Prepper und das liebe Geld.

  • Habe dazu heute im ORF Teletext folgendes gelesen :

    Mehr Österreicher ohne Ersparnisse

    32 % der Österreicherinnen und 23 % der Österreicher ( also insgesamt 27 Prozent ) haben bei der aktuellen ING International Survey angegeben, keine Ersparnisse zu haben.

    In der Vorjahresbefragung Ende 2017 / Anfang 2018 waren es noch 24 %.

    13 % der Befragten gaben an, weniger als ein Nettomonatseinkommen (des Haushalts) an Sparreserven zu haben

    42 % der Sparer verfügen über einen Polster zwischen ein und 6 Monatsgehältern.

    13 % der Österreicher haben ein halbes bis ein ganzes Jahresgehalt am Sparbuch und
    14 % sogar mehr als ein Jahreseinkommens.
    Insgesamt fühlen sich 51% aller Sparer mit der Höhe ihrer Ersparnisse wohl.

    51 Prozent der Befragten haben gegen Monatsende gelegentlich oder meist kein Geld mehr
    am Konto.
    Auch hier dürften geringere Einkommen der Grund sein, sorgloser Umgang mit den Finanzen
    hingegen kaum, urteilt der Bericht der ING Group.

    Ende ORF Text

    Zusammengefasst sieht es also folgendermassen aus :

    27 % Keine Ersparnisse 3 % Zunahme gegenüber Vorjahr

    73 % Sparer

    Aufteilung Sparer :

    31 % Weniger als 1 Netto Monatslohn Bedenklich

    42 % 1 – 6 Monatsgehälter genügend

    13 % 6 – 12 Monatsgehälter gut

    14 % 12 + Monatsgehälter sehr gut


    Ohne Geld funktioniert die Welt nicht, Das gilt auch für Prepper. Denn Eure Ausrüstung und Vorräte müssen ja auch beschafft werden und das normale Alltagsleben finanziert.
    Das Funktioniert wohl zu 99% nur über einen Kauf durch Bezahlung. Ich kenne zumindest kein Geschäft das Löwenzahn oder Birkenrinde als Zahlungsmittel akzeptiert.

    Schön wer einen voll umgebauten Landcruiser als BOV hat um zu seiner auf der eigenen Alm gelegenen idyllischen BOL, natürlich mit eigener Quelle und Wind- und Solaranlage, fahren kann.

    Pech wenn er alles dafür ausgibt und keinen Cent mehr in der Tasche hat um zum Bsp. eine ungeplante Rechnung zu bezahlen.

    Was also ist der einzig richtige Weg um mit seinem Geld umzugehen ?

    Tja, das weiss ich leider auch nicht...
    Aber ich kenne zumindest einen Weg der funktioniert.

    Ich nenne Ihn das 3-3-80 Prinzip Das 3-3-80 Prinzip

    Wie sieht das bei Euch aus ?

    Good logistics alone can’t win a war. Bad logistics alone can lose it.

  • Kompliziert. Ein größerer Teil der Ersparnisse kann längerfristig gebunden sein (Immobilien), die finanziellen Bedingungen können einnahmen- (Jobwechsel, Krankheit, Arbeitslosigkeit usw.) und ausgabenseitig (Kinder werden teurer, Erbschaft, ungeplante Zahngroßreparatur, Kredit ist abbezahlt, ...) variieren. Und dennoch hat ein signifikanter Teil der Bevölkerung praktisch keinen „Sicherheitsbuffer“, das ist selbst in einem Wohlfahrtsstaat echt bedenklich.

    Wir sind durch langjährige Planung, Sparsamkeit und auch Glück inzwischen in den oberen 14% gelandet.

    Ich denke, keine Methode wird für alle gleich gut funktionieren. Aber eines ist klar: Wenn man nicht plant und nicht spart, passiert es auch nicht.

  • Es ist aber auch das Bewusstsein nicht mehr da. Ich war im Kindergarten das erste Mal auf einer Bank. Hinter die Kulissen dürften wir damals schauen. Mit meinem Vater war ich jedes Jahr dort, da wurde um die Zinsen gefeilscht. Habe normal Taschengeld bekommen, mit Taschengeld Buch usw. Habe gespart, mir etwas gekauft und wieder gespart. Und dann immer weniger gekauft. Weltspartag war super, da ging man auf die Bank, gab das Sparbuch her und bekam es mit mehr zurück. Damals gab es ja noch Zinsen (und den guten Schilling). Habe vermittelt bekommen, dass Geld nicht auf den Bäumen wächst.
    Was ist raus gekommen, ein Mensch der jede Ausgabe wohl überlegt. Egal ob 20€ oder 2000€.
    Kredit und Leasing sind mir ein Graus, allerdings nicht immer zu vermeiden. Geld ausborgen tu ich ums verrecken nicht. Hab ich nichts, spielts eben nichts.
    Aber das darf es ja in der heutigen Zeit nicht geben. 0% Finanzierung usw.

    Die Gesellschaft hat sich davon weg entwickelt etwas schaffen zu wollen. Sie soll und muss jetzt konsumieren. (Steuern auf Spareinlagen z.B.) Frühere Generationen wollten etwas aufbauen. Das ist geschafft. Die jetzige Generation ruht sich darauf aus und will konsumieren. Und dazu brauche ich das Geld aktiv und nicht auf der Bank. Was in 10, 20 Jahren ist werden wir sehen.

    Unter anderem auch ein Grund für den Geburtenrückgang. (Klar gibt es auch andere Faktoren) Kinder halten einen auf selber zu konsumieren und zwingen einem selbst wieder Verantwortung auf.

    semper paratus
    semper fidelis in familia
    semper verus est ipse

  • Ja, die „ich muss das haben und zwar jetzt sofort“-Mentalität sehe ich auch immer öfter. Ist ein Hauptgrund für die steigende Verschuldung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Nicht zu wenig Geld, sondern zu wenig Selbstbeherrschung.

  • Ich finde, dass am wichtigsten die konsequente Entschuldung ist. Erst wenn man keine Schulden mehr hat, ist man wirklich frei.

    Was nützen mir 12 Monatsgehälter auf der Bank, wenn ich auf der anderen Seite 12 Monatslöhne Schulden habe?

    Wenn ein Prepper einen Teil seiner Einkünfte in Vorräte, Autarkie oder andere Ausrüstung investiert, ist das aus meiner Sicht wie eine gute Geldanlage in Sachwerte. Bei Engpässen lassen sich diese Anschaffungen dann sinnvoll nutzen und verwerten. Zumal das Preppermaterial eher für die Befriedigung der unteren Ebenen der Maslowschen Bedürfnispyramide eingesetzt wird. Das meiste Geld wird mittlerweile nicht für Grundbedürfnisse, wie Essen, Wohnen und Sicherheiten ausgegeben, sondern für die heutzutage so wichtige Selbstverwirklichung.

    Und noch ein Satz aus den Grundlagen der Volkswirtschaftslehre: Kapital kommt von Konsumverzicht. Und als Konsum würde ich den Aufwand fürs Prepping nicht bezeichnen, eher als Verzicht auf den kurzfristigen Konsum. Ob das eingesetzte Kapital jemals Rendite abwirft, ist ungewiss. Aber eine Art Inflationsschutz ist es schon.

    Deshalb ist meine Meinung: Prepper sind von Natur aus Sparer, egal auf welchem Niveau.

  • Wir liegen zurzeit nur noch bei den angeführten 13%. Das liegt ua daran, dass wir uns 2017 ein Haus gekauft haben, 2018 den Außenbereich (Garten, Einfahrt, Terrasse,...) komplett umgestaltet haben und heuer ein Allradauto notwendig wurde, außerdem haben wir 2 Kinder. Zum Glück hatten wir genug gespart bzw. 2 Eigentumswohnungen. Etwas Kapital mussten wir uns trotzdem leihen, haben aber immer noch einen Polster. Denn sowohl meine Frau, als auch ich, sind der Meinung, dass wir gute € 10.000 immer täglich verfügbar haben sollten. Dadurch können dann plötzlich auftretende Ausgaben wie zB kaputte Waschmaschine, unvorhersehbare Reparatur, Wasserschaden,... abfedern. Durch den zuvor bereits erwähnten Kauf eines (fast) neuen Autos mit Allradantrieb ist der davor aufgebaute Polster dezimiert worden, ist aber nun wieder im Wachstum begriffen.
    Im Allgemeinen würde ich also sagen, dass wir durchaus sparsam sind und in 5-10 Jahren schuldenfrei.
    Generell würde ich aber nicht sagen, dass heutzutage das Bewusstsein nicht mehr da ist. Das ist schon personenbezogen und kommt auch darauf an, ob in welcher Gegend (Stadt oder Land) gelebt wird. Es ist vieles Erziehungssache und von den Eltern der Kinder so vorgelebt. Personen die das Geld ausgeben, sobald sie es haben gab es immer und wird es immer geben. Ebenso wird es die Sparer geben. Das Problem ist eher, dass man zurzeit für sein erspartes Kapital quasi nichts bekommt. Denn von den 5-6% Zinsen, die es vor 15 oder 20 Jahren noch gab sind wir weit entfernt. Heute muss man ja schon beinahe froh sein, wenn man nichts dafür zahlen muss, wenn man Geld auf der Bank hat.

    Try to leave this world a little better than you found it. (Robert Baden-Powell)

  • Meine Situation gleicht 12er_scouts.
    Vor 2 Jahren haben wir eine altes Haus gekauft und komplett saniert. Wir hatten Eigenkapital, mussten aber auch einen Kredit aufnehmen. Langfristig, damit durch die monatlichen Belastungen auch bei plötzlicher Änderung der Lebenssituation (Krankheit, Invalidität, Arbeitslosigkeit,...) keine existenzbedrohliche Situation entstehen kann. Ausreichend Reserve soll immer vorhanden sein, in unserem Fall in Form eines Dauerauftrages ständig mehr werdend. Ziel ist die Rückzahlung des Restkredites nach 10 Jahren, da endet die Fixverzinsung und ich könnte in Pension gehen.
    Das normale Sparbuch ist wegen der Außenjalousien leergeräumt, ab nächstem Monat füllt es sich wieder.
    2-3 Monatsbudgets = "Wirtschaftsgeld" sind immer zu Hause und ein bisschen Gold als letzte Reserve liegt im Banktresor.
    Es fehlt noch vieles im Haus, darauf wird aber gespart! Nicht alles muss sofort sein, Vorfreude (zum Beispiel auf den Ofen) genießen wir durchaus!

  • Das viele Leute zu wenig Geld haben liegt (aus meiner bescheidenen Sicht) nicht am "zu wenig verdienen" sondern am "zu viel ausgeben". Viele Sachen die in einer modernen Wohnung rumstehen fallen nämlich unter "Luxus" und der ist kein MUSS. Ich denke da an den 55 " Fernseher, das zweite Tablet, die 4000 bar Espressomaschine, die PS4 zur PS3, ... Und in der jetzigen Zeit braucht jede Person in der Wohnung ein Zimmer, d.h. eine 5 köpfige Familie braucht 4 Schlafzimmer (+ 1 Wohnzimmer). Welch Überraschung, das kostet viel Geld ...

    Aber das liegt auch an der Gesellschaft, man MUSS ja sowas haben um Teil der Gruppe zu sein, das ist wie vor 30 Jahren das arme Kind das keine 501 Levis hatte ... Alle leben im Heute und Jetzt, einen Kredit bekommt jeder Ar... und an die Zukunft denkt der Staat.

    p.s. Wenn man Geld in ein Haus oder eine Wohnung investiert, dann ist es ja nicht weg sondern in einer anderen Form da. Ein Haus im Wert von 200.000 € bleibt ja 200.000 € wert (bitte keine Kommentare zu Immobilienblasen o.ä.), nur kann ich sie nicht ausgeben da sie gebunden sind

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • @Makoto: Da bin ich aber froh, dass ich nicht alleine bin, mit meiner/unserer Situation. Aber wie @Don Pedro auch erwähnt hat, die Investition in eine Immobilie ist ja eine Anlage und man bekommt sicher mehr Ertrag, als am Sparbuch.
    Bzgl. deiner erwähnten Goldreserven im Banktresor möchte ich dir den Tipp geben, diese doch zu Hause aufzubewahren. Wenn die Bank geschlossen hat (oder wurde) kommst du nämlich nicht mehr an deine letzte Reserve ran. Gerade als Prepper sollte man doch immer an den Notgroschen kommen können, oder?

    Try to leave this world a little better than you found it. (Robert Baden-Powell)

  • Das PS von Don Pedro ist ein ganz wesentlicher Punkt in meiner finanziellen Lebensplanung: Kredite allenfalls für einen bleibenden Gegenwert aufzunehmen. Das Haus ist selbstverständlich gut versichert (noch am Tag des Kaufvertrags) und durch Investitionen eher im Wert gestiegen.
    NIEMALS würde ich für ein Auto Schulden machen. Alleine in meinem Bekanntenkreis haben sich 4 Youngsters für Autos verschuldet, die dann "gegen einen Baum gefahren" natürlich keine Vollkasko, zu teuer, neues Auto auf Schulden... Bankrott!
    Wenn ich auf das Haus " gespart" hätte, wäre der Kauf erst in 20 Jahren möglich gewesen. Da sehe ich die Schulden als umgekehrtes Sparen. Alles andere sollte erarbeitet werden. Ich verdiene im guten Mittelfeld, eine Küche in der BOL wird erst in ca 2Jahren möglich sein. Bis dahin tuts eine Abwasch, Regale, und eine Induktionskochplatte.
    Gefällt mir sogar, erinnert mich an meine Studentenzeit 😁

  • Zitat von Don Pedro im Beitrag #8
    Das viele Leute zu wenig Geld haben liegt (aus meiner bescheidenen Sicht) nicht am "zu wenig verdienen" sondern am "zu viel ausgeben".


    Zitat Michael Niavarani (sinngemäß):



    Zitat
    Früher haben die Leute noch gesagt "DAFÜR habe ich kein Geld." Heute wirst du schief angesehen, wenn du nicht das neueste Smartphone oder überhaupt ein Smartphone besitzt. Wer traut sich heute noch mit Tastentelefon in die Öffentlichkeit?
  • Ähnliche Situation bei mir. Haus renovieren usw.
    Bei mir sind danach allerdings einige unvorhersehbare Sachen eingetreten. Auto, Waschmaschine und Wasserboiler eingegangen. Leider alles benötigte Sachen. Aber man hat ja ein Polster.
    Ist zwar jetzt viel kleiner als vorher (da könnt ich heulen als Sparefroh), aber für solche Sachen eigentlich gedacht.
    Jetzt wird halt wieder aufgebaut mit Daueraufträgen und striktem Abschöpfen am Buchungsmonatende. Und das zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn das Zierkissen wieder zu einem ghörigen Polster wird.

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  • Abgesehen von den vielen "Must-Have's" wie zB dem neuesten Smartphone oder dgl. muss man fairer Weise aber auch festhalten, dass das Wohnen teurer wurde. Früher wurde ein tolles Haus um 1 Million Schilling gebaut. Heute bekommst du um umgerechnet € 70.000,- nicht viel, außer einem kleinen Schrebergarten.
    Klar gibt es viele Leute die nicht wirtschaften können und im hier und jetzt leben und keinesfalls an die Zukunft denken. Es gibt aber auch viele Leute die das exakte Gegenteil sind. Somit kann man nicht generell sagen, dass früher alles besser war und heute niemand eine Ahnung hat.

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  • Wenn man Geld haben will, muss man halt Sparen. Sparen heisst Verzichten. Heutzutags ist Verzichten ein verpöntes Wort..
    Ps: Ich hab ein Tastenhandy.. Mein nächster wird auch ein Tastenhandy sein.. Mit dem Ersparten Geld, gehe ich zum Beispiel lieber ein mal mehr in die Ferien, oder gönne mir etwas anderes..

  • Betreffend "Kredit für Eigenheim": Es ist grundsätzlich natürlich richtig und sinnvoll, dass man bei der persönlichen Vermögens-Standort-Bestimmung Immobilieneigentum gegen Kreditschulden aufrechnet, weil da eben ein "Haben" einem "Soll" gegenübersteht; aber es gibt leider genug Fälle, wo zB wegen Scheidung oder Verzug bei der Kreditrückzahlung eine Immobilie kurzfristig und mit Verlust verkauft werden muss. D.h. je nach persönlicher Situation kann man unter Umständen nicht den vollen aktuellen Marktwert einer Immobilie - der ja auch nicht immer ganz einfach zu bestimmen ist, ich hab schon mal von einem Immobilienmakler eine absurd hohe Bewertungen bekommen, die 30-40% höher lag als was ich tatsächlich erlösen konnte - gegen den offenen Kredit(rest) aufrechnen.

    Wenn möglich würde ich einen offenen Kredit "ohne Streß" aber dennoch möglichst rasch wieder abbezahlen, selbst wenn die Zinsen aktuell sehr günstig sind. Zwar geht manches - wie eben Eigentum fürs Wohnen - fast nicht ohne Kredit, aber es ist doch auch ein gewisses Risiko damit verbunden.

    Betreffend mangende Ersparnisse: Ich kann nicht abschätzen, wie viele der vom ORF-Bericht kolportierten 27% der Bevölkerung ohne relevante Ersparnisse tatsächlich nicht genug Einnahmen haben, um etwas auf die Seite zu legen, und wie viele es könnten wenn sie es bloss täten; aber ich vermute, ein nicht ganz kleiner Teil KANN tatsächlich nicht. Mir fallen da vor allem junge Alleinerziehende sowie Migranten ohne Asylstatus und Job ein; diejenigen, die ich aus diesen beiden Bevölkerungsgruppen näher kenne, haben oft wirklich gerade mal genug zum Überleben. Insofern muss man, glaube ich, schon unterscheiden zwischen Fällen, wo es aus Nachlässigkeit und Disziplinlosigkeit keine Ersparnisse gibt, und wo es tatsächliche Armut ist.