Interview Magazin VICE

  • Ich habe dem Magazin VICE ein paar Fragen beantwortet:

    Zitat
    Kannst du mir kurz den Hintergrund des Prepper-Forums, seit wann ist es online, warst du bei der Gründung dabei, was war die Idee?

    Das Forum austrian-preppers.net ist seit Juni 2014 online. Es ging aus dem ersten österreichischen Prepperforum preppers.at hervor. Der dortige Admin hatte irgendwann das Interesse verloren und sich nicht mehr blicken lassen. Ein Forum ohne Moderation kippt allerdings recht schnell ins Chaos, weshalb sich einige User von preppers.at zusammengetan haben und austrian-preppers.net gegründet haben.

    Ich persönlich bin im Februar 2015 auf das Forum gestoßen. Wie genau, kann ich nicht mehr sagen. Ich habe mich schon immer für Outdoor interessiert und habe mich regelmäßig über Ausrüstung informiert und bin vermutlich da über einen Thread im Forum gestolpert. Dann habe ich mich mal genauer eingelesen was Prepper im Allgemeinen sind und was die Austrian Preppers so treiben und fand das ganz vernünftig sich auf alle möglichen Gegebenheiten vorbereiten zu wollen. Im März 2015 habe ich dann den monatlichen Stammtisch in Wien besucht und fand den persönlichen Austausch sehr hilfreich. Besonders für einen Anfänger.

    Im November 2015 wurde ich zu einem Moderator im Forum und als der Betreiber aufgrund von Familienzuwachs das Forum abgeben wollte im Februar 2016, habe ich zugesagt und das Forum als Administrator übernommen. Das hat sich auch eher zufällig ergeben. Es wollte einfach niemand anders im Team seinen Namen und Adresse im Impressum stehen haben. Mir war das egal, somit wurde ich Administrator.

    Trefft ihr euch auch “analog” zum Austausch oder seid ihr eher Einzelgänger?

    Teils teils. Umfragen im Forum haben ergeben, dass etwa die Hälfte Interesse an persönlichen Treffen hätte, aber nur wenige sich wirklich im realen Leben bei Stammtischen treffen. Das größte Hindernis ist eher die Entfernung zu den Örtlichkeiten für Treffen. Etabliert hat sich der monatliche Stammtisch in Wien und Linz. In Graz und Salzburg findet er sporadisch statt.

    Wann und warum hast du persönlich angefangen, zu preppen? Gab es einen konkreten Anlass?

    Anlass gab es bei mir keinen. Ich fand als ich übers Forum gestolpert bin, Reiz daran immer die richtige Ausrüstung dabei zu haben. Wer hat nicht schon mal schnell ein Messer, eine Schere oder eine Taschenlampe gebraucht? Es ist einfach ein beruhigendes Gefühl (fast) alles dabei zu haben.

    Welche konkreten Bedrohungsszenarien hältst du aktuell für akut?

    Für mich persönlich sind ein Blackout und Hochwasser Bedrohungen auf die ich mich vorbereite. Einfach aufgrund meiner Wohnsituation in einem Haus, welches neben einem Bach liegt. Dieser Bach ist vor einigen Jahren schon mal über die Ufer getreten. Außerdem möchte ich immer genug frische Lebensmittel im Haus haben, um auch eine Grippe die mich oder meine Frau für zwei Wochen ans Bett fesselt ohne Einbußen was die Lebensqualität angeht, überstehen zu können.

    Glaubt ihr, dass euch der Staat in einem Katastrophenfall nicht ausreichend schützen kann? Wenn ja, warum?

    Wir gehen davon aus, dass der Staat helfen kann, aber bei größeren Notlagen erst nach einer Anlaufzeit von 7-14 Tagen zu allen betroffenen Haushalten vordringen kann. Für diese Zeit sollte jeder Bürger Vorräte zu Hause haben. Je nachdem welchen Lebensstandard man aufrecht erhalten möchte, sind das frische und tiefgefrorene Lebensmittel oder einfach Konserven bzw. Notnahrung. Der Staat kann halt auch nur im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen. Ist eine Ortschaft durch eine Lawine oder Mure abgeschnitten und die Witterung lässt keine Helikopterflüge zu, bringt auch die beste Vorbereitung der Behörden nichts. Je nachdem wie weitreichend eine Notsituation ist, können die Behörden besser oder schlechter helfen. Mit einem regional begrenzten Hochwasser, Lawinenabgang, usw. werden die Behörden noch relativ leicht fertig. Bei anderen Vorfällen fehlt es einfach an geeigneter Ausrüstung. Um ein paar Beispiele zu nennen: Die Lawinenkatastrophe von Galtür 1999 hat gezeigt, dass dem Staat Transporthubschrauber fehlten. Diese wurden im nachhinein angeschafft, um besser auf solche Situationen vorbereitet zu sein. Diese Investition hat sich die letzten Jahre bezahlt gemacht. Der Mehrfachmord von Annaberg 2013 hat gezeigt, dass die COBRA besser gepanzerte Fahrzeuge braucht. Es wurden neue Fahrzeuge angeschafft, um auch hierfür in Zukunft besser gerüstet zu sein. Der Zivil- und Katastrophenschutz wird leider stiefmütterlich behandelt, weil es viel Geld bindet Vorräte anzuschaffen und diese Vorräte hoffentlich nie eingesetzt werden. In Deutschland gibt es zumindest teilweise Lebensmittellager um die Bevölkerung versorgen zu können. In Österreich haben nicht mal die Polizei oder das Bundesheer ausreichend Vorräte und Treibstoffe um sich selbst versorgen zu können.

    Als Forumsadministrator kennst du dich in der Prepper-Szene gut aus - auch wenn sich die meisten von Doomsday-Preppern abgrenzen: Kennst du auch Menschen, die eine “Apokalypse” befürchten, und wenn ja, wie hoch schätzt du deren Anteil und was konkret sind deren Ängste?

    Ich glaube nicht, dass es eine richtige Prepper-"Szene" gibt in Österreich. Viele die sich vorbereiten wissen gar nicht was "Prepper" bedeutet. Speziell für die älteren Generationen ist es noch normal genug Lebensmittel für einige Wochen daheim zu haben. Manche kennen den Begriff vielleicht, fühlen sich aber nicht zugehörig, weil der Begriff durch Doomsday-Prepper negativ besetzt ist. Ich persönlich kenne niemanden der eine "Apokalypse" erwartet. Manche haben vielleicht durch Fernsehserien wie "The Walking Dead" eine verklärt "romantische" Vorstellung davon wie ein Leben nach der "Apokalypse" aussehen würde. Dass sie sich so eine Welt wirklich wünschen, kann ich mir nicht vorstellen.

    In Deutschland werden Prepper teilweise vom Verfassungsschutz überwacht, da sie sehr weit rechts steht. Das Forum der Austrian-Preppers hat eine klare Policy hinsichtlich politischer Agitation. Wo würdest du die österreichischen Prepper im Allgemeinen politisch einordnen?

    Auch in Deutschland werden Prepper nicht vom Verfassungsschutz überwacht. Zitat Verfassungsschutz Brandenburg: "Die „Prepper“-Szene an sich ist kein Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes, denn selbst die Bundesregierung rät zum Anlegen von Vorräten." Quelle: https://verfassungsschutz.brandenburg.de...bb1.c.604979.de

    Da wir als unpolitisches Portal keine politischen Diskussionen zulassen, kann ich auch die politische Einstellung der User nicht einschätzen. Ich gehe davon aus, dass ein ganz normaler Bevölkerungsquerschnitt bei uns vertreten ist.

    Kommt es vor, dass du zum Beispiel rechte Postings löschen musst? Wenn ja, kannst du mir einen Fall schildern?

    Das gab es schon länger nicht mehr. 2015 gab es eine Zeit lang Probleme mit xenophoben Postings aufgrund der damals akuten Flüchtlingskrise. Nach Einführung einer Null-Toleranz-Politik hat sich das schnell wieder erledigt.

    In dem Forum nennen sich viele User “Wolf”, was auch als rechter Code ausgelegt werden kann (Freischärlerbewegung, “lone wolf”). Gehst du möglichen rechten Codes nach?

    Wir achten darauf, dass keine Nazi-Codes in Benutzernamen verwendet werden, haben aber maximal eine Registrierung jährlich die aufgrund dessen abgelehnt wird. Wolf hätte ich hier nicht als Nazi-Code eingeordnet, weil keines unserer Nachschlagewerke (DÖW, Aktion Zivilcourage, Netz gegen Nazis, Wikipedia) das Wort "Wolf" als rechtsextremistisch einstuft.
  • @Ben: danke für die Info und die Arbeit bzw. Antworten, denn dadurch bleibt das Preppern dass was es auch in unserem (ich hoffe ich kann das so schreiben) Forum ist.

    Mein persönlicher Favorit:

    Zitat von Ben im Beitrag #1
    Als Forumsadministrator kennst du dich in der Prepper-Szene gut aus - auch wenn sich die meisten von Doomsday-Preppern abgrenzen: Kennst du auch Menschen, die eine “Apokalypse” befürchten, und wenn ja, wie hoch schätzt du deren Anteil und was konkret sind deren Ängste?Ich glaube nicht, dass es eine richtige Prepper-"Szene" gibt in Österreich. Viele die sich vorbereiten wissen gar nicht was "Prepper" bedeutet. Speziell für die älteren Generationen ist es noch normal genug Lebensmittel für einige Wochen daheim zu haben. Manche kennen den Begriff vielleicht, fühlen sich aber nicht zugehörig, weil der Begriff durch Doomsday-Prepper negativ besetzt ist. Ich persönlich kenne niemanden der eine "Apokalypse" erwartet. Manche haben vielleicht durch Fernsehserien wie "The Walking Dead" eine verklärt "romantische" Vorstellung davon wie ein Leben nach der "Apokalypse" aussehen würde. Dass sie sich so eine Welt wirklich wünschen, kann ich mir nicht vorstellen.

    Dieselben Naturkräfte, die uns ermöglichen, zu den Sternen zu fliegen, versetzen uns auch in die Lage, unseren Stern zu vernichten.
    (Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun, 1912-1977)

  • Bin schon auf den Artikel im Magazin gespannt. Ich kenne dieses Magazin nicht und hoffe, dass du @Ben dann den Artikel bzw. den Link zu diesem hier postest.
    Besonders interessant habe ich die letzte Frage und die Verknüpfung von einem Tier mit einer politischen Gesinnung gefunden.

    Try to leave this world a little better than you found it. (Robert Baden-Powell)

  • Von meiner Seite auch vielen Dank @Ben ganz klasse und souverän gehandhabt.
    Die Qualität der Medien an sich mittlerweile lässt echt zweifeln mittlerweile. Mir scheint als wolle man den Leuten vermitteln : Alles was nicht links ist, ist zwangsläufig rechts....
    Da laufe ich ja mit meinem Nickname auch noch Gefahr für irgendwas gehalten zu werden.

    Thema SURVIVAL


    Meine ehrliche Meinung dazu?


    Erst kam Rüdiger Nehberg, dann lange, lange nichts und danach gab es sehr viele, und diese “Vielen“ haben nie richtig gefroren, nie wirklich gehungert, nie unfreiwillig gedurstet, sie waren nie in wirklicher Todesgefahr, sind nie gezwungenermaßen hunderte von Kilometern marschiert, mussten nie unerträglichen Schmerz einstecken (der Support oder die Kamera waren immer “nie“ wirklich weit weg): Sie litten nie Todesangst, waren nie verletzt, nie ungewollt verschollen … und sie nennen sich dennoch Survivalisten & Bushcrafter. (Thomas Gast)

  • Darf ich jetzt weiterhin einen Wolf (der für mich der Inbegriff eines Teamplayers/Rudeltieres ist und deswegen auch von mir verwendet wird) behalten oder bin ich dann für den/die Vice Reporter*in ein rechter böser Nazi?

    Sorry fürs Off topic.

    Gute Antworten Ben!

    viribus unitis - acta non verba

  • Also bis auf die letzten 3 fragen fand ich sie ja ganz vernünftig. Aber die sache mit dem wolf... naja was soll man da sagen...
    Egal so oder so hast du super und sehr souverän geantwortet meiner meinung nach!

  • Gut geantwortet, nirgends reingetappt.

    Mal schaun was bei Vice draus wird.

    VICE Niveau ist meistens sowas:

    * Sieben Gründe was man beim Aufstehen als ersten tuen sollte
    * Diese 8 Dinge kann man mit einer Klobürste im Notfall anstellen
    * Ich habe Tinder getestet, mein Leben ist jetzt eine Katastrophe

    leider.

  • @Ben Gut gemacht! Sachlich und fachlich kompetent! Mal schauen wie dein Beitrag ankommt.
    Das mit der Rechten Szene hätte sich der Interviewer ersparen können, aber was sölls..
    .. Die probieren es immer und immerwieder .. Glückwunsch!

  • Zitat von Scavenger im Beitrag #7
    Darf ich jetzt weiterhin einen Wolf (der für mich der Inbegriff eines Teamplayers/Rudeltieres ist und deswegen auch von mir verwendet wird) behalten oder bin ich dann für den/die Vice Reporter*in ein rechter böser Nazi?

    Sorry fürs Off topic.

    Gute Antworten Ben!

    Nein, natürlich nicht! Du N*zi du!!!

    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. (Konrad Adenauer)

  • Das wird aus einem Artikel wenn meine Antworten zu "normal" sind für den Redakteur. Selten so einen unseriösen Artikel gelesen.

    Zitat
    In Deutschland ist die Prepper-Szene eng mit der politischen Rechten verknüpft. Die Innenminister der Bundesländer setzten die Community sogar schon unter Beobachtung. In Österreich soll das anders sein. Die Betreiber der zentralen Plattform Austrian Preppers beteuern, einen strengen Kurs zu fahren. Wer im Forum politisch agitiere, werde gesperrt. Aber: Zu Martins Workshops kommen auch Rechte. Über sie redet er jedoch wenig, hält sich auch auf Nachfrage bedeckt. Abenteurer seien es, Männer, die sich um ihre Familien sorgen, auch sehr politische Menschen. Wenn sie zu diskutieren anfingen, höre er lieber nur zu, meint Martin. Vermutlich will er keinen von ihnen vergraulen.



    Quelle: https://www.vice.com/de_at/article/8xydd...r-den-ernstfall

  • Das ist ja unglaublich, wie da die Antworten so hingebogen werden.
    Ja, leider nicht unüblich. Ja, leider was man sich im Vorfeld schon erwarten muß.
    Schade. Sehr schade.

    Hat mit Journalismus nichts zu tun.

  • Am Besten sieht man es am folgenden Zitat, finde ich:
    "Und doch spricht Martin in Codes, die an die rechte Zivilisationskritik der 1930er erinnern: Die Kultur, die sich die westliche Gesellschaft geschaffen habe, sei äußerst empfindlich. "

    Mollay dermaßen künstlich in ein rechtes Eck zu drängen, auch mit dem späteren Sager:
    " Aber: Zu Martins Workshops kommen auch Rechte. Über sie redet er jedoch wenig, hält sich auch auf Nachfrage bedeckt. Abenteurer seien es, Männer, die sich um ihre Familien sorgen, auch sehr politische Menschen. Wenn sie zu diskutieren anfingen, höre er lieber nur zu, meint Martin. Vermutlich will er keinen von ihnen vergraulen. "

    Das ist echt ne Frechheit.

  • "Vice: Mich interessiert ihre Wahrheit nicht, die verkauft sich schlecht."

    Typische Berichterstattung die man von Vice gewohnt ist. Sehr schade.

    Besser haben und nicht brauchen, als brauchen und nicht haben.

  • Zitat von Scavenger im Beitrag #14
    Na bitte also sorry: Was habt ihr euch denn vom VICE erwartet? Eine seriöse Berichterstattung?


    Wenn man mir schon Fragen stellt, gehe ich davon aus, dass diese zumindest teilweise Niederschlag im Artikel finden. Sonst kann man den Hinweis auf uns auch einfach weglassen.

  • Ich frag mich ob das ganze ein Advertorial ist, aber nicht gekennzeichnet wurde. Oder ob der beworbene Survivaltrainer der einzige war der nicht abgewunken hat. Und es somit ein ungewolltes Advertorial geworden ist.

    Den Survival Trainer kannte ich vorher noch nicht, aber positive Werbung ist das für mich auch nicht.