Stromausfall - Was ist zu tun

  • Folgende Situation: Das Licht flackert und ist dann aus bzw. geht einfach aus, zusammen mit allen anderen Geräten.

    Was benötigen wir:

    • Zugang zum Verteiler in der Wohung und unter Umständen auch zum Zähler und dem Hausanschlusskasten. Dazu benötigt man unter Umständen Schlüssel, also die passenden Schlüssel besorgen, testen ob sie passen und an einer Stelle wo sie leicht zu finden sind einlagern, am besten beim Wohnungsverteiler.
    • Passende Ersatzsicherungen für die Vorzählersicherung und eventuell die Wohnung falls dort noch Schraubsicherungen verbaut sind.
    • Eineinfaches Messgerät das Spannugn und Durchgang prüfen kann (Es reicht eins für 10 - 20 Euro) und man sollte damit umgehen können.
    • Funktionierende Taschenlampe samt Ersatzbatterien.
    • Servicenummer des Stromversorgers bzw. Netzbetreibers


    Begriffserklärung:
    • Verteiler: Wohnungsverteiler, der Kasten an der Wand in dem die Sicherungen usw sind.
    • LS: Leitungsschutzschalter, das Gerät das bei Kurzschluss abschaltet oder wenn die Leitung durch zu hohen Stromfluss überlastet wird.
    • FI: Fehlerstromschutzschalter, das Gerät das bei einem unerklärlichen Abfluss des Stroms durch ein defektes gerät oder eines Menschen oder Tieres im Stromkreis die Stromversorgung abschaltet.
    • HAK: Hausanschlusskasten, Kasten an der Aussenwand oder an der Grundstücksgrenze in dem die Hauptsicherungen und unter Umständen auch der Zähler sich befindet.
    • Vorzählersicherung: Sicherungen die sich unmittelbar vor dem Stromzähler befinden.
    • Nachzählersicherung: selten Sicherungen die unmittelbar nach dem Zähler positioniert sind, sie werden nur eingebaut wenn die Wohnung eine schwache Zuleitung hat.
    • ÜA: Überspannungsableiter, normalerweise im HAK eingebaut. Bei einer Spannungserhöhung im Stromnetz schließt dieser sich kurz und haut die Sicherungen raus um das Gebäude und die Geräte zu schützen. nach dem Auslösen ist er defekt und muss ersetzt werden.
    • Phase: Sozusagen der Plusspol, aber nur im übertragenen Sinne. Das Stromnetz besteht aus drei Phasen und einem Pen-Leiter bis zum Haus. Phasen sind die Stromführenden Leiter, Pen-Leiter sind die Neutralleiter. Zwischen einer Phase und einem Neutralleiter liegen im Normalfalle 220 - 240 Volt an, zwischen zwei Phasen 390 - 410 Volt.
    • Neutralleiter/Pen: Sozusagen der Minus in unserem Stromnetz, aber nur im übertragenen Sinne.



    Der Strom ist aus, was ist zu tun:


    - Taschenlampe aufnehmen.



    - in anderen Zimmern Licht und Strom kontrollieren, testen ob Geschirrspüler und Waschmaschine gehen, wenn zumindest teilweise in der Wohnung etwas funktioniert ist entweder nur eine Phase betroffen, oder aber in der Wohnung selber gab es eine Störung.



    - Verteiler kontrollieren, sind alle Sicherungen oben, ist der FI oben, wenn nein einschalten und beobachten. Viele drücken auch auf den Testknopf, dabei muss man aber beachten, ohne Strom funktioniert die Testfunktion nicht, das hat also keinesfalls zu bedeuten das der FI defekt ist wenn er auf den Testknopf nicht reagiert. Achten sie darauf ob im Verteiler irgendwas warm ist, 30 Grad sind ok, mehr als 40 Grad weisen auf Probleme hin. Drehen sie alle Sicherungen ab und schalten Sie sie wieder ein, eventuell liegt ein Kontaktfehler vor.



    - In der Wohnung und im Verteiler ist kein Fehler feststellbar? Gut, der nächste Schritt ist, beim Stromzähler die Vorzählersicherungen zu kontrollieren. Drehen sie vorher alle Sicherungen in der Wohnung ab, um beim Sicherungstausch beim Zähler keine Stromfunken zu erzeugen. Oft braucht man auch einen speziellen Schlüssel um zum Zähler zu kommen, besorgen sie ihn sich, in Wien ist der Zählerkastenschlüssel der meistens Verwendung findet für 5 - 10 Euro bei jedem Baumarkt oder Schlüsseldienst käuflich zu erwerben. Auf dem Weg zum Zähler und den Vorzählersicherungen können sie gleich testen ob das Treppenlicht geht, wenn ja ist der Stromausfall nicht so schlimm und begrenzt, wenn nein, ist das ganze Haus betroffen. Gehen sie Zu Fuss, selbst wenn der Aufzug jetzt noch funktioniert, kann er bei weiteren Störungen plötzlich stehen bleiben und sie kommen nicht mehr raus! Es eilt nichts, sie können Ruhe bewahren. Nehmen sie passende Ersatzsicherungen mit, wenn sie keine haben oder nicht sicher sind welche sie benötigen, fragen sie jemanden der sich auskennt (Hauswart, Elektriker, usw).



    - Sie stehen vor dem Zähler, nun irgendwo darunter oder darüber gibt es Sicherungen, sogenannte Vorzählersicherungen. Sie sind manchmal nicht als solche zu erkennen, da im Laufe der Jahre viele verschiedene Systeme eingeführt wurden.


    Wenn es Schraubkappen sind testen sie ob sie fest angezogen sind, ob sie Warm sind. Lockern sich diese Schraubkappen oder erwärmen sie sich, geht die Sicherung dahinter kaputt. Die Schraubkappen haben ein kleines Fenster, leuchten sie hinein, wenn auf der Sicherung hinten ein kleines farbiges Blättchen ist, das schön anliegt ist die Sicherung vermutlich O.K. , wenn das Blättchen weghängt oder komplett fehlt, ist die Sicherung defekt und muss getauscht werden. Leider kommt es immer wieder vor das Sicherungen durchbrennen und das Blättchen nicht abwerfen, deshalb schlage ich vor sie tauschen alle Sicherungen aus Vorsicht aus, und markieren die verbrauchten, sonst verwenden sie sie nochmals.


    Sie haben keine Schraubkappen? Nun dann haben sie das neuere System, Trenner oder TitianTrenner genannt. Falls ihr Elektriker nicht zu geizig war, besitzen diese eine gute Eigenschaft, sie zeigen durch leuchten einer Lampe oder Blinken an ob eine Sicherung im inneren Defekt ist. Falls was blinkt, Trenner öffnen, Sicherung erneuern und wieder einschalten.


    Sie finden keinen Fehler, oder das gesamte Haus hat keinen Strom? Nun, wenn sie erfahren genug sind können sie den Hausanschlusskasten prüfen, falls sie dort hineindürfen.


    Fragen sie bei Nachbarn, oder sehen sie einfach in die Umgebung, wenn alles Finster ist, dann ist das ein grösserer Stromausfall, verständigen sie den Netzbetreiber. Sehen sie sich die Nachbargebäude an, Ampeln usw, gehen die noch, dann ist es ein begrenzter Stromausfall, ist dort auch alles Dunkel, dann ist er großflächiger.



    - Die Ursache liegt nicht in der Wohnung oder beim Zähler? Prüfen sie den HAK wenn sie Zugang zu ihm haben. Eventuell ist eine Sicherung darin gefallen oder der ÜA hat ausgelöst. Bei einer defekten Sicherung können sie ersetzen wenn sie es sich zutrauen, wenn der ÜA ausgelöst hat (rote Anzeige am Überspannungsableiter), muss er ersetzt werden, das sollte sie aber einem Fachmann überlassen



    - Zurück in der Wohnung nachdem sie eine defekte Sicherung getauscht stecken Sie alle Geräte aus die angesteckt sind. Sollte ein Gerät verantwortlich sein würden sie sonst gleich wieder einen Kurzschluss verursachen. Jetzt schalten sie Sicherung für Sicherung ein, lassen sie sich Zeit, warten sie jeweils etwa 1 - 2 Sekunden bevor sie die nächste einschalten. Achten sie dabei auf Geräusche aus der Wohnung, vielleicht hören sie einen Knall, Knistern oder ähnliches, ein Hinweis auf einen Defekt. Eine Sicherung fliegt gleich wieder raus? Keine Sorge, in der heutigen Zeit wo es viele Kleingeräte gibt, kommt das schon mal vor, auch der FI kann unmotiviert schon mal fliegen. Wenn das geschieht, sofort wieder einschalten. Viele Geräte laden sich in dem Moment wo sie Strom bekommen auf, was zu einer kurzzeitigen Überlastung der Sicherung oder des FI führen kann, wenn Sie sofort wieder einschalten hält die Sicherung normalerweise.


    Falls die Sicherung oder der FI selbst nach mehrmaligen Versuchen (2 - 4) nicht hält, dann haben sie einen defekt auf diesem Stromkreis, lassen sie ihn aus, und fahren sie mit dem nächsten fort.



    - Wenn alles funktioniert, sehr gut, sie haben es geschafft, wenn nicht und der defekt in der Wohnung ist, suchen sie ein wenig, oft sind es Kleinigkeiten, wie Wasser das wo reingetropft ist, ein defektes Gerät das sie vergessen haben auszustecken (Kühlschrank, Waschmaschine, Geschirrspüler, Stehleuchten, ..), oder ähnliches. Wenn sie den Fehler nicht finden können, nichts aufschrauben oder zerlegen, rufen sie einen Fachmann. Sie würden sich eventuell verletzen, zudem braucht man oft spezielle Messgeräte um eine Isolationsmessung durchzuführen um den Fehler zu finden. Keine Sorge wegen der Kühlschränke, halten sie sie geschlossen, sie können 8 - 12 Stunden manche sogar länger durchhalten ohne Strom, wenn sie geschlossen bleiben und schon mindestens 24 Stunden in Betrieb waren.



    - Wenn der Stromausfall grösser und vom Netzbetreiber verursacht wurde, schalten sie alle Geräte aus, und lassen sie nur in ein oder zwei Räumen das Licht brennen und die Kühlschränke angesteckt, es verhindert zum einen das beim wiederkommen des Stromes sich irgendwelche Geräte einschalten während sie schlafen oder außer Haus sind, zudem vereinfacht es für den Energieversorger das einschalten wenn nicht soviele Geräte am Stromnetz hängen. Rufen sie den Netzbetreiber an, unter Umständen weiß er noch nichts vom Ausfall.




    Üben sie dieses alles ruhig öfters, z.B. bei der Umstellung auf Winter- oder Sommerzeit, dann sollten sie eh den FI mittels Testknopf drücken um ihn zu prüfen, ein geeigneter Moment eine kleine Stromausfallübung zu veranstalten. Wer übt ist im Falle der Fälle wesentlich entspannter, ruhiger, und sicherer. Ausserdem sehen sie dann ob sie alles haben, Schlüssel, Sicherungen, ob sich was geändert hat an der Installation, usw.




    Der Stomausfall dauert länger? Nun, dann sollten sie vorbereitet sein, das ist aber ein anders Thema das wir bald angehen werden.




    Grüsse Capt J Reynolds

    Wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe. (Sprichwort der Apachen)


    Es gibt viele Wege zum Ziel. (Sprichwort der Apachen)

  • Zitat von Capt J Reynolds im Beitrag #1


    Der Stomausfall dauert länger? Nun, dann sollten sie vorbereitet sein, das ist aber ein anders Thema das wir bald angehen werden...




    Wenn ich alles überprüft habe, geh ich ins Schlafzimmer und hol meinen Stromwagen raus:


    12V/230V 120Ah



    [[File:Stromwagen (1).JPG|none|auto]]



    Natürlich ist das nicht die Lösung für alles, aber ich hab Strom für einige wichtige Dinge:


    Funk, Radio, Fernseher, Licht,...

  • Alles finster?
    Anscheinend ist die Sch.... NEA nicht angesprungen!
    Also Vorzählersicherung (sicherheitshalber) entfernen!
    Dann Zuleitung zu FI entfernen!
    Anschließend normales Notstromaggregat anschließen und beim anschließenden Betrieb Obacht haben das die 3 Phasen möglichst gleichmäßig belastet sind (außer es ist schieflasttauglich)!
    Sollte keine NEA oder Notstromaggregat vorhanden sein die eigene Vorsorgestrategie überdenken und die Kerzen anzünden[Blockierte Grafik: http://img.homepagemodules.de/laugh.gif].
    Sollten keine Kerzen vorhanden sein, fluchen und es nächstes mal besser machen.

    LG Wolfgang

  • Wenn Du im Dunkeln am Verteilerkasten hantieren willst und eventuell auch noch mit dem Messgerät arbeitest, dann schlage ich statt der Taschenlampe eine Stirnlampe vor. Die hat den Vorteil, dass man beide Hände zum Arbeiten benutzen kann. Das mit den Ersatzbatterien gilt natürlich auch dafür.

    Gruss,
    der Bayer

  • Möchte kurz ein paar Dinge hinzufügen:

    Zitat von Capt. Jack Reynolds im Beitrag #1
    Viele drücken auch auf den Testknopf, dabei muss man aber beachten, ohne Strom funktioniert die Testfunktion nicht, das hat also keinesfalls zu bedeuten das der FI defekt ist wenn er auf den Testknopf nicht reagiert.


    Wenn die Phase fehlt wo die Prüftaste draufhängt löst der FI nicht aus obwohl man 2/3 des Haushaltes noch mit Strom versorgt hat, bzw. Sollte eine Phase fehlen wo die Prüftaste nicht draufhängt, löst der FI beim Drücken des Testknopfes aus obwohl vll. Die Phase L2 und/oder L3 fehlt. Also würde ich mich auf das Auslösen/nicht Auslösen des Testknopfes nicht verlassen.



    Zitat von Gast im Beitrag #4
    Alles finster?
    Also Vorzählersicherung (sicherheitshalber) entfernen!
    Dann Zuleitung zu FI entfernen!
    Anschließend normales Notstromaggregat anschließen und beim anschließenden Betrieb Obacht haben das die 3 Phasen möglichst gleichmäßig belastet sind (außer es ist schieflasttauglich)!



    Wenn man ein Notstrom Aggregat betreiben will sollte man sich mit den Bundeslandspezifischen Vorschriften für den Betrieb von Aggregaten auseinandersetzen. Normalerweise benötigt man einen Umschalter für die Ersatzstromversorgung mit folgenden Eigenschaften:


    - Vierpolige Ausführung


    - Der Neutralleiterpol muss voreilend schließen bzw. nacheilend öffnen


    - Lastschalt- und Trennschaltfunktion


    - Mechanische gegenseitige Verriegelung zwischen Netz- und Ersatzstrombetrieb


    z.B. Umschalter mit 3 Schaltstellungen: Netz – 0 – Ersatzstrom“.



    Mit diesen kann man im Verteiler von "NETZ" auf "AGGREGAT Betrieb" umschalten. Zusätzlich gibt es eine LED-Anzeige für die Spannung, um zu sehen wann die Netzspannung wieder vorhanden ist. Nach den Umbau muss eine Elektrofachkraft die Anlage überprüfen und eine Fertigstellungsmeldung ausstellen. Zumindest ist das in meiner Umgebung so.


    Mir ist klar in einer Notsituation wird's egal sein, dennoch wollte ich es gesagt haben.



    LG Gerald

  • Ich würde bei einem ganzen ausfall (sprich der ort/stadt erstmal die Badewanne mit Wasser auffüllen und eventuell eimer und gefähße .

    Da die pumpen ja ohne strom kein wasser liefern?

  • Mani : Da hast du natürlich recht, Wasser ist immer wichtig, hier geht es jetzt aber nicht so sehr um die Sachen für einen Blackout, eher um das Thema Strom selber. Zähler, Sicherungen, FI, ...

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.