Hochleistungs-Kleben (auch einer Krisensituation)

  • Es kommt im Alltag immer wieder vor, dass man eine Befestigung benötigt. In einer Krisensituation kann das benötigte Montage-/ Befestigungsmaterial nicht verfügbar sein, oder man möchte besonders schnell eine Verbindung herstellen. Darüber hinaus ist beim Preppen immer wichtig, dass man möglichst "Eierlegende Wollmilchsäue" als Werkzeug nimmt, damit man nicht für jeden Klebe-Fall eine anderes spezielles Klebezeug mitschleppen muss. (Minimierung des Fluchgepäcks)

    Beim Kleben lassen sich reversible und dauerhafte Klebeverbindungen unterschieden. Die reversiblen Klebeverbindungen - z.B. mit Klebeband - sind meistens auch diejenigen, die sich am schnellsten umsetzen lassen.

    Fall 1: Reversibles Hochleistungs-Kleben
    Bestimmt kennt jeder Gewebeklebeband. Damit kann man vieles notfallmäßig überbbrückend kleben. Reparaturklebeband klebt nochmal stärker als gewöhnliches Gewebeklebeband. Meiner Erfahrung nach hat das Reparaturklebeband der Marke "T-Rex Tape" mit großem Abstand die höchste Klebekraft. Meines Ermessen klebt es ungefähr nochmal die Hälfte stärker als "Tesa Extrem Repair", das nach meinen Erfahrungen zweit stärkste.

    Was sind Eure Erfahrungen mit Reparatur-Gewebeklebeband?

  • Mein Vater hat mit Klebeband (allerdings weiss ich nicht welches) einmal eine rostige stelle am wc Rohr geklebt. Ich schätze es war normales gewebeband weil das hat er überall verwendet. Soweit ich das weiss war diese provisorische Lösung dann über 10 Jahre im Einsatz...

  • Zitat von Tempos_fugit im Beitrag #3
    Man kann sich auch mit Baumharz behelfen wenn man eine dauerhafte Bindung schaffen möchte. Hilft auch um Wunden zu schliesen da es antibakteriell ist.


    Da bist du mir zuvor gekommen



    Empfehle da Birkenteer / Birkenpech, hier ein Link bzgl.

    Herstellung
  • Gewebeklebeband, egal ob orig. BW-Panzertape, oder wie sie auch immer heißen mögen ist für mich sowieso mega. Ich glaub damit kann man so ziemlich alles machen. Am Nova Rock haben wir damit schon die Stangen unseres Partyzeltes repariert, einen Tragegriff für eine Kühlbox gebaut, Schuhe repariert, ein Zelt abgedichtet,...aja - und enthaart auch :-); vor Kurzem hat sich ein Freund von mir beim Bau eines Haselnuss Survival Bogens damit die Federn der Pfeile improvisiert da wir keine Federn fanden (Überraschung bei 30 cm Neuschnee). Hat auch super gefunkt.

    Nicht für unterwegs, aber für daheim (und auch nur dann wenn Strom da is), kann ich als einfache und schnelle Klebeverbindungen Heißklebepistole empfehlen. Damit hab ich auch schon so ziemlich alles gemacht. "Klebt" Holz mit Metall,... allerdings ist das nicht stoßfest. Ich hab mal den Versuch gestartet für eine relativ komplizierte Holzdecke den Lattenrost - sprich die Unterkonstruktion - an die Decke zu kleben. Um sie eingerichtet zu haben und in Ruhe verbohren zu können. Aber kaum war ich dann mit der Schlagbohrmaschine da, wurde die Latte beim ersten Preller los gebeutelt. Aber ansonsten sehr genial.

    Ein unterschätztes Klebemittel ist Silikon. Das braucht zwar länger um auszuhärten, fällt also nicht in die "schnellen" Klebeverbindungen, hält aber Bombe. Ich hab mal einen Türstaffel mit Silikon verklebt. Einen Rahmen aus Silikon gezogen und in der Mitte in Schlangenlinien. Staffel drauf, eingerichtet und trocknen lassen. Ich war der Meinung den lass ich eh ewig dort. Wie es so kommen muss, hab ich ihn dann doch weg gerissen. Ich hab eine GROSSE Brechstange und 20 Minuten Zeit gebraucht um das Teil wieder los zu kriegen. Und hätte ich das Silikon nicht mit einem Messer eingeschnitten, so weit ich halt gekommen bin, würd ich glaub ich noch heute dran herum reißen. Also Silikon kann ich als Kleber echt empfehlen. Der einzige Schmarrn is, wenn es mal offen is, solltest du es relativ bald verbrauchen da der Rest sonst austrocknet.

    Naja und den Häuslbauern unter euch brauch ich über PU-Schaum als Wunderwaffe der Klebung, Fixierung,... sicher auch nichts erzählen.

    Aber wenn es um unterwegs geht würde ich mich immer für Panzertape entscheiden

  • Naja wenn es nicht um festes kleben sondern generell überhaupt geht funktioniert auch Mehl. Ich mag das für kinderbasteln ganz gern. Einfach Mehl mit etwas Wasser vermischen bis eine Dickliche Paste entsteht und damit kann man kleben. Hält natürlich nicht Bombe aber hat man gut verfügbar und ist unkompliziert und ungiftig

  • Die ganzen Kleber mit Mehl und Reis und Nudeln basieren auf Stärke. Ja, es funktioniert, aber nur sehr rudimentär. Und jeder billige Uhu ist deutlich besser. Dafür kann man es selber herstellen.

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • Naja vor allem bei Holz ist eine entsprechend angerührte Reispaste dem Uhu vorzuziehen, sie verträgt aber keine Feuchtigkeit. Da kommts wohl auf den Verwendungszweck an. Im BoB ist man mit Uhu vermutlich besser beraten.

  • Was einige so unter Hochleistungs-Kleben verstehen ...

    Fall 1a: Reversibles Hochleistungs-Kleben mit Powermagnet-Doppelseitiges-Klebeband-Hybrid

    Zum reversiblen Kleben auf (senkrechten) metallisch-magnetischen Flächen kann man Neodym Powermagnete mit doppelseitigem Klebeband kombinieren. Powermagnete allein können - je nach Größe - schon mehrere Kilogramm halten. Das Problem: Ein Powermagnet trägt hauptsächlich nur in auseinander ziehender Richtung. Möchte man etwas an einer senkrechten Metallwand befestigen, wirkt die Kraft aber scherend zur Seite. Wenn der Powermagnet normaler Weise 4kg tragen würde, dann reicht ein Bruchteil davon (vielleicht 0,5kg) um ihn seitlich abzuscheren.

    Die Lösung: Powermagnete und dünnes doppelseitiges Klebeband (z.B. Teppichboden-Klebeband) wie folgt verarbeiten:

    • Powermagnete, Klebefläche und anzuklebendes Metallteil mit Scheuermilch und Alkohol grundlich reinigen (im Krisenfall Reparaturklebeband draufkleben und wieder abziehen)
    • Doppelseitiges Kleband auf Klebefläche
    • Powermagnete drauf
    • Doppelseitiges Klebeband auf anzuklebendes Metallteil
    • Anzuklebendes Metallteil auf die Powermagnete
    • 5 min "ansaugen" lassen


    Auf diese Weise lassen sich mit einfachen Mitteln reversible Klebeverbindungen herstellen, die bis zu 1kg/ cm2 scherend tragen, was für eine reversible Klebeverbindung äußerst komfortabel ist. Wenn man etwas rumtüftelt das beste dünne doppelseitige Klebeband zu finden, trägt die Hybrid-Klebeverbindung vermutlich noch mehr.



    Es kommt allerdings auch auf den Zustand des Lacks der Metallfläche an. Wenn der sich löst, kann auch die Klebeverbindung nicht halten.



    Anwendungsfälle:


    • Reversible Halterungen an der Karosserie des (stehenden) Fluchtfahrzeug anbringen (für "Regale" im Vorzelt) ohne den Lack zu beschädigen
    • Behelfsweise Schnellmontage von Halterungen auf metallischen Maschinenflächen
    • ...
  • Die Birkenteer-Herstellung hat mir gefallen, so ein Holzlolli hält dann vermutlich ewig. Für den Gebrauch meine Frage: Erhitzt man ihn, wird er dann wieder zähflüssig? Den Rest wickelt man wieder um das Hölzchen? Trägt man den Kleber mit einem Pinsel auf?

  • Grundsätzlich sind Hochleistungs-Kleben und Survival-(Bushcraft-)Kleben zwei verschiedene Paar Schuhe. Beim Hochleistungskleben geht es darum, schwere Dinge > 2 kg zu befestigen (weil im Krisenfall das passende Montagematerial erstmal fehlt). Survival-(Bushcraft-)Kleben geht es darum, leichte Dinge (Planen, ...) mit Naturprodukten aus der Natur zu befestigen. Beides hat seine Daseinsberechtigung.

    So, dann weiter Hochleistungskleben.

    Der Vollständigkeit halber:

    Sonderfall 1b : Reversible Klebeverbindungen mit Saugnäpfen

    Saugnäpfe funktionieren unter Hochlastbedingen nur auf hochglatten Oberflächen, im Wesentlichen auf Glas oder poliertem Mamor, Granit. Außerdem altern die Saugnäpfe, während sie in der Prepper-Kiste motten. Deshalb haben sie meiner Kenntnis nach beim Preppen keine Bedeutung.

  • Fall 2: Dauerhafte Klebeverbindungen

    Jeder von Euch hat vermutlich bereits Sekundenkleber, 2-Komponentenkleber, usw. im Haus. Das Thema ist größtenteils also bereits bekannt.

    Deshalb möchte nur die tolle Granulat-Klebelösung vorstellen, die man dann anwenden kann, wenn die Oberfläche eines gebrochenen Teils zu klein ist, um durch Wieder-Zusammen-Kleben wieder eine ausreichend belastbare Verbindung zu erhalten. Dabei handelt es sich um das Granulat der Firma HG Powerglue (aus Österreich ).

    Das Klebe-Granulat funktioniert so:

    • Klebestelle anschleifen oder mit Aktivatorlösung behandeln
    • 1 bis 2 mm Granulat drauf streuen (ggf. vorher Ränder mit Knete oder ähnlich basteln)
    • Sekundenkleber (Cyanacrylat) drauf (das fängt an zu reagieren und zu stinken)
    • wieder 1 bis 2 mm Granulat drauf streuen (ohne das Trocknen der vorherigen Schicht abzuwarten)
    • wieder Sekundenkleber (Acrylcryanat) drauf
    • Wiederholen, bis die Klebschicht dick genug ist, das gewünschte Gewicht zu tragen


    Im Extremfall füllt man den ganzen Hohlraum eines abgebrochenen Teils damit auf. Die überstehenden Reste des neu modellierten Materials kann man abschleifen (auch das stinkt leider etwas).



    Dieses Klebeverfahren hält wie der Teufel und kann sehr viele Kilo tragen. Z.B. könnte man damit auch ein abgebrochenes Plastikbein eines Ikeastuhls kleben und wieder darafu sitzen. Wenn man einiger Maßen ordentlich gearbeitet hat, wird er an der Klebstelle nicht mehr kaputt gehen.



    Hier ein Youtube Video des HG Klebstoffe Klebe-Granulats.

    Zwischenzeitlich gibt es auch bereits Nachahmerprodukte. Z.B.


    -

    WIKO Super Glue Filler

    -

    Jamara Speedy -Combine Pulver

    Über deren Qualität kann ich allerdings nichts sagen.

  • Noch eine kleine Ergänzung. Für die Granulate kann man auch die Sekundenkleber anderer Hersteller verwenden. Man sollte nur die flüssige Variante wählen (kein Gel) und mit möglichst hohem Anteil an Acrylcryanat.