Quick Clot Gaze o.ä.

  • Früher war Celox inkl. Applikator ein wunderbares Mittel um tiefe Wunden zu versorgen, aktuell geht man davon weg und verwendet nur noch entsprechend präperierte Gaze (z.B. Qick Clot Gaze). Nur welche ist da hilfreich/empfehlenswert? Ich habe bei Amazon etwas gesucht, es gibt dutzende Varianten. Als einzelne Pads, als kurzer Verband, in weißer Verpackung, in (wasserdichter ?) grüner Verpackung, von div. Herstellern, ...

    Was sind da eure Erfahrungen? Was habt ihr in eurem EH Paket? Und wo habt ihr es her?

    Erklärung für "Laien": Celox (oder ähnliches) ist ein Pulver das die Blutgerinnung stoppt und das mittels Applikator (eine Art Spritze) in die Wunde eingebracht wird. Beispiel: Man hat eine Tiefe Wunde durch durch einen Ast. Mit einem Verband kann man sie nur oberflächlich versorgen. Mit Celox kommt ein Mittel hinein das die Wunde auch von innen verschliesst. Funktioniert aber "nur" bei den Extremitäten, im Oberkörper ist zu viel Hohlraum drinnen.

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • Guten Abend @Don Pedro!
    Ich habe ausschließlich "QuikClot Combat Gauze Z-Folded" in Verwendung. Sowohl beruflich, als auch privat. Die "Z-Folded" Version ist zwar teurer als die "EMS Rolled Gauze", dafür aber auch um einiges länger. Die Auflagen würde ich für den Privatgebrauch, es sei denn du hast (natürliche oder medikamentöse) Blutungsneigung eher nicht verwenden. Diese ist mMn eher für ältere Patienten mit sog. "Papierhaut" bzw. "Bluter" geeignet. Zum Tamponieren von Wunden (Schuss-, Stich-, Pfählungsursache) würde ich zur "Z-Folded" Version greifen.
    Als Bezugsquelle kann ich dir die Firma "MedicalSCA" (https://www.medicalscg.de/at/) empfehlen. Diese ist der einzige offizielle Importeur für derlei Produkte in Österreich und NEIN, ich arbeite nicht für diese Firma und bekomme auch keine Prozente oder dgl. Eine beruflicher Zusammenhang ist jedoch gegeben.

    Zur von dir beschriebenen Erklärung möchte bzw. muss ich anmerken, dass das Tamponieren von Wunden im Oberkörper sehr wohl funktionieren kann. Bei einer Verletzung einer großen Arterie im Achselbereich muss tamponiert werden, da kein Verband angelegt werden kann. Ebenso ist die Wundtamponade die einzig erfolgversprechende Wundversorgung bei Verletzungen von Arterien im Bereich der Leiste. Brustkorb & Bauchraum kannst du jedoch nicht tamponieren, das stimmt.

    Der Nachteil von Celox war, dass es Wärme erzeugt hat. Dies haben die mittlerweile im Griff, jedoch muss es trotzdem im Zuge der Wundversorgung chirurgisch entfernt werden. Bei den mit Kaolin beschichteten Verbänden von QuikClot ist der Vorteil, dass diese mit zB NaCl getränkt werden und anschließend aus der Wunde entfernt werden können, ohne Rückstände zu hinterlassen. Als Zusätzliche Sicherheit hat die Z-Folded-Version von QuikClot auch noch einen Röntgenstreifen.

    Ich hoffe, soweit die Fragen geklärt & hilfreiche Antworten gegeben zu haben.
    lg
    12er_scout

    Try to leave this world a little better than you found it. (Robert Baden-Powell)

  • Betrifft jetzt eine Art "Stichverletzung"? Also alles was irgendwie in den Körper eindringt?

    semper paratus
    semper fidelis in familia
    semper verus est ipse

  • Genau, Stich- Schußverletzung, Eindringen von Gegenständen, alles was einen Wundkanal verursacht.
    (Und bei Nichtversorgung zu einem etwaigen Verbluten führt.)

    Früher war es einfach getränkte Gauze aus UK zu beziehen, ich weiß nicht ob das mittlerweile auch noch der Fall ist.
    Das Pulver selbst hat dem gegenüber keinen Vorteil, das Hantieren und Anwenden ist dadurch sogar erschwert.
    Also wenn: Verbandsmaterial welches der Wunde zugeführt werden kann und wie eh auch schon gesagt wurde,
    sind die mittlerweile auch nicht mehr "schwer" operativ zu entfernen, bzw. machen dem Chirurgen dann Probleme
    sowie haben keine derartige thermische Reaktion, wie früher.

    Leider kann ich keine Bezugsquelle nennen.

  • State of the Art sind die schon erwähnten Z-Folding Gauze. Ob jetzt QuickClot oder Celox ist mittlerweile ziemlich egal - die Kinderkrankheiten (thermische Reaktionen,..) sind beseitigt. Der Celox applikator nimmt für mich trotzdem eine kleine Sonderstellung ein, weil man damit auch in Regionen kommt, die augenscheindlich keine größere äussere Wunde verursacht haben, jedoch eine massive innere Blutung (z.B. Schusskanal eines Vollmantelgeschoßes oder Stichwunde mit einem kleinen Messer mit entsprechender Verletzung von Blutgefäßen). Hier ist die Z-Fold Gauze bedingt effektiv einsetzbar, während der Applikator seine Vorteile ausspielt. Deshalb halte ich ihn mir dennoch vor.

    Bezug schon seit langem über israelifirstaid - man muss halt mit den Zollfreigrenzen aufpassen

    viribus unitis - acta non verba

  • Wenn du zwischen beiden auswählen musst: immer die Gauze .... der Applikator hat nur sehr eingeschränkte Szenarien in denen er wirklich einen Vorteil ggü. der Gauze hat.

    viribus unitis - acta non verba

  • Warum kommt das Zeug eigentlich nicht im Erste Hilfe Kurs vor?

    Kommt es leicht/verbreitet zu Fehlanwendungen wie zB beim Abbinden?


    Genau hier

    ..., dass das Tamponieren von Wunden im Oberkörper sehr wohl funktionieren kann. Bei einer Verletzung einer großen Arterie im Achselbereich muss tamponiert werden, da kein Verband angelegt werden kann. Ebenso ist die Wundtamponade die einzig erfolgversprechende Wundversorgung bei Verletzungen von Arterien im Bereich der Leiste. Brustkorb & Bauchraum kannst du jedoch nicht tamponieren, das stimmt.
    ...

    12er_scout

    tut sich bei meinem klassischen Erste Hilfe Set lt. Kurs nämlich eine Lücke auf die sich durch genügen Druck nur schwer schließen lässt.

  • Stimmt. Auch den Einsatzkräften mit den roten Firmenautos sind oftmals - womöglich mangels Kenntnis (ja, wir haben auch nur EH-Kurse absolviert im Ausmaß von 16h + Auffrischungen..) - die Hände gebunden im Sinne von "was könnte man da noch alles hernehmen in der Pampas.." und die Zeit bis wirklich medizinisches Personal eintrifft kann dann schon ziemlich lang werden.

  • Warum kommt das Zeug eigentlich nicht im Erste Hilfe Kurs vor?

    Ganz einfach: Weil man irgendwann mal die Grenze zwischen einem EH Kurs und einem Spezielleren Kurs für Criticial Bleeding ziehen muss. Sonst würde die Kursdauer des EH Kurses die 16h sprengen und dementsprechend weniger Menschen würden diesen in Anspruch nehmen.


    Für Menschen, die sich für allerlei Lagebilder vorbereiten, wie uns, liegt ein Schwerpunkt auf critical bleeding - ist auch sonst state of the Art in der präklinischen Medizin - stimmt schon - aber (und das jetzt bitte nicht falsch verstehen!) ich persönlich bin schon sehr froh, wenn sich Kursteilnehmer merken, wie man einen Notruf richtig absetzt, wie man jemanden in die stabile Seitenlage bringt, Reanimiert (im besten Fall noch mit AED Anwendung), einen hundsordinären Druckverband anlegen kann (für die aller aller allermeisten Anwendungen reicht das völlig aus - ich habe viele Einsätze auch mit stark blutenden Wunden gehabt, bei denen ein gut gesetzter Druckverband den Tag gerettet hat) und eine gute Schockbekämpfung macht. Wenn man dann noch die Eigensicherung beachtet, hat man m.E. schon viel aus dem Kurs mitgenommen - für mehr, muss man halt weiterführende Kurse besuchen. In Sachen critical bleeding gibt es mittlerweile eh TCCC, TECC und TEMS Kurse (wie sie auch immer heissen mögen), die dieses Thema zum Schwerpunkt machen.


    Bei diesem Thema gibt es zwar einen sehr leichten Einstieg: eben den EH Kurs, wenns aber mehr sein soll - wo will man aufhören? Das ginge dann wohl bis hin zur Facharztausbildung ;)

    viribus unitis - acta non verba

  • Vielleicht wäre dieses Hämostyptikum für den "Hausgebrauch" eher geeignet. Das kann man auch für kleinere Verletzungen verwenden.

    Ich beziehe mich jetzt auf die Verpackungsgröße und das es Schwämmchen sind. Ob jemand dann weiß was man damit tut oder nicht tut möcht ich nicht beurteilen.


    CELOX ist ein Hämostyptikum, welches zur Blutstillung von stark blutenden Wunden eingesetzt werden kann, die weder durch einen Druckverband noch durch Anlegen eines Tourniquets gestillt werden können.

    Im Normalfall kommt man wahrscheinlich nie in die Verlegenheit soetwas zu brauchen. Da "wartet" man dann doch lieber auf die Rettung oder den Notarzt. "Draufdrücken" ist dann wohl eher die Tat der Wahl. Das ist jetzt so allgemein gesprochen und bezieht sich bitte nicht auf irgendwelche Erste Hilfemaßnahmen die man in einem Kurs lernt.


    Da fällt mir ein: fällt das schon unter invasiv?

    Das wäre dann noch ein rechtliches Problem.


    Im SHTF Fall ist dann eher die Frage "und was mach ich nachher?". Ich will damit nicht sagen, dass man jemanden verbluten lassen soll, sondern nur, dass man sich überlegen muß, WENN ich sowas mal brauche, dann muß ich auch für "danach" ausgerüstet/erfahren sein usw.

  • Scavenger


    Das ist einleuchtend.

    Ich komme als Ersthelfer von der Firma aus mind. alle zwei Jahre in den Genuss eines erste Hilfe Kurses. Dieses Jahr einer speziell für Ersthelfer, da wurden bestimmte Basics vorausgesetzt. Vielleicht schafft es mal etwas critical bleeding in sowas.


    Ich glaub ich muss mich mal zum Thema weiter führender Kurse informieren.

  • Da fällt mir ein: fällt das schon unter invasiv?

    Selbstverständlich. Deswegen ist eine Anwendung selbst als Fachpersonal an einem Patienten (ausgenommen hier eindeutig die Kameradenhilfe bei den BOS an sich - die wird ja geschult und genau DESWEGEN ist das Zeug ja auch überhaupt bekannt geworden bei uns) rechtlich eigentlich nicht legal möglich, wenn man nicht den Arzt daneben stehen hat.

    Vielleicht wäre dieses Hämostyptikum für den "Hausgebrauch" eher geeignet. Das kann man auch für kleinere Verletzungen verwenden.

    Bei kleinen Verletzungen brauche ich kein Woundpacking, weshalb sich hier der Sinn für mich nicht ergibt. Entweder ich hab eine potentiell lebensgefährliche, starke Blutung - oder eben eine, die mit normalen Mitteln einfach beherrschbar ist. Da gibts (für mich) jetzt keine große Grauzone dazwischen.

    Die wirklich "starken" Blutungen (gegen die man auch etwas tun kann) erkennt man übrigens direkt in den ersten Sekunden.



    m Normalfall kommt man wahrscheinlich nie in die Verlegenheit soetwas zu brauchen. Da "wartet" man dann doch lieber auf die Rettung oder den Notarzt. "Draufdrücken" ist dann wohl eher die Tat der Wahl.

    Das ist halt jetzt genau der Part, wo sich die Katze in den Schwanz beisst: Wenn ich das wirklich brauchen würde, ist das "Warten" auf den Rettungsdienst meistens zu lange. Ein starker Blutverlust kann in wenigen Minuten zum Tod führen (z.b. Oberschenkelarterie als Klassiker). Hierfür sind die Produkte mit ihrem jeweiligen Einsatzbereich (TQ zur Abbindung und die ganze Palette an Hämostyptika) ja auch in erster Linie konzipiert worden.

    Dass wir im Normalfall nicht in die Verlegenheit kommen werden, das zu brauchen ist in meiner Erfahrung in den letzten Jahren leider so nicht mehr pauschal zu sagen - das würde jetzt aber gegen die "no politics" Regel in diesem Forum verstoßen, um das weiter auszuführen.


    Fakt ist: Sämtliche BOS haben in den letzten Jahren durchaus das "critical bleeding" in ihren Schulungen und auch Ausstattungen Berücksichtigt. Ganz einfach, weil der Bedarf dafür leider gegeben ist.

    viribus unitis - acta non verba

  • Das ist ein Thema wenn die Rettung nicht in 5 Minuten da ist. Bei einer Wanderung auf einem Berg kann das schon den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen.

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • Hy zusammen,

    Ich lese den Beitrag mit großen Interesse.


    Don Pedro genau das ist meinen Stiefsohn vor ca. 3 Monaten passiert.

    Er rutschte auf einem Waldweg aus und fiel genau in einen schräg abgeschnittenen Haselnussstock.

    Der Stock bohrte sich in seinen Bauchraum.

    Zu meinen Glück hatte ich Verbandszeug mit und machte mit seiner Hilfe einen Druckverband.

    6km mussten wir zum Auto laufen.


    Im Spital wurde er operiert um Fremdkörper ( Rinde ) herauszuholen.

    Gott sei dank keine Organe verletzt.


    Hätte aber blöd enden können!

  • Sniper : Um genau sowas geht es. Es ist nicht immer eine Arzt in der Nähe, manchmal muss man mit dem auskommen was man hat und das machen was man kann. Und beides kann man verbessern, sowohl Material als auch Übung :!:

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • Eben - darum schrieb ich: "... lese den Beitrag mit großen Interesse!;)


    Wäre toll solche Mitteln zu haben, aber ich denke da bräuchte ich zuerst eine ärztliche Ausbildung ( Schulung ),denn falsch angewendet kann es eventuell auch gefährlich sein!?


    Obwohl ich zugeben muss, in zbsp. dieser Extremsituation handelte ich instinktiv, ohne lange nachzudenken.

    Und nahm das was da war...


    Blutgerinner - stopper ( Pulver ) habe ich irgendwo, sollte ich es finden, mache ich Bild.

    Glaube aber, falls ich sie noch nicht entsorgt habe, das es hinüber ( abgelaufen ) ist.


    Aber nochmal für mich sehr interessantes Thema - Danke dafür!:thumbup:

  • War TCCC oder ähnliches kein Thema bei deiner Ausbildung?

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.