lexikon schweigt. Die Jahre werden immer heißer und viele Quellen sind versiegt. Der Quell uralten Volkswissens brauchte nicht dabei zu sein, denn es könnte manchem Bauern helfen, sein Vieh mit Trinkwasser zu versorgen (und dabei auch etwas für die bedrohten Pflanzen und Tiere tun).

    Himmelsteiche ziehen - wie Magier auf der Bühne - Wasser aus der Luft. Ohne Apparat und... ja den doppelten Boden. Schnell das Rezept:
    Eine flache Mulde, nicht zu groß und nicht zu tief - drei Meter Durchmesser sollten für den Anfang genügen - eine flache Mulde wird mit trockenem Stroh oder krachdürrem Schilf dick ausgepolstert und dann mit einer Tonschicht überzogen, die zehn bis zwanzig Zentimeter dick sein kann und an den Rändern sehr gut schließen muss.

    Das ist alles! Nun braucht man nur noch zu warten. Wenn der Platz richtig gewählt ist, füllt sich die Mulde allmählich mit Wasser, auch bei schönstem Wetter, ohne Zufluss, ohne Regen: Sie zeigt das Wasser aus der Luft - den kühlen Nachttau und die Feuchtigkeit der frühen Nebel.

    Und sie wird nimmer leer! Woran man erkennen mag: Moderne Technik ist gut. Aber manchmal, wenn kein Wasser da ist, nützt es wenig, den Klempner zu rufen. Manchmal ist es besser, den eigenen Verstand oder - wie hier - den Verstand der Väter walten zu lassen. Bei Eiderstedt (Schleswig Holstein) in der Marsch soll es noch heute solche Himmelsteiche geben. Waterkuhlen sagen die Bauern, die das Geheimnis nicht mehr kennen.
    Ich habe keinen dieser Teiche gesehen. Aber die Heimatforscher wissen sie zu finden. Die alten Lehrer. Die Volkskunde. Auch die Rutengänger.

    Man kann aus ihnen Wasser schöpfen für das Vieh, sie können an heißen Tagen durch Verdunstung fast austrocknen - aber sie werden am nächsten Morgen immer wieder voll sein, auch wenn inzwischen kein Regen gefallen ist. Das trockene Stroh unter der Tonschicht ist ein schlechter Wärmeleiter. Der Boden ringsum wird tagsüber von der Sonne durchheizt. Aber der Teichgrund bleibt kühl - schon infolge der Verdunstungskälte der feuchten Tonschicht - und er zieht in der -Nacht von weither alle Feuchtigkeit heran. Er beschlägt!

    Ein paar Kniffe sind wichtig:
    Der Teich braucht einen breiten festen Rand. Und für die Tonschicht soll nur ausgesuchter, gut durchgekneteter Ton verwendet werden, der am Muldenrand gut schließt. Zuletzt bedeckt man den Tongrund dicht mit nicht zu großen runden Steinen. Es passt wohl zur Magie dieser Teiche, dass ein kleines Missgeschick genügt, den Zauber zu zerstören: wird die Tonschicht verletzt und das Strohpolster feucht, zieht der Teich kein Wasser mehr!

    Der deutsche Zoologe und Ökologe August Thienermann schätzte das Alter der größeren schleswig-holsteinischen Himmelsteiche auf 1.100 Jahre. Einer dieser Teiche war bei 19 Meter Durchmesser über mannstief und fasste rund tausend Kubikmeter Wasser. Daneben gab es und gibt es wohl noch eine Reihe erkennbare Urteiche, von denen einige schon der Jungsteinzeit entstanden sein sollen.

    Das klingt unglaublich. Aber die Kunst, Wasser aus der Luft zu ziehen und die Natur in trockenen Jahren zu überlisten, war nie auf Jütland allein beschränkt. Vor einigen Wochen erst las man einen Bericht über Lanzarote, einer der Kanarischen Inseln, die über und über mit vulkanischen Staub bedeckt ist und von den Passatwinden völlig ausgetrocknet wird. Obwohl dort manchmal drei Jahre kein Regen fällt, ernten die Insulaner aus üppig wuchernden Gärten die herrlichsten Trauben, Feigen und Tomaten - weil sie nach dem gleichen Prinzip den fruchtbaren Lavastaub mit poröser Schlacke bedecken und dem Seewind damit nachts den Tau entziehen. Wer will sagen, von wem die Kunst ursprünglich ausgegangen ist - um die halbe oder ganze Welt? Und ist es nicht tröstlich zu wissen, dass - wo die moderne Technik vor der Natur kapitulieren muss - Urväterwissen noch Rat schaffen kann?

  • Ach ja, das Vieh wurde nicht hineingetrieben, sondern das Wasser wurde geschöpft für das Vieh. Damit die empfindliche Tonschicht nicht zerstörte.

    Ich finde die Idee genial. Zumal wir in 10 Jahren wegen des trockenen 2018 arge Grundwasserprobleme bekommen. Unsere Brunnen könnten erschöpfen. Dann wäre das eine geniale Alternative, für alle, die ein paar qm auf ihren Grundstück entbehren können. Ton kann man tonnenweise kaufen.

  • Lasst uns doch gemeinsam unseren Horizont erweitern und nicht mit Wiki Ideen kaputt machen.

    Sollte es langfristig zur Wasserarmut kommen, dann können uns solche alten Techniken helfen.

    Gibt es jemanden, der Verwandte hat, die uns mit weiteren Informationen zum Thema berichten können? Oder alte Dokumente oder ein Himmelsteich in der Nachbarschaft?

    Mein Nachbar, ein Landwirt erinnert sich von seinen Grosseltern, dass es solch einen Teich hier in der Wingst gegeben habe. Er hat aber keine helfenden Infos dazu. Auch weiss niemand, wo der Teich gewesen sein könnte.

  • Also schmeißen wir die elementare Physik aus dem Fenster und unsere Horizonte zusammen....

    So einen "Himmelsteich" gibt es auch in Sigiriya (Sri Lanka). Das ist eine historische Ruinenstätte. Dort ist er allerdings aus Granit. Die Speisung erfolgt durch den Monsun, vermutlich.

    Anscheinend kommt es also nicht so sehr drauf an aus was diese Becken gemacht sind. Wie das Wasser da reinkommt, außer durch Regen, .... *achselzuck*

    Es kommt immer anders, wenn man denkt!

  • Ich steh ja auch eher auf erklärbare Naturwissenschaft :-)

    Aber mal ganz abgesehen davon: Ein Gewässer ohne Zu- und Ablauf als Wasserquelle zu nutzen ist für mich per se schon einmal fragwürdig. Auf allen Bildern, die mir die Googlesuche zu dem Thema ausgespuckt hat, sind schön braun-grün-schleimige Biotope/Tümpel zu sehen (übrigens auch alle durch Regen oder Grundwasser als "zulauf" - keine Massenkondensation).

    Ich persönlich würde das definitiv für mich als allerallerallerletzte Möglichkeit in Betracht ziehen, da das ein Hort für sämtliches biologisches Gekreuch und Gefleuch ist, welches ich gerade ohne die Möglichkeit auf eine medizinische Maximalversorgung definitiv nicht in meinem Körper haben möchte.

    viribus unitis - acta non verba

  • Himmelsteich Wasser nicht unbedingt für mich, aber für meinen Garten wäre das schon nicht schlecht.
    Jede Möglichkeit Wasser zu sammeln wird in Zukunft wichtig sein. (Vor allem für die die einen Garten haben.)
    Wobei ich zu bedenken geben, dass bei einem Teich auch viel wieder verdunstet.
    So ein Teich müsste also in eine Zisterne münden in der das Wasser, das der Teich auffängt, gespeichert wird.
    Ich fange bei mir so das gesamte Dachwasser auf.
    Außerdem sind in einer Zisterne weit weniger biologisches Gekreuch und Gefleuch als in einem offenen Teich.

    bG
    Norbert

    Gut vorbereitet läuft alles besser

  • Eine Regenwasserzisterne für das gesamte Regenwasser vom Hausdach haben wir auch. Komplett unterirdisch mit einem festen Leierbrunnen im Garten. Perfekt für diesen Zweck :-)

    viribus unitis - acta non verba

  • Ich glaube Regenwasserzisternen sind nicht so mythisch und viel praktikabler, schon allein vom Platzbedarf her. Das ist doch eine gute Idee um den Trinkwasserverbrauch zu senken.

    @menatarms100 @Scavenger

    Habt ihr die selbst gebaut oder ein System gekauft?

    Es kommt immer anders, wenn man denkt!

  • Selbst gebaut im Zuge des Hausbaues damals. Ist nichts großartiges: ein unterirdischer Raum in den alle Dachabwässer einlaufen und langsam (Betonung auf LANGSAM) absickern *g*

    viribus unitis - acta non verba

  • Bei mir war es eine alte Senkgrube (nur 3 Monate in Betrieb bevor der Kanalanschluss erfolgte.
    Hab sie gereinigt und abgedichtet.
    Gieße meinen gesamten Garten damit.

    bg
    Norbert

    Gut vorbereitet läuft alles besser