Anbau von alten Getreidesorten

  • Da wir ja einen Biohof haben, machen wir uns immer Gedanken, was wir noch so anbauen können, das uns in der Krise weiterhilft. Wir haben uns jetzt für alte Getreidesorten entschieden. Wir bauen heuer Mal Amaranth, Poppgerste, Hirse und versuchsweise Reis im Wasserbecken an. Mit dem Hintergedanken, da unser Grundstück von allen Seiten frei zugänglich ist, dass die meisten Leute, diese nicht kennen und somit uns nicht beklauen. Bei uns ist der Spruch, was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht, noch Standard. Ebenfalls ist es ein spannendes Projekt, vor allem was unsere Kundschaft dazu sagt und ob sie das Getreide überhaupt erkennen.

  • Wir liebäugeln auch ständig mit dem Anbau von (alternativen) Getreidesorten. Anbauen dürfte noch relativ einfach sein, bei der Ernte wirds bereits schwierig. Ist wohl viel mit Handarbeit verbunden (so wie früher, Sensen, zu Garben binden, heim bringen, dreschen mit Dreschflegel, Spreu vom Weizen trennen etc.)
    Das Hauptthema ist aber die Lagerung: wie bringt man Getreide durchs Jahr, OHNE Konservierungsmittel? Mäuse, Schimmel und andere Pilze, Schadinsekten... War früher auch ein riesen Ding! Die Kornkammer oder zumindest die Korntruhe mußte ständig überprüft werden.
    Und zuletzt: wie wird aus dem Korn Mehl? Handmühle? Früher gab es überall Mühlen, wo man das Korn hinbringen konnte... Aber heute?

    Aus Selbstversorgersicht haben wir bisher keine Gesamtlösung für Getreide. Wir rechnen eher im Falle des Falles mit "brotlosen" Zeiten.
    Als Grundversorgung eignen sich wesentlich einfacher Kartoffel, Rüben und Mais (plus Kraut, Zwiebel, Winterkohlarten etc.)

    Amaranth, Gerste, Hirse und Reis sind aber eh vor allem als direkte Nahrung geeignet - oder macht man daraus auch Brot? Und wie macht ihr das mit der Lagerung?

  • Waldstaudekorn

    Zitat
    Das Waldstaudekorn (auch Johannisroggen genannt) wird traditionell an Johanni (24. Juni) angebaut. Fälschlich oft als „Urroggen“ bezeichnet, zählt es zu einer Varietät des Kulturroggens. Die Bezeichnung Staude beruht auf der zweijährigen Nutzung. Als überjähriger Roggen wurde das junge Getreidegras im Herbst beweidet oder gemäht und im Folgejahr als Korn beerntet. Die prägende Namensgebung „Wald“ stammt von der Kulturfolge nach der Brandrodung. Da die Brandrodung in der Regel nur für kleinere Waldbereiche durchgeführt wurde, standen die ersten Johannisroggenpflanzen auf Lichtungen im Wald.


    Das Waldstaudekorn wird heute einerseits als Wildweide in Waldgebieten und andererseits wieder vermehrt als Spezialgetreide für die Ernährung angebaut. Im Anbau zeichnet es sich durch Anspruchslosigkeit, hohen Bestockungsgrad, große Wuchshöhe und Kleinkörnigkeit aus. Die Ähren werden von bis über drei Meter hohen Halmen getragen. An den bis zu 20 cm langen Ähren sitzen sehr kleine Körner. Aufgrund der geringen Korngröße ist der Anteil an Kleie und Keimling überproportional hoch. Daher verfügt das Waldstaudekorn über wesentlich mehr wertvolle Vitamine und Mineralstoffe als großkörnige Roggensorten.



    https://www.energieleben.at/rare-sorte-d...ldstaudekorn-2/
    http://www.der-biene-zuliebe.at/info_des...-voll-im-trend/



    Was aber nicht den beträchtlichen Arbeits Aufwand von Korn/Getreide löst.

  • In Ö gibt es einen Hof, der Reis in der Trokenvariante anbaut.
    https://www.oesterreis.at
    Wir lagern unseren Getreidevorrat in großen Blech-Hobos.
    Das wird vorher in der Tiefkühltruhe gelagert (Schadinsektentod), danch nachgetrocknet (im Dörrofen) und mit Salz unter Sauerstoffreduktion (Teelichter) in die Dose verfrachtet.
    Wir lagern es so über mehrere Jahre Problemlos (auch den gekauften Reis).

    Zum Avatar wäre nur zu sagen - lang ist's her

  • Es hat schon einen Sinn, dass "Alte Getreidesorten" von unseren Bauern / Mühlen ausgemustert worden sind.
    Es liegt nicht mal an der "Ausbeute" pro Hektare, sondern meistens an der unterirdischen Qualität vom Getreide / Mehl nach der Ernte. Anfälligkeit auf Getreidekrankheiten ist auch so ein Thema. Da muss man sogar noch mehr Spritzen.
    Es kommt vom Korn selber, nicht von "irgendwelchanderen" Einflüssen.

    Dinkel zum Beispiel. (Ist gerade IN)
    Wenn man da etwas gescheites an Brot erreichen will, muss man "Nachhelfen". Macht die Mühle schon für den Bäcker zum Beispiel. Weil die Nachfrage vom Bäcker da ist und sie auch natürlich mitverdienen wollen.
    Ein Bäcker würde es nie Deklarieren er kriegt es ja Fixfertig.. und bei gewissen Zusatzmitteln muss er es auch nicht. Wird von den Lebensmittlern auch nicht soo genau verlangt (Deklaration). Die wissen es ja auch das sonst der Kunde nicht kauft..
    Wenn es der Branche nicht gut geht, geht es ihnen dann auch nicht mehr gut.

    Der Kunde denkt: Dinkel.. Gesund.. Urkorn.. Verknüpft es sogar mit BIO.. Wenn er Wüsste..

  • Wobei das Thema "Ausbeute" bei alten Getreidesorten ja auch ein Thema war. Vor 1.000 Jahren hat eine Ähre gerade mal im Schnitt vier Körner hervorgebracht. D.h., man musste ein Viertel der Ernte als Saatgut zur Seite legen! Heute liegt der Faktor bei etwa 1:12, wenn mich mein Gedächtnis nicht trübt...

    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. (Konrad Adenauer)

  • Zitat von Fluid im Beitrag #7
    Könnte.. Darf ich aber nicht. Mein Job ist mir wichtiger.

    Naja in Zeiten wie diesen ist sicherlich Vorsicht geboten.



    Mein Lieblingsbrot wird in etwa so deklariert:



    Bio-Roggenbrot

    Wer Weizen nicht oder schlecht verträgt, muss auf Brot verzichten? Sicher nicht! Genau dafür gibt es Alternativen ohne Weizen aus unserer Backstube. Das Bio-Roggen-Pur Brot ist eine von ihnen. Was es ausmacht, sagt eigentlich schon der Name: darin steckt purer Bio-Roggen und sonst (fast) gar nichts. Fast? Nun, Spuren von Weizen lassen sich selbst bei größter Vorsicht nicht zur Gänze vermeiden. Schon allein dadurch, dass in unserer Backstube auch Weizenmehl verarbeitet wird, das sich durch die Luft verteilen kann. In der Regel sind diese Spuren aber so gering, dass sie keine Beeinträchtigung darstellen.
    Was hingegen ganz bestimmt darin steckt, ist der volle Geschmack des Roggens. Dank ihm bleibt dieses Brot auch besonders lange saftig und schmeckt selbst nach Tagen wie frisch gebacken.

    Zutaten

    ROGGENMEHL*, Wasser, ROGGENSAUER­TEIG*, ROGGENVOLLKORNSAUERTEIG* getrocknet, jodiertes Salz (Speisesalz, Kaliumjodid), Backhefe * alle Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs aus kontrolliert biologischem Anbau
    Unsere Produkte können Spuren von Gluten, Milch, Ei, Soja, Sesam, Senf, Lupinen, Erdnüssen, Schalenfrüchten, Sulfiten und Sellerie enthalten.

    Rein geschmacklich und was die Haltbarkeit angeht stimmt das mit meinen Wahrnehmungen überein, ich bin mit dem Brot sehr zufrieden.



    Glaubst du jetzt da ist noch eine ganze Latte Mehlbehandlungsmittel drin? Ohne dass die deklarieren müssen???



    LG


    PP

  • Bitte wieso soll man aus Dinkel kein gescheites Brot backen können? In Handarbeit gelingt es problemlos ohne obskure Zusätze.

    Alte Sorten sind auch nicht unbedingt anfälliger für Krankheiten, es sind nur unsere Anbaumethoden auf die modernen Sorten ausgelegt, genau wie die Verarbeitung. Wer auf armem Boden ohne Kunstdünger und Pestizide versucht modernen Weizen anzubauen wird Pech haben. Amaranth ist zb wesentlich trockenheitsresistenter als was bei uns normalerweise am Acker landet. Generell sollte der Ertrag auch nicht zu einseitig betrachtet werden. Nur weil die geerntete Menge geringer ist, kann es dennoch sinnvoll sein auf althergebrachte Sorten zurückzugreifen, weil die Närstoffdichte ganz einfach höher liegt, bzw einfach nicht hauptsächlich Stärke geerntet wird.

    [team] Wenn wir unsere Waffen zu Pflugscharen verarbeiten, werden wir irgendwann für die pflügen, die das nicht gemacht haben.

  • Zitat von paperprepper im Beitrag #9
    Unsere Produkte können Spuren von Gluten, Milch, Ei, Soja, Sesam, Senf, Lupinen, Erdnüssen, Schalenfrüchten, Sulfiten und Sellerie enthalten.



    Mach dir mal ein paar Gedanken über diesen Satz..


    Kann (Hat es garantiert)


    Gluten (Für was wird wieder Gluten verwendet?)


    Milch ( Sieh dir mal die Zusammensetzung an)


    Ei (Was bewirkt Ei im Teig? Ich meine nicht die Farbe)


    Alles aber wirklich alles, was oben in der Deklaration erwähnt ist, dient der "Verbesserung". Wird von der Mühle in Pulverform beigemischt um die Geschmack und Backeigenschaften zu erhöhen.


    Bei einem als BIO deklarierten Gebäck, müssen die Zutaten natürlichen Ursprungs sein. Als nicht BIO, kann man chemische einsetzen. Chemisch ist aber nicht = Giftig wohlgemerkt.



    Jetzt fragen sich einige.. Was hat das mit Preppen zu tun? An und für sich nichts. Wissensstand aufbessern..



    Zitat von Mama Bär im Beitrag #10
    Bitte wieso soll man aus Dinkel kein gescheites Brot backen können? In Handarbeit gelingt es problemlos ohne obskure Zusätze.



    Der Bäcker hat leider nicht soviel Zeit zur Verfügung um jedes Brotlaib oder Teig einen halben Tag zu tätscheln und verhätscheln bis es gut ist. Zeit ist für ihn Geld..


    Der Kunde kauft mit dem Auge. Der will Gross, Grösser, am Grössten voll im Geschmack zu einem sehr kleinen Preis.


    Wie soll der Bäcker das alles unter einem Hut bringen? Mit Volumen (grosse Stückzahlen) und Zeiteinsparung. Sonst geht er Pleite.


    Wem wendet er sich um die Kundenwünschen zu erfüllen?


    Obskure Zusätze gibt es nicht, wenn man sie "richtig" (verharmlost und mit schönen Namen) deklariert.


    Wenn der Bäcker die Zusätze nicht kennt, tut er die Folgerichtig nicht deklarieren oder deklariert nur, was ihm die Mühle vorschreibt.


    Was nicht deklariert wird ist auch nicht drin. Oder Doch?


    Hauptsache es sind alle glücklich!



    So. Genug vom Nähkästchen.

  • Zitat von Mama Bär im Beitrag #10

    Alte Sorten sind auch nicht unbedingt anfälliger für Krankheiten, es sind nur unsere Anbaumethoden auf die modernen Sorten ausgelegt, genau wie die Verarbeitung. Wer auf armem Boden ohne Kunstdünger und Pestizide versucht modernen Weizen anzubauen wird Pech haben. Amaranth ist zb wesentlich trockenheitsresistenter als was bei uns normalerweise am Acker landet. Generell sollte der Ertrag auch nicht zu einseitig betrachtet werden. Nur weil die geerntete Menge geringer ist, kann es dennoch sinnvoll sein auf althergebrachte Sorten zurückzugreifen, weil die Närstoffdichte ganz einfach höher liegt, bzw einfach nicht hauptsächlich Stärke geerntet wird.


    Zur Krankheitsanfälligkeit sag ich nur "Mutterkorn".


    Zum Rest: Auf schlechten Böden wirst du auch mit alten Weizensorten Pech haben. Der war schon immer eine Diva.


    Ich persönlich würde mit so pauschalen Aussagen zurückhaltender sein.


    Jedes Getreide sollte man anhand diverser Kriterien (Boden, Klima, Resistenz gegen Krankheiten, gew. Eiweißanteil, ...) auswählen. Das war früher schon so, und heute noch viel mehr.

    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. (Konrad Adenauer)